Der neue Veranstalter startete am Montag den Aufbau der Osterkirmes. Aber in der Strom-Frage ist nun auch die Polizei eingeschaltet.
Ordnungsamt bricht Verteilerkästen aufStreit um den Strom für die Deutzer Kirmes eskaliert – jetzt muss ein Gericht entscheiden

Verteilerkästen für Strom auf der Deutzer Werft: Die Stadt und der ehemalige Veranstalter der Kirmes, die Gemeinschaft Kölner Schausteller (GKS), streiten um Besitzverhältnis.
Copyright: Julia Hahn-Klose
Der Aufbau der Deutzer Kirmes ist am Montagmorgen holprig gestartet. Der Streit um Verteilerkästen für Strom zwischen der Stadt und dem vorherigen Veranstalter der Kirmes, der Gemeinschaft Kölner Schausteller (GKS), eskalierte weiter. Die GKS rief am Morgen die Polizei und erstattete Anzeige wegen Sachbeschädigung – die Stadt spricht von Besitzstörung durch die GKS.
Am Morgen war zu beobachten, wie ein Mitarbeiter des Ordnungsamts die Verteilerkästen auf der Deutzer Werft aufbrach. Das sahen auch GKS-Mitarbeitende und riefen die Polizei. „Die Stadt begeht aktiv eine Straftat“, sagte GKS-Sprecher Alexander Gillgen vor Ort. Das Büro der GKS liegt direkt an der Werft, aus dem Fenster überblickt Gillgen das Gelände, wo nun der Leverkusener Veranstalter Wilfried Hoffmann die Kirmes aufbaut. Die GKS hatte im Losverfahren gegen Hoffmann den Kürzeren gezogen.

Die grauen Verteilerkästen an der Kaimauer stehen neben dem Sitz der GKS auf der Deutzer Werft.
Copyright: Martina Goyert
Nach der umstrittenen Neuvergabe der Ausrichtung setzte sich die Posse mit ungeklärten Besitzverhältnissen der Verteilerkästen fort: Zwei Beamte nahmen beim Aufbau der Kirmes eine Anzeige wegen Sachbeschädigung auf, die sich laut GKS gegen die Stadtdirektorin Andrea Blome richtet, der unter anderem das Ordnungsamt untergeordnet ist. Die Polizeibeamten forderten die Kölner Schausteller dann aber auf, den neuen Veranstalter nicht weiter beim Aufbau zu stören.
Alles zum Thema Amts- und Landgericht Köln
- Geständnis beim Prozess Bademeister aus Köln missbraucht 13-Jährige nach Besuch im Schwimmbad
- „Ich bin ein richtiger Chaot“ TV-Star Dennis Schick hat wegen Benzin und Blumen Ärger mit der Kölner Justiz
- Staatsanwalt ist sich sicher Mordversuch an Kölner See wegen „verletzter Familienehre“
- Opfer verhöhnt Obdachloser stieg in Wohnung ein und verging sich an Kölnerin
- Baby-Leiche Marienheider Mutter aus U-Haft entlassen
- Wirbel um Ex-Tengelmann-Chef Bilder sollen verschwundenen Milliardär Karl-Erivan Haub in Russland zeigen
- Streit um Parkplatz in Köln Mann soll betagten Nachbarn geschlagen haben – Senior starb im Krankenhaus
Stadt sieht Verteilerkästen in ihrem Besitz
Auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeigers“ kommentierte eine Sprecherin der Stadt die Anzeige: „Da die Strominfrastruktur sich im Eigentum der Stadt Köln befindet, lag eine sogenannte Besitzstörung vor.“ Sie liege dann vor, wenn Eigentum unrechtmäßig nicht zugänglich gemacht werde. „Da zusätzlich alle Versuche einer gütlichen Einigung gescheitert sind, blieb als letzte Möglichkeit zur Sicherstellung des Betriebes nur eine Öffnung der Kästen.“
Die GKS sagt, sie habe die Strominfrastruktur für 275.000 Euro gebaut, daher gehöre sie auch ihr. Die Stadt widerspricht, die erstmals 2002 installierte Stromversorgung sei im Besitz des Eigentümers des Festplatzes, also der Stadt. „Durch die 2015 bis 2017 erfolgte Modernisierung der Infrastruktur erfolgte kein Eigentumsübergang an die GKS“, schreibt die Sprecherin der Stadt.
Kölner Schausteller verplombten Verteilerkästen
Der neue Veranstalter hatte am 4. März die GKS angefragt, ob die Nutzung der Strominfrastruktur auf dem Gelände ermöglicht werden könne. Die GKS lehnte ab, wählte den Rechtsweg und verplombte die Verteilerkästen. Rote Plaketten auf ihnen, die auch Montag noch zu sehen waren, bezeichnen sie als Eigentum der GKS und drohen mit strafrechtlicher Verfolgung, würden sie ohne Genehmigung genutzt.
Am Freitag ist eine mündliche Verhandlung am Landgericht Köln angesetzt, weil die GKS eine Einstweilige Verfügung in der Sache beantragte. Ob dann bereits eine Entscheidung zu erwarten ist, wie die GKS zuletzt hoffte, ist allerdings fraglich. In dem Zivilverfahren dürfte das Gericht länger brauchen, als es in Strafsachen der Fall ist.
Da am 30. März aber die Osterkirmes öffnen soll, rollten jetzt bereits die ersten Schausteller-LKW am Rhein an. Von den Stromkästen an der Kaimauer aus muss der Veranstalter mit weiteren mobilen Kästen die Versorgung über die gesamte Werft legen. Diese waren schon am späten Morgen am Netz und in Betrieb. Am Abend standen schon die Kabinen eines Riesenrads und der Mast eines Kettenkarussells auf dem Festplatz. Nachdem in den vergangenen Wochen ein pünktlicher Start zu wackeln schien, sagte Wilfried Hoffmann am Montag: „Die Kirmes wird wie geplant stattfinden.“