Der Steg über den kleinen Scheidtbach soll 700.000 Euro statt 312.000 Euro kosten. Nun soll ein preiswerterer Umweg gebaut werden.
BauärgerKosten für kleine Brücke zum neuen Klassenhaus in Bergisch Gladbach explodieren

Wie kommen die Schüler und Schülerinnen des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums künftig sicher zu ihrem neuen Klassenhaus?
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Ein Paradebeispiel für explodierende Baukosten bei Brückenbauten ist die geplante Überführung über den kleinen Scheidtbach, um Schüler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums zu ihrem künftigen neuen Klassenhaus auf dem benachbarten Sportgelände des Vereins Jan Wellem zu leiten. Die Kosten für das Bauwerk schießen von ursprünglich kalkulierten 312.000 Euro auf mindestens 700.000 Euro in die Höhe.
Nein, das ist viel zu viel, sind sich alle im Schulausschuss einig: Die Schüler sollen stattdessen außen herum zu Fuß gehen. „Mit normalem Menschenverstand ist das keinem zu erklären“, stellt Robert-Martin Kraus (CDU) fassungslos fest. „Das ist ein absoluter Wahnsinn, der heutzutage betrieben werden muss, um ein kleines Gewässer zu überqueren.“
Kostenexplosion für Brücke, die nur von Fußgängern genutzt werden soll
Wie gesagt, die Überquerung soll nur von Fußgängern, genutzt werden, nicht etwa von Autos. Wohl alle in der Sitzung des Ausschusses für Schule und Gebäudewirtschaft denken dasselbe: Wo sind wir hier in Deutschland angekommen? Das Phänomen der Kostenexplosionen bei solchen Ingenieurbauwerken ist mit Inflation und einem immer teurer werdenden Markt für Baustoffe und Bauleistungen letztlich nicht zu erklären. Vermutlich liegt es an einer ins Unendliche wuchernden Bürokratie sowie neuen Sicherheits- und Technik-Novellen.
Der Bau von Brücken sei in Deutschland mit extrem hohen technischen Auflagen belegt, bestätigt Fachbereichsleiterin Alexandra Meuthen. In dem Fall der geplanten Holzbrücke bedeutet dies, dass sie eine hochwassersichere Verbindung zwischen dem künftigen Erweiterungsbau und dem Hauptgebäude herstellen soll. Demnach ist für ein solches freitragendes Brückenbauwerk mit einer Spannbreite von zehn Metern eine sehr tiefe Gründung im Untergrund notwendig. „Das allein ist richtig teuer“, sagt Sebastian Rolko, Geschäftsführer der Schulbau GmbH, und stuft diese Lösung als nicht realisierbar ein.
Bürgersteig statt teurer Brücke
Statt über eine Brücke sollen die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe nun einfach über den normalen Bürgersteig an der Straße Am Rübezahlwald gehen. Etwa 20 Meter lang ist die Strecke. Ab dann werden sie über eine Treppe oder eine barrierefreie Rampe zum neuen Gebäude geführt. „Das ist eine Alternative, die deutlich preiswerter ist“, sagt Rolko. Die Kostenkalkulation für die beiden Aufgänge beläuft sich auf 252.000 Euro. Damit könnten zwei Drittel der Kosten gespart werden.
Mit dem Gymnasium sei diese Lösung bereits abgesprochen, berichtet Rolko. Auch alle Fraktionen im Ausschuss halten die fußläufige Verbindung für zumutbar. Der Beschluss im Ausschuss fällt einstimmig aus. Der derzeitige Übergang über den Scheidtbach bestehe lediglich aus einem maroden Betonrohr mit betonierten Einfassungen, berichtet Rolko. Die Überquerung ist mit einem Zaun und einem Tor abgesperrt und wird im Schulbetrieb in der Regel nicht gebraucht. Nur in seltenen Fällen ist dies der Fall. Dann wird das Tor von einem Lehrer aufgeschlossen.
Diese aktuelle Konstruktion erfülle nicht die Anforderungen an Sicherheit und Barrierefreiheit, betont die Stadtverwaltung. Wie berichtet, ist das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium unbedingt auf den neuen dreistöckigen Ersatzbau auf dem benachbarten Jan Wellem-Sportgelände angewiesen. Sonst kann im Schuljahr 2026 der zusätzliche G 9-Jahrgang nicht untergebracht werden. Die Fertigstellung ist zum Ende der Sommerferien geplant. Die Kostenkalkulation für den Modulbau sind mit acht Millionen Euro berechnet. Aber wer weiß schon, wie hoch die Ausgaben noch klettern werden, bis die Bauarbeiten beginnen?