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„Ich muss los – das Feuer ist im Hof“Flugzeug-Panne, Schuldzuweisungen, Trauer – Brände in LA weiter außer Kontrolle

Lesezeit 4 Minuten
Dieses von Maxar Technologies Satellitenbild zeigt die Ausmaße des Eaton-Feuers in Altadena am Mittwoch.

Dieses von Maxar Technologies Satellitenbild zeigt die Ausmaße des Eaton-Feuers in Altadena am Mittwoch.

Die Zahl der Toten ist erneut gestiegen, die Schäden werden auf rund 150 Milliarden Dollar geschätzt. Und die Brände in Los Angeles wüten immer weiter.

Die Zahl der Toten bei den Waldbränden im Großraum Los Angeles ist laut der gerichtsmedizinischen Behörde auf mindestens zehn gestiegen. Die Opfer müssten noch identifiziert werden, hieß es am Donnerstagabend (Ortszeit) in einer Mitteilung.

Opferzahl bei Flammeninferno im Raum Los Angeles steigt

Die schweren Brände in und um Los Angeles haben gewaltige Schäden hinterlassen. Laut einer vorläufigen Schätzung des privaten US-Wetterdienstes AccuWeather, das auch die Auswirkungen von Unwettern bemisst, könnten der Gesamtschaden und die wirtschaftlichen Verluste bei 135 bis 150 Milliarden Dollar (131 bis 146 Milliarden Euro) liegen.

Die Häuser im Stadtteil Pacific Palisades in Los Angeles sind völlig ausgebrannt.

Die Häuser im Stadtteil Pacific Palisades in Los Angeles sind völlig ausgebrannt.

Es handele sich um eine der kostspieligsten Waldbrandkatastrophen in der modernen Geschichte der USA, sagte Chefmeteorologe Jonathan Porter laut einer Mitteilung des Unternehmens. „Orkanartige Winde ließen Flammen durch Viertel mit Häusern im Wert von mehreren Millionen Euro wüten. Die hinterlassenen Verwüstungen sind herzzerreißend, und der wirtschaftliche Schaden ist enorm.“

Milliarden-Schäden durch Brände in Kalifornien – Feuer in Los Angeles weiter außer Kontrolle

Da die Feuer noch nicht unter Kontrolle seien, könne die Höhe der Schäden noch steigen. Bei den Bränden sind Medienberichten zufolge bislang etwa 10.000 Gebäude zerstört worden. Die Brände sind weiter außer Kontrolle, Feuerwehrkräfte rund um die Uhr im Einsatz.

Die beiden größten Brände in Los Angeles waren am 9. Januar trotz der Löscharbeiten zu „null Prozent“ eingedämmt, teilten die Behörden mit.

Die beiden größten Brände in Los Angeles waren am 9. Januar trotz der Löscharbeiten zu „null Prozent“ eingedämmt, teilten die Behörden mit.

Der Alltag in der Region steht indes nach wie vor still. Schulen bleiben geschlossen, den Behörden zufolge vor allem wegen der schlechten Luftqualität. Dichter Rauch liegt über der Stadt, viele Menschen tragen Masken, um sich vor den schädlichen Partikeln zu schützen. Die Situation hat auch Auswirkungen auf die Spielpläne der Sportligen, wie die Football-Liga NFL: Das für Montag geplante Playoff-Spiel der Los Angeles Rams gegen die Minnesota Vikings wurde nach Arizona verlegt, wie die Liga bekanntgab.

Auch die Pläne der US-Vizepräsidentin Kamala Harris änderten sich: Sie sagte wegen der Feuerkatastrophe einen geplanten Besuch in Deutschland ab.

Politikerin aus Los Angeles erhebt schwere Vorwürfe: Infrastruktur kaputtgespart

Während peu à peu das Ausmaß der Katastrophe deutlich wird, erhebt eine Politikerin schwere Vorwürfe. Die Verwüstung sei das Ergebnis „chronisch unzureichender Investitionen in kritische Infrastrukturen“, sagte Traci Park, Stadträtin für den Bezirk 11 von Los Angeles. Park erklärte gegenüber CNN, dass die Zahl der Feuerwachen und Feuerwehrleute in der Stadt Lost Angeles seit 50 bis 60 Jahren gleich geblieben sei – obwohl mindestens 62 neue Feuerwachen benötigt würden.

Flugzeug-Panne in Los Angeles: Drohne kollidiert mit Löschflugzeug

Die Rettungseinsätze der sich im Dauereinsatz Feuerwehrleute gestaltet sich indes weiter schwierig. Am Donnerstag berichtete die Bundesluftfahrtbehörde FAA über einen Zusammenstoß eines Löschflugzeugs mit einer vermutlich privat betriebenen Drohne. Die Panne blieb ohne Folgen, die Piloten kamen mit dem Schrecken davon. Dennoch betonte die FAA, dass sie „niemandem, der nicht mit den Löscharbeiten in Los Angeles in Verbindung steht, die Erlaubnis erteilt hat, Drohnen im gesperrten Luftraum über den Waldbränden zu fliegen“.

Insgesamt wurden acht militärische Transportflugzeuge des Typs C-130 aktiviert, um die Brandbekämpfung in Los Angeles zu unterstützen.

Ein Mann tröstet seine Tochter in den verkohlten Ruinen ihres Hauses, das im Eaton Fire in Altadena, Kalifornien, am 9. Januar 2025 verbrannt ist.

Ein Mann tröstet seine Tochter in den verkohlten Ruinen ihres Hauses, das im Eaton Fire in Altadena, Kalifornien, am 9. Januar 2025 verbrannt ist.

Während die Einsatzkräfte weiter an zahlreichen Fronten gegen das Feuer kämpfen, kommt für viele Betroffene jegliche Hilfe zu spät. Menschen wie Walter und Yalda Seace haben alles verloren. Das Haus, in dem sie 40 Jahre in Altadena gelebt haben, liegt in Schutt und Asche, wie der Sender KABC berichtet. „Wir stehen vor dem Nichts“, sagte Walter Seace dem Nachrichtensender. Einziger Trost: Sie selbst blieben unversehrt.

Schicksale bewegen die USA: Menschen trauern um Angehörige, die im Feuer starben

Andere, wie der 67 Jahre alte Mitchell, hatten weniger Glück. Seine Tochter Hajime White berichtet, wie er am Telefon mitgeteilt habe, dass die Brände näher kämen und sie evakuiert werden müssten. „Dann sagte er: ‚Ich muss los – das Feuer ist im Hof.‘“ Wie sie später erfuhr, schaffte ihr gehbehinderter Vater es nicht mehr rechtzeitig. Die Behörden informierten die Familie, dass Mitchell am Bett seines Sohnes gefunden wurde, der ebenfalls im Feuer gestorben war. „Er wollte seinen Sohn nicht zurücklassen. Egal, was passiert“, sagte White der „Washington Post“.

Während Tausende um Angehörige oder über den Verlust ihrer Existenz trauern, wütet das Feuer am Freitag weiter. Das größte der derzeit fünf wütenden Feuer im Großraum Los Angeles – „Palisades Fire“ genannt – brenne aktuell auf einer Fläche von rund 8.000 Hektar, teilte die Feuerwehr weiter mit. Das „Eaton Fire“ wuchs derweil auf mehr als 5.500 Hektar an. „Das „Eaton-Fire“ ist weiterhin zu null Prozent eingedämmt“, betonte Anthony Marrone, Feuerwehrchef von Los Angeles County. (mit dpa)