Billig-Airlines kehren NRW den Rücken, weil die Gebühren und Abgaben zum Teil viel höher sind als in den Nachbarländern. Das war Thema im Landtag.
Gebühren vergraulen AirlinesFlug ab Düsseldorf ist siebenmal teurer als ab Madrid

Flugzeuge parken am frühen Morgen am Terminalgebäude des Flughafens Düsseldorf.
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Die Flughäfen in NRW sind durch die Konkurrenz der Airports in Belgien und in den Niederlanden massive von Wettbewerbsnachteilen betroffen. Das ist das Fazit einer Expertenanhörung zur Stärkung der Luftverkehrsinfrastruktur im Düsseldorfer Landtag, die von der FDP beantragt worden war.
„Es darf nicht sein, dass ein Flug aus Düsseldorf mehr als siebenmal so hohe Abgaben verursacht als aus Madrid“, sagte Christof Rasche, Verkehrsexperte der Liberalen im Landtag, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. NRW sei ein Exportland. „Und Export braucht Flughäfen“, sagte der FDP-Politiker. Regulatorische Hürden würden notwendige Investitionen systematisch verhindern.
Standortkosten wie Steuern und Gebühren für die Flugsicherung waren in Deutschland zwischen 2019 und 2024 um 38 Prozent gestiegen, das sind acht Prozent mehr als im europäischen Durchschnitt. Im Mai vergangenen Jahres hatte die Ampel-Regierung die Luftverkehrssteuer deutlich erhöht. Für Langstrecken (mehr als 6000 Kilometer) beträgt sie 70,83 Euro pro Person und Reise – zuvor waren es 58,06 Euro.
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Luftfracht wird zum Teil günstiger per Lkw über die Grenze transportiert
Billig-Airlines wie Ryanair hatten sich in NRW zuletzt vom Standort Dortmund zurückgezogen und das Angebot in Köln/Bonn deutlich reduziert. Auch Condor, Easyjet oder Eurowings reduzierten die Zahl der Flugziele und stationieren ihre Flugzeuge vermehrt im europäischen Ausland.
Der Frachtverkehr sei ebenfalls betroffen, hieß es in der Anhörung. Teilweise sei es günstiger, Luftfracht aus Drittstaaten, die in Deutschland verkauft werden soll, nach Belgien zu fliegen und im Anschluss per Lkw nach Deutschland zu transportieren, warnte der Flughafen Köln/Bonn.
Die Fluggastzahlen in NRW liegen auch fünf Jahre nach der Pandemie unter dem Vor-Corona-Niveau. Zu den Ursachen zählt ein massiver Rückgang bei den Inlandsflügen ab Düsseldorf und Köln/Bonn. Grundlage dafür ist, dass es wegen der Option von Online-Meetings weniger Geschäftsreisen gibt (minus 64 Prozent seit 2019).
Deutschland liegt bei Flugsicherungsgebühren auf Platz drei
Viele Urlauber starten zudem wegen niedrigerer Kosten von Airports in Amsterdam, Brüssel, Eindhoven, Maastricht und Lüttich in die Ferien. Laut der Industrie- und Handelskammer NRW betragen die Gebühren für einen Flug nach Mallorca in einem Airbus A 321 in Belgien 2273 Euro – in Düsseldorf werden 4900 Euro fällig.
Die Kosten haben sich seit 2019 verdoppelt. Bei den Flugsicherungsgebühren liegt Deutschland europaweit auf Platz drei. Die Luftsicherheitsgebühren zur Kontrolle von Passagieren und Gepäck stiegen um bis zu 50 Prozent.
Das Land NRW hatte zuletzt vergeblich versucht, den Luftverkehr über eine Änderung des Landesentwicklungsplan (LEP) zu beeinflussen. In NRW gelten bislang nur die Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn als Standorte mit landesweiter Relevanz und genießen die damit verbundenen Fördervorteile.
Der Versuch der ehemaligen schwarz-gelben Landesregierung, auch die Regionalflughäfen Dortmund, Paderborn und Weeze durch eine Änderung des LEP für „landesbedeutsam“ zu erklären, war 2024 nach einer Klage des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster gescheitert.
Flugzeuge belasten Klima sieben Mal stärker als Bus und Bahn
Die Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF) teilt die Bedenken der Umweltschützer gegen den Ausbau der Fluginfrastruktur. „Flugzeuge belasten das Klima im Durchschnitt über siebenmal stärker als Bahn und Bus im Fernverkehr, sagte der BVF-Sachverständige Helmar Pless. NRW verfüge über eine europaweit einzigartige Flugplatzdichte und einen sehr hohen Anteil an Low-Cost-Angeboten von Billigfluggesellschaften.
Die Lufthansa wies darauf hin, dass der Luftverkehr in vielen Weltregionen politische Priorität genieße. So plane Saudi-Arabien das Passagieraufkommen bis 2030 auf 330 Millionen Reisende mehr als zu verdreifachen. Zum Vergleich: 2024 flogen 18,6 Millionen Passagiere in NRW ab. Der mit Anstand größte Flughafen ist Düsseldorf, gefolgt von Köln/Bonn und Weeze.