Nach Kostenexplosion und verspäteter Vollendung setzt sich die wenig erfreuliche Geschichte des Gebäudes in der Brühler City fort.
Gefahr für PassantenRathaus in Brühl muss anderthalb Jahre nach Eröffnung eingerüstet werden

Die Fassade des neuen Rathausanbaus in Brühl weist Mängel auf. Daher muss das Gebäude eingerüstet und überprüft werden.
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Wer bis jetzt noch nichts von den Mängeln am neuen Brühler Rathausanbau mitbekommen hat, erhält diese nun deutlich vor Augen geführt. Das gerade einmal anderthalb Jahre alte Gebäude zwischen Janshof und Steinweg im Herzen der Stadt wird „umfassend eingerüstet“, wie die Verwaltung mitteilt. Hintergrund sind Mängel an den verklinkerten Dach- und Fassadenflächen. Diese seien im Rahmen regelmäßig ausgeführter Inspektionen erkannt worden.
Einige der aufgeklebten Klinkerriemchen, insbesondere im Bereich der Traufe und der Ortgänge, so nennen Fachleute die obere Begrenzung des Giebels, hätten sich gelöst. Dies gilt für die Nord- und Südfassade des sandsteinfarbenen Baus, der auf mehreren Etagen auch die Stadtbibliothek beherbergt.
Brühl: Lose Fassadenbestandteile konnten rechtzeitig entfernt werden
,„Bisher ist noch kein Klinkerstein oder Riemchen heruntergefallen. Dies konnte im Rahmen der Inspektionen durch rechtzeitiges Entfernen verhindert werden“, so die Stadt, die jedoch jegliches Risiko ausschließen will. Zumal rund um das Rathaus gewöhnlich viele Passanten unterwegs sind. Herunterfallende Steine könnten da zu einer großen Gefahr werden.
Das Gerüst diene als Sicherungs- und Personenschutzmaßnahme gegen herabfallende Klinkerriemchen, ohne die Erschließung und den Betrieb des neuen Rathausgebäudes einzuschränken, so die Verwaltung. Außerdem soll mit dem Gerüst die Ermittlung der Schäden sowie deren Ursache erleichtert werden. Und schließlich braucht es die Planken und Stahlrohre, um letztlich eine Instandsetzung durchzuführen.
Schon beim Bau stellten die Verantwortlichen fest, dass die Bauarbeiter ihre liebe Mühe damit hatten, die Dachschrägen wie von den Architekten erdacht, mit Klinker-Steinen zu versehen. Zu ungewohnt war diese Herausforderung.
Nun setzt sich also die wenig erfreuliche Geschichte fort. Das von vielen als sehr ansehnlich empfundene Rathaus war im November 2023 nach mehrmaligen Verzögerungen und einer Kostenexplosion eröffnet worden. 30 Millionen hatte der umstrittene Bau verschlungen. Kritiker, die sich zuvor für eine Sanierung des einstigen Gebäudes ausgesprochen hatten, sahen sich in ihren Befürchtungen bestätigt.
Auch die Heizung im neuen Rathaus bereitete bereits Sorgen
Doch es kam noch dicker: Neben den losen Bestandteilen der verklinkerten Fassade stellte man fest, dass die Heizung im Foyer an kalten Tagen mit reger Kundenfrequenz überfordert ist. Durch die in kurzen Abständen geöffneten Türen kam zu viel kalte Luft herein. Eine bessere Heizung musste her. Kosten: 60.000 Euro.
Ob die Reparatur der Fassade weitere Steuergelder verschlingt, ist offen. Noch laufe die Gewährleistungsfrist heißt es aus dem Rathaus. Doch erst nach dem Ergebnis eines ausstehenden Gutachtens könne die Schadensursache und die Verantwortung geklärt werden.