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Skurriler FundAnwohner in Brühl finden Flusskrebs vor der Haustür – weit weg vom Wasser

Lesezeit 3 Minuten
Ein braun-schwarzer Flusskrebs

In Brühl tauchte am Wochenende aus dem Nichts ein Flusskrebs auf der Straße auf – ein eher seltener Gast in Wohngebieten.

In Brühl haben Anwohner einen kuriosen Fund gemacht. Woher das Tier kam, ist nicht klar, gibt es in direkter Nähe doch keine Gewässer.

Flusskrebse erwartet man naturgemäß eher in Bächen und Flüssen oder Seen, wo sie sich vielleicht unter Steinen und Wurzeln verstecken oder auch mal am Ufer krabbeln – nicht jedoch erwartet man, sie direkt auf der Straße vor der eigenen Haustür zu finden. In einem Brühler Wohngebiet ist allerdings genau so ein Flusskrebs unvermittelt aufgetaucht.

Mareike und ihr Mann Pascal (die beide nur mit Vornamen genannt werden möchten) staunten nicht schlecht, als sie am Wochenende genau so einen kleinen Flusskrebs auf dem noch vom Regen nassen Asphalt vor ihrem Haus auffanden. „Er saß da plötzlich einfach. Mein Mann hatte ihn beim Ausparken entdeckt“, erzählt Mareike.

Flusskrebse könnten durch starken Regen in städtische Gebiete gelangen

Natürlich wollten sie sich das Tierchen etwas näher angucken. Es soll etwa zehn Zentimeter groß gewesen sein. „Immer wenn wir näher ran sind, ist er sofort mit seinen klappernden Scheren hochgekommen.“

Wo das Tier hergekommen war, könne sie nicht sagen, weder sie noch ihr Mann hätten es vorher irgendwoher krabbeln sehen. Ungewöhnlich fänden sie es durchaus, dass ein Flusskrebs plötzlich mitten auf der Straße sitzt. Das Wohngebiet in Brühl-Ost liegt nicht in direkter Nähe zu Bächen oder Flüssen, wo Flusskrebse leben könnten. Auch ist in der Siedlung nicht bekannt, dass jemand sie in dort Gartenteichen oder Aquarien hält. Es hatte allerdings zuvor stärker geregnet.

Ein braun-schwarzer Flusskrebs sitzt auf Asphalt, seine Scheren und Beine drohend in die Höhe gestreckt.

Kamen Mareike und Pascal dem Tier zu nah, stellte es drohend seine Scheren auf.

Laut Samantha Quaas vom „Edelkrebsprojekt NRW“ ist es durchaus „nicht unüblich“, dass Flusskrebse bei Starkregenereignissen zum Beispiel in Kombination mit Überflutungen in städtische Bereiche gespült werden könnten. „Zudem können Flusskrebse auch einige Tage außerhalb des Wassers überdauern (bei feuchtem Milieu) und wandern auch ab“, so Samantha Quaas.

Der Flusskrebs auf der Straße könnte vielleicht von einem Vogel geschnappt und schließlich fallengelassen worden sein, vermutet Mareike. Wahrscheinlicher sei laut Quaas allerdings, dass er aus einem Gartenteich stammt oder aufgrund von Hochwasser transportiert wurde.

Heimische Flusskrebsarten sind vom Aussterben bedroht

Um was für eine Art Flusskrebs es sich handelt, könne sie anhand der Bilder nicht eindeutig bestimmen. Sie vermute allerdings, dass es sich um eine kleinere, nicht heimischen (also invasive) Flusskrebsart handeln könnte, beispielsweise ein Kamberkrebs oder ein Marmorkrebs.

Das Edelkrebsprojekt NRW besteht unter der Trägerschaft vom Nabu NRW und vom Fischereiverband NRW und hat sich zum Ziel gesetzt, die zwei in Deutschland heimischen Flusskrebsarten zu schützen und zu fördern. Beide Arten, Steinkrebs und Edelkrebs, sind zwar durch das Bundesnaturschutzrecht und das Fischereirecht geschützt, dennoch vom Aussterben bedroht.

Weitere Informationen zu Bestimmungshilfe und zur Arbeit des Edelkrebsprojekts gibt es hier.

Wohin der Flusskrebs im Wohngebiet verschwunden ist, ist nicht klar

Früher lebten laut dem Edelkrebsprojekt in den meisten Binnengewässern Mitteleuropas Flusskrebse, auch in NRW gab es in Bächen, Flüssen und stehenden Gewässern eine hohe „Bestandsdichte“. Vor allem, weil in den vergangenen hundert Jahren invasive Arten, zumeist amerikanische Flusskrebse, eingeschleppt wurden, seien die heimischen Flusskrebsbestände dramatisch zurückgegangen, informiert das Projekt.

Die invasiven Flusskrebse – inzwischen leben mindestens sechs Arten in auch in Deutschland – sind oft Träger der sogenannten Krebspest. Die invasiven Arten sind dagegen weitgehend resistent, für heimische Arten ist die Krebspest tödlich. Infolgedessen gilt zum Beispiel der Edelkrebs in Deutschland als stark gefährdet und gehört zu den europaweit geschützten Arten.

Was mit dem Flusskrebs in dem Brühler Wohngebiet passiert ist, ist nicht klar. Wie Mareike erzählt, machte der Krebs plötzlich einen Satz in ein nahegelegenes Gebüsch, wo sie ihn nicht mehr wiederfand.

Wenn man einen Flusskrebs findet und ihn eindeutig bestimmen könne, gibt es verschiedene Möglichkeiten, etwas zu tun, sagt Samantha Quaas. Handele es sich um eine invasive Art, sei es wichtig, „dass Tiere nicht einfach in ein beliebiges Gewässer gesetzt werden“. Damit fördere man nämlich die potenzielle Verbreitung. In dem Fall wäre sogar ein artgerechtes Abtöten oder das Abgeben beim Zoo als Futter für Otter und Co. die nachhaltigste Methode.