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„Crew“ will übernehmenSPD ist gegen die Privatisierung des Leichlinger Jugendzentrums

Lesezeit 3 Minuten
Eine Frau schraubt eine Schraube in eine Holzwand.

Die Crew hatte 2022 auch mal einen Bauspielplatz am Naturfreundehaus. eingerichtet. 

Die Vereine „Crew“ und „Naturfreunde Leichlingen“ liegen im Clinch. „Crew“ will das Jugendzentrum übernehmen.

Soll der private Verein „Crew - Erlebnis & Freizeit“ das städtische Leichlinger Jugendzentrum in der Balker Aue als Träger übernehmen? Darüber werden die Leichlinger Politiker am 29. August im Jugendhilfeausschuss entscheiden.

Ein entsprechender Bürgerantrag war bei der Stadtverwaltung eingegangen. Die SPD hat sich entschieden. Sie will nicht zustimmen, das Jugendzentrum soll wie zuvor von städtischen Mitarbeiterinnen geleitet werden. Auch die Partei Die Linke will keine Privatisierung der Jugendarbeit, die hatte sich schon früher festgelegt.

Ob der Freizeitverein in der Lage wäre, die pädagogisch und juristisch durchaus nicht einfache Arbeit mit Jugendlichen ordentlich zu leisten, ist unklar. Der rührige Verein „Crew“ hat aber einen klaren Anlass, weshalb er sich um die Trägerschaft des Jugendzentrums bewirbt: Die Mitglieder müssen sich aus mehreren Gründen ums Domizil im Naturfreundehaus Am Block fürchten. Erstens liegen der Crew-Geschäftsführer Alexander Quirl und die Vermieterin, der Verein „Naturfreunde Leichlingen“, derart über Kreuz, dass die Crew einer Räumungsklage durch den 110 Jahre alten Verein entgegensieht.

Leichlingen: Weiterbetrieb des Campingplaztes unklar

Zweitens ist unklar, wie es mit dem legalen Betrieb der Häuser und des Campingplatzes der Naturfreunde im Wäldchen Am Block am Fuß der Sandberge weitergeht. Die Naturfreunde sagen, dass die Leichlinger CDU Fraktionsspitze das Scheitern eines von der Verwaltung ausgearbeiteten Bebauungsplans betreibe. Scheitert die Legalisierung, wäre auch die Crew heimatlos, unabhängig davon, ob die Räumungsklage gegen sie erfolgreich wäre.

Dass man in der CDU-Fraktion wenig Unterstützung für den Naturfreunde-Verein leisten möchte, mag daran liegen, dass sich die Naturfreunde vor 110 Jahren in einem politisch linken Milieu gegründet haben.

Leichlingen hat ausgebildete Fachkräfte

In der Leichlinger Verwaltung soll es dagegen wenig Sympathien für eine freie Trägerschaft des Jugendzentrums durch die Crew geben. Die Verwaltung verfügt erstens selbst über genug Fachkräfte, die das Jugendzentrum betreiben sollen. Dann könne eine Übertragung der Trägerschaft nicht ohne Ausschreibung laufen, wurde der Crew schon mitgeteilt.

Außerdem gehört das Jugendzentrum letztlich der Kreissparkasse, nicht der Stadt. Dann fürchtet man bei der Stadt Leichlingen, dass die Crew sich durch die rechtlichen Querelen mit den Naturfreunden in einer unsicheren Lage befinden könnte, was man bei der Stadtverwaltung eben nicht ausreichend gut einschätzen könne.

Die SPD will eine Privatisierung des Kinder- und Jugendzentrums also ablehnen. Im Ergebnis würde das weniger Vielfalt in der Kinder- und Jugendarbeit in Leichlingen bedeuten, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Meinungen der Parteien der in Leichlingen regierenden Jamaika-Koalition zur Crew-Übernahme des Jugendzentrums wurden noch nicht öffentlich gemacht.

Der Antrag der „Crew“ musste als Bürgerantrag eingebracht werden, weil Vereine und zum Beispiel Firmen selbst keine Anträge stellen dürfen. Das Recht, einen Antrag in den Rat einzubringen, haben Bürger und Fraktionen und wenn sich parteiübergreifend größere Gruppen Ratsmitglieder zusammentun.