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Pläne vorgestelltDie Sanierungsarbeiten am Waldfreibad an der Steinbachtalsperre beginnen

Lesezeit 4 Minuten
Ein leer gelaufenes, sehr tiefes Schwimmbecken, darin steht ein alter Sprungturm mit drei Ebenen.

Das Schwimmerbecken hat eine Tiefe von 5,50 Metern und wird im Zuge der Sanierung auf heute übliche zwei Meter angehoben. Der alte Sprungturm muss weichen, da er aktuellen Sicherheitsansprüchen nicht entspricht.

Das historische Ambiente der denkmalgeschützten Schwimmbad-Anlage bleibt erhalten, wird aber an moderne Standards angepasst.

Wer erinnert sich nicht daran? Das Wasser im Waldfreibad an der Steinbachtalsperre war immer dunkelgrün und unergründlich. Jetzt, wo das Schwimmerbecken leergelaufen ist, versteht man, weshalb: Ganze 5,50 Meter tief wurde es 1938 erbaut, im selben Jahr wie die daneben liegende Talsperre. Beide Anlagen wurden während der Flutkatastrophe im Sommer 2021 zerstört. Und während beim Wiederaufbau der Talsperre noch zahlreiche Fragen offen sind, beginnt nebenan im Freibad die Sanierung.

Gestartet wird mit dem Kinderbecken. Zwei Abrissbagger sind dabei, Betonteile zu entfernen und zu zerkleinern. „Das Becken wird in seiner Form erhalten, denn auch das steht unter Denkmalschutz“, sagte Euskirchens Bürgermeister Sacha Reichelt bei einem Ortstermin, zu dem er und Jürgen Huthmacher, Fachbereichsleiter für Kultur, Freizeit und Sport, neben Journalisten auch Vertreter der Fraktionsspitzen von CDU, SPD, Grünen und FDP eingeladen hatten.

Das Waldfreibad wird modernisiert, der Charme soll aber bleiben

In Absprache mit der Denkmalschutzbehörde wird das Waldfreibad so modernisiert, dass der historische Charme dabei nicht verloren geht. „Es soll eine Anlage werden, die auch den Ansprüchen nächster Generationen gerecht wird, ohne den Naturcharakter des Bades zu verändern“, sagte Reichelt. 7,9 Millionen Euro werden investiert: „97 Prozent davon werden aus Landes- und Bundesmitteln zum Wiederaufbau bestritten.“

Ein Bagger zerkleinert große Betonstücke. Auf dem Boden liegt Schutt und Metallschrott. Mitten drin steht eine weiße Elefantenrutsche.

Die Abbrucharbeiten sind im vollen Gange. Neben Schutt und Schrott wird auch eine Elefantenrutsche entsorgt.

Zwei Männer halten einen Plan des sanierten Freibades an eine Holzwand.

Freizeitoase im Grünen: Fachbereichsleiter Jürgen Huthmacher (l.) und Bürgermeister Sacha Reichelt mit dem Plan des zukünftigen Waldfreibades.

Das Schöne erhalten, moderne Standards übernehmen: Die alten Holzbauten, in denen sich Kasse, Sanitäranlagen und Umkleiden befinden, bleiben so, wie man sie kennt. „Wir führen nur eine Dachsanierung durch“, erklärte Jürgen Huthmacher.

Das große Schwimmbecken mit einer Fläche von 7500 Quadratmetern wird zukünftig unterteilt in verschiedene Bereiche: Einer mit 70-Meter-Bahnen, die zum Sportschwimmen einladen, sowie ein Nichtschwimmerbereich mit Rutsche, Geysir, Schwalldusche, Sprühsteinen und Massagedüsen. Durch einen Steg abgetrennt findet sich das Sprungbecken. „Der alte Sprungturm wird erneuert, da er heutige Sicherheitsstandards nicht mehr erfüllt“, so Reichelt. Zwei der Plattformen des alten Turms liegen nämlich übereinander, was ein Risiko in sich birgt.

Wir arbeiten mit Hochdruck daran, das Gesamterlebnis Steinbachtalsperre mit Waldfreibad und Gastronomie wieder aufzubauen.
Bürgermeister Sacha Reichelt

Und dann gibt es noch den Aufbereitungsbereich: Auf gut einem Drittel des ehemaligen Schwimmbereichs wird zukünftig mittels Schilfen, Gräsern und Kies das Wasser gefiltert, sodass es wieder Trinkwasserqualität hat. „Wir werden nur noch über Verdunstung und Badegäste Wasser aus dem Becken verlieren“, erklärte Huthmacher. Der Ablass zur Talsperre werde geschlossen, sodass beide Anlagen unabhängig voneinander betrieben werden können.

Die Wassertiefe wird auf das Normalmaß zurechtgestutzt

Verändert wird im Zuge der Sanierung auch die Wassertiefe des großen Schwimmbeckens. „Wir nutzen die Gelegenheit, diese auf Normalmaß zurechtzustutzen, also auf zwei Meter“, sagte Huthmacher. Wer denkt, dass hierfür der bei den Arbeiten entstehende Schutt und Aushub verwendet werden kann, irrt gewaltig – neues Füllmaterial muss beschafft werden. Die Frage nach dem Warum beantworteten Huthmacher und Reichelt unisono mit nur einem Wort: „Deutschland.“

Wir werden nur noch über Verdunstung und Badegäste Wasser aus dem Becken verlieren.
Fachbereichsleiter Jürgen Huthmacher

Auch im Außenbereich des Waldfreibads wird vieles verändert und verbessert. So gibt es im Kleinkinderbereich einen eigenen Spielplatz. Gäste können es sich dort in Strandkörben oder auf der Sitzmauer mit Bankauflagen gemütlich machen. Die beiden großen Liegewiesen mit dem alten Baumbestand bieten Tischtennisplatten und ein Beachvolleyballfeld. Für größere Kinder wird es einen Wasserspielplatz und einen Bereich mit Kletter- und Schaukelgeräten geben.

Wenn die Sanierung abgeschlossen ist, müssen zunächst einmal 6500 Kubikmeter Wasser eingefüllt werden. „Das machen wir mit Uferfiltrat und so wenig wie möglich Trinkwasser aus dem Leitungsnetz“, so Betriebsleiter Huthmacher. Wenn eines Tages die Talsperre wieder gefüllt ist, könnte man auch daraus das Freibad speisen. Dazu, wann die Steinbachtalsperre wieder mit Wasser befüllt sein wird, lässt sich nach derzeitigem Stand keine seriöse Aussage machen. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, das Gesamterlebnis Steinbachtalsperre mit Waldfreibad und Gastronomie wieder aufzubauen“, versicherte der Bürgermeister.

Ob man tatsächlich wie geplant im Sommer 2026 wieder im Waldfreibad planschen kann? Sacha Reichelt ist nur verhalten optimistisch: „Es ist schwierig, einen genauen Zeitplan zu nennen. Es gibt Verzögerungen durch Ausschreibungen. Deshalb gehe ich eher von Ende 2026 aus.“ Eines sei jedenfalls schon jetzt klar: „Der Betriebsleiter wird als erster ins Wasser springen. Egal, welche Jahreszeit wir dann haben“, scherzte Reichelt in Richtung Huthmacher.