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Kreml lässt Trump mit Kritik auflaufenPutin bekräftigt mit grausamer Anordnung seine Kriegspläne

Lesezeit 6 Minuten
Kremlchef Wladimir Putin in Militäruniform. Die russische Regierung reagiert gelassen auf die Kritik von Donald Trump. Aus Kremlkreisen kommen derweil deutliche Signale. (Archivbild)

Kremlchef Wladimir Putin in Militäruniform. Die russische Regierung reagiert gelassen auf die Kritik von Donald Trump. Aus Kremlkreisen kommen derweil deutliche Signale. (Archivbild)

Nach der ungewöhnlichen Kritik von Donald Trump gibt sich Moskau offiziell gelassen – Kreml-Insider schildern jedoch eindeutige Pläne.

Nach der Schelte von US-Präsident Donald Trump, der am Sonntag erklärt hatte, dass er wegen der jüngsten Forderungen von Kremlchef Wladimir Putin „stinksauer“ sei, hat Moskau gelassen reagiert. Putin hatte in der letzten Woche vorgeschlagen, den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj abzusetzen und durch eine „externe Verwaltung“ zu ersetzen. Mit der wäre Moskau dann eventuell bereit zu verhandeln, verkündete Putin und drohte gleichzeitig damit, die ukrainischen Streitkräfte entlang der Frontlinie zu „erledigen“.

Trump hatte das am Sonntag mit deutlichen Worten kritisiert – kurz darauf aber auch den Druck auf Selenskyj erneut erhöht, falls dieser ein geplantes Abkommen über den Abbau Seltener Erden in der Ukraine platzen lasse.

Kreml reagiert gelassen auf Schelte von Donald Trump

Trotz der wütenden Worte Trumps sei Putin weiterhin „offen“ für Gespräche mit dem US-Präsidenten, teilte Kremlsprecher Dmitri Peskow nun mit. „Wir arbeiten weiter mit der amerikanischen Seite zusammen, vor allem um unsere bilateralen Beziehungen aufzubauen, die unter der vorherigen Regierung schwer beschädigt wurden“, führte Peskow aus.

Moskau sei derzeit auch mit der „Umsetzung einiger Ideen im Zusammenhang mit der Lösung der Ukraine-Frage“ beschäftigt, betonte der Kremlsprecher. „Aber es gibt noch keine Einzelheiten, über die wir Sie informieren müssten.“ Ein Telefonat mit Trump sei bisher nicht geplant, erklärte Peskow weiter. Das könne sich, wenn nötig, aber kurzfristig ändern.

Kreml-Insider: Putin will Selenskyj aus dem Amt drängen

Während die offizielle Reaktion des Kremls betont entspannt ausfällt, berichten russische Diplomaten anonym, dass Putin weiterhin nicht von seinem martialischen Kurs abrücken werde – und das in gewisser Weise auch gar nicht mehr könne. Da Russland militärisch keine großen Fortschritte erzielen kann, liege der Fokus nun darauf, Selenskyj aus dem Amt zu drängen, erklärten fünf Quellen aus russischen Regierungskreisen der „Moscow Times“.

So wolle der Kreml den Weg zu einer ukrainischen Regierung freimachen, die bereit ist, die vier von Moskau beanspruchten ukrainischen Regionen und die Halbinsel Krim abzutreten. Putin habe sich dabei selbst in ein Dilemma gebracht, schilderten die Kreml-Insider übereinstimmend. Da der Kreml die ukrainische Regierung stets als „Nazi-Regime“ bezeichnet habe, könne er nun nicht in Verhandlungen mit den angeblichen „Nazis“ treten, erklärte ein russischer Diplomat dem Exilmedium. 

„Wir müssen das Problem an der Wurzel packen“

„Selenskyj wird keinen territorialen Zugeständnissen zustimmen“, zitierte die „Moscow Times“ aus Moskauer Regierungskreisen. „Wir müssen das Problem an der Wurzel packen: ihn entfernen.“ Eine weitere Quelle teilte diese Einschätzung. Nur das Ende Selenskyjs könne einen „erfolgreichen und vorteilhaften“ Kriegsausgang für Moskau gewährleisten, erklärte der anonyme Informant. Putin hege zudem eine persönliche Abneigung gegenüber dem ukrainischen Präsidenten, „weil er es gewagt hat, ihn öffentlich herauszufordern“, berichtete ein weiterer Kreml-Insider.

Kremlchef Wladimir Putin will die ukrainische Regierung stürzen. (Archivbild)

Kremlchef Wladimir Putin will die ukrainische Regierung stürzen. (Archivbild)

Die Versuche, bei Trump Zweifel an Selenskyj zu säen, setzte Russland in den letzten Tagen tatsächlich fort. Obwohl bisher noch kein Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine in Kraft getreten ist, berichtete der russische Senator Wladimir Dschabarow zuletzt über eine angebliche „Weigerung“ der Ukraine, einen Waffenstillstand „einzuhalten“. Eine „externe Verwaltung“ sei daher eine gute Idee des Kremlchefs gewesen, befand der ehemalige KGB-Agent. Wenn man Selenskyj gewähren lasse, drohe „völliges Chaos bis hin zum Bürgerkrieg“ in der Ukraine, verbreitete der Senator weiter seine Fake-News.

Putin ordnet Einberufung von Ukrainern in russische Armee an

Tatsächlich ist bisher noch keiner der angedachten Waffenstillstände jemals in Kraft getreten – und zwar, weil der Kreml stets kurz nach einer Einigung neue, inakzeptable Bedingungen formuliert und den Prozess so immer wieder verzögert hat. Kiew spricht von einer bewussten Verzögerungstaktik Moskaus – und warnte zuletzt davor, dass Russland neue militärische Offensiven vorbereitet.

Dafür sprechen auch die jüngsten Berichte darüber, dass die russischen Besatzungstruppen mit der lange befürchteten Einberufung von Ukrainern in den besetzten Gebieten in die russische Armee begonnen haben sollen.

Ukraine wirft Moskau erneuten Bruch des Völkerrechts vor

Im Rahmen der sogenannten „Frühjahrs-Einberufung 2025“ sollen nun auch Ukrainer in Russlands Streitkräften gegen ukrainische Soldaten an der Frontlinie kämpfen, berichtete das Außenministerium in Kiew am Montag und warf Moskau einen erneuten Bruch des Völkerrechts vor. Die russische „Wehrpflicht“ sei auch gemäß der Genfer Konvention untersagt, betonte Kiew.

Auch dieser Schritt Moskaus kann als klares Signal gewertet werden: Putin setzt auf neue Eroberungen und Krieg, nicht auf Gespräche und eine Friedenslösung. „Die Falken dominieren den inneren Kreis des Präsidenten“, sagte ein russischer Diplomat dazu der „Moscow Times“. Putin werde sich auch weiterhin vehement weigern, irgendwelche Zugeständnisse zu machen, solange Selenskyj im Amt sei. „Das ist für Putin inakzeptabel.“

„Kanada und Grönland im Austausch für die Ukraine und Europa“

Der Kremlchef handele nach der Devise: „Schütze, was dir gehört, und gib großzügig her, was dir nicht gehört“, erklärte mit Boris Bondarew auch ein ehemaliger Kreml-Diplomat, der nach Kriegsbeginn von seinem Amt zurückgetreten war. Putin sei jedoch sehr wohl bereit dazu, in den Gesprächen mit Trump „Kanada und Grönland im Austausch für die Ukraine und Europa anzubieten“, führte Bondarew aus und dürfte damit die Duldung eines solchen Schrittes im UN-Sicherheitsrat gemeint haben. Abseits davon werde es maximal symbolische Zugeständnisse im Laufe der Verhandlungen geben.

Aus dem russischen Außenministerium kommen derweil auch Warnungen, berichtete die „Moscow Times“ weiter. Wenn Russland die aktuelle Gelegenheit verpasse, einen „Deal“ mit Trump zu machen, der für Moskau vorteilhaft sei, riskiere Putin, dass der US-Präsident wütend werde. „Er könnte explodieren – und dann wird Biden im Vergleich zu einem wütenden Trump wie ein freundlicher Weihnachtsmann wirken. Ich hoffe, unsere Führung behält dies im Hinterkopf“, sagte eine Quelle.

„Russland wird unter keinen Umständen abziehen“

Die jüngsten Töne in den russischen Staatsmedien stützen die Angaben der anonymen Quellen. So veröffentlichte die staatliche Nachrichtenagentur Tass am Montag einen ausführlichen Artikel mit der Überschrift: „Warum eine UN-geführte Übergangsregierung die Rettung für das ukrainische Volk ist.“ In der kremlnahen Zeitung „Moskowski Komsolomez“ betonte Kolumnist Dmitri Popow unterdessen, dass Moskau nicht vor Trump zurückweichen werde.

US-Präsident Donald Trump im Gespräch mit Wladimir Putin. (Archivbild)

US-Präsident Donald Trump im Gespräch mit Wladimir Putin. (Archivbild)

Die USA seien „eine Konfliktpartei“, schrieb der russische Journalist – und wurde dann überdeutlich. „Russland wird unter keinen Umständen abziehen.“ Trump, der immer noch Russlands „Gegner“ sei, versuche Frieden zu schließen und sich gleichzeitig die Ressourcen der Ukraine unter den Nagel zu reißen, hieß es weiter. „Aber wir haben eine andere Vorstellung von Frieden.“

„Putin denkt, dass er noch mehr von Trump bekommen kann“

Von der „freundschaftlichen“ Beziehung, von der Trumps Sondergesandter Steve Witkoff nach seinen letzten Reisen nach Moskau berichtet hatte, scheint man in Russland derzeit nur noch wenig wissen zu wollen. Freunde, das sind in Moskau Augen offenbar nur diejenigen, die bereit sind, Putin zu geben, was der Kremlchef will.

Für den zuletzt augenscheinlich naiven Umgang der US-Regierung mit Kremlchef Putin bekommen Trump und seine Mitarbeiter unterdessen auch in der Heimat immer schärferen Gegenwind. „Witkoff weiß gar nichts, tatsächlich ist er eher ein Propaganda-Mittel für Putin als alles andere“, ließ John Bolton nun kein gutes Haar am amerikanischen Sondergesandten. Auch der ehemalige nationale Sicherheitsberater Trumps rechnet nicht mit einem Kurswechsel in Moskau, wie Bolton im Gespräch mit Sky betonte: „Putin denkt, dass er noch mehr von Trump bekommen kann.“

Damit könnte der Kremlchef richtig liegen. Bereits am Montag ruderte der US-Präsident nach seiner ungewöhnlichen Kritik an Putin zurück. „Ich denke, er wird sich an das halten, was er mir gesagt hat“, erklärte Trump. Zusätzliche Zölle, wie zuvor angedroht, wolle er gegen Russland nicht verhängen, fügte er an.