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Einstimmig gewähltSPD Euskirchen nominiert Michael Höllmann als Bürgermeisterkandidat

Lesezeit 3 Minuten
Drei Frauen und drei Männer haben sich zu einem Gruppenbild aufgestellt.

Der Euskirchener SPD-Bürgermeisterkandidat Michael Höllmann (M.) mit den Ortsvereinsvorstandsmitgliedern Georgios Moudouris (v.l.), Sandra Höllmann, Claus Gemballa, Gianna Voißel und Helga Ebert.

Der 58-Jährige, der im Euskirchener Rat die SPD-Fraktion leitet, tritt gegen Amtsinhaber Sacha Reichelt an, der mittlerweile der CDU angehört.

Jetzt ist es offiziell: Die SPD Euskirchen geht mit Michael Höllmann als Bürgermeisterkandidat in den Kommunalwahlkampf. Der 58-Jährige fordert Amtsinhaber Sacha Reichelt heraus, den die Genossen vor der Wahl 2020 noch unterstützt hatten. Damit leisteten sie ihren Beitrag, Reichelt auf den Chefsessel im Rathaus zu hieven. Er war damals parteilos, mittlerweile jedoch hat er sich der CDU angeschlossen und ist von ihr als Bewerber nominiert worden.

Gianna Voißel und Höllmanns Ehefrau Sandra, die den Ortsverein anführen, hatten kürzlich im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt, dass sie von Reichelts Verhalten enttäuscht seien. Gleichzeitig kündigten sie an, dass die SPD einen eigenen Kandidaten aufstellen werde. 

29 Mitglieder waren zur Versammlung ins Euskirchener Casino gekommen

Der Vorstand sprach sich in der Folge für Michael Höllmann aus, der seit acht Jahren die SPD-Fraktion im Stadtrat leitet. Der Ortsverein folgte nun diesem Vorschlag: Der 58-Jährige erhielt alle Stimmen der 29 Mitglieder, die zu einer Parteiversammlung ins Casino gekommen waren.

Dem Ortsverein gehören rund 160 Genossinnen und Genossen an.  Voißel erklärte auf Anfrage, es wäre natürlich wünschenswert gewesen, wenn mehr von ihnen den Weg zur Mitgliederversammlung gefunden hätten. Sie gehe davon aus, dass die Resonanz an einem Wochenendtermin höher gewesen wäre: „Unter der Woche sind doch viele Mitglieder durch Arbeit und Privatleben gebunden.“

Aber eigentlich bin ich in die Partei eingetreten, weil ich ein Arbeiterkind bin.
Michael Höllmann

Michael Höllmann ist von Beruf Steuerberater, er hat zudem eine Ausbildung als Industriekaufmann absolviert. Seit 1995 lebt er in Euskirchen, genauso lange ist er SPD-Mitglied. Er habe wie Helmut Schmidt Volkswirtschaftslehre studiert und habe am gleichen Tag Geburtstag wie Willy Brandt, stellte Höllmann Bezüge zu früheren SPD-Granden her. „Aber eigentlich bin ich in die Partei eingetreten, weil ich ein Arbeiterkind bin“, fügte er hinzu.     

„Was qualifiziert mich für das Bürgermeisteramt?“, fragte er in die Runde und gab selbst die Antwort: seine Lebenserfahrung, seine politische Arbeit – 1999 wurde er Sachkundiger Bürger, 2008 Ratsmitglied – und sein Beruf: „Ich brauche nicht mehr viel zu lernen, was mit Zahlen zusammenhängt.“ 

Ein wichtiges Ziel der Euskirchener SPD: mehr bezahlbarer Wohnraum

In einer Zeit, in der die Stimmung in Deutschland ziemlich mies geworden sei, wolle er als Bürgermeister den Menschen Mut machen und Zuversicht vermitteln, erklärte Höllmann, bevor er seine wichtigsten Ziele umriss. „Was uns am meisten belastet: Es gibt in Euskirchen zu wenig bezahlbaren Wohnraum“, sagte er. Deshalb müsse dringend der öffentlich geförderte Wohnungsbau forciert werden.

Wichtig seien auch die Ausweisung neuer Gewerbegebiete, „damit Arbeitsplätze entstehen können“, die Wirtschaftsförderung, solide Stadtfinanzen und Maßnahmen zur Bekämpfung des Fachkräftemangels in der Stadtverwaltung.

Als weitere Schwerpunkte nannte er die Umsetzung des Mobilitätskonzepts und des Klimaschutzkonzepts. Beide habe der Rat beschlossen. Er, so Höllmann, sehe aber die Gefahr, dass sie von den bürgerlichen Parteien – CDU, FDP, AfD – torpediert würden. Gleiches gelte für Aufgaben im Sozialsektor.   

Die medizinische Versorgung in Euskirchen macht dem SPD-Kandidaten ebenfalls Sorgen: „Es gibt mittlerweile Menschen, die keinen Hausarzt mehr haben. Die Stadt muss Strategien entwickeln, um dieses Problem anzugehen.“