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EinwurfLeverkusen-Fan aus Hürth traut dem 1. FC Köln gegen Hertha alles zu

Lesezeit 3 Minuten
Ein Mann steht vor einer Mauer.

Als blinder Fußball-Enthusiast hat der Hürther Gerhard Stoll ebenso viel Freude an seinen Stadionbesuchen wie jeder andere Fußball-Fan auch.

Der in Hürth wohnende Bayer-Leverkusen-Fan Gerhard Stoll traut dem FC neben einem Sieg über Berlin auch den Aufstieg ins Oberhaus zu.

Am Samstagabend empfangen die Fußballer des 1. FC Köln in der zweiten Liga Hertha BSC Berlin zum Spitzenspiel des 28. Spieltags (20.30 Uhr) und werden alles dafür geben, um ihre Spitzenposition in der Tabelle mindestens zu verteidigen. Der in Hürth wohnende Bayer-Leverkusen-Fan Gerhard Stoll (56) traut dem Dauerrivalen neben einem Sieg über Berlin auch den Aufstieg ins Oberhaus zu.

Im „Einwurf“ mit Matthias Breuer erklärt der blinde Fußball-Enthusiast allerdings, dass er auf ein Derby gegen die Geißböcke verzichten könnte. Der Verwaltungsbeamte prüft im Dezernat 24 der Bezirksregierung Köln die Berichte über den Zustand der Alten- und Pflegeheime und zudem als blinder Sachbearbeiter Datenprogramme, die in der Landesverwaltung eingesetzt werden sollen, auf Inklusion für blinde Nutzer.

Herr Stoll, in der Saison 2016/17 begleiteten Sie Ihren Herzensverein, den TSV Bayer 04 Leverkusen, zu all seinen 34 Bundesligaspielen. Was gibt Ihnen als blinder Stadiongast der Besuch vor Ort?

Gerhard Stoll: In der heimischen Bayer-Arena erlebe ich über mein Headset eine Reportage, die vor Lebensfreude sprüht. Bei Auswärtsspielen habe ich eine große Freude daran, morgens aufzuwachen und zu denken: Heute ist Spieltag, und ich fahre hin. Die Fahrt mit dem Zug, wie man am gegnerischen Bahnhof ankommt, die Spannung, die sich über Stunden aufbaut, und auf der Rückfahrt ein Bierchen zu trinken, bereitet mir wie jedem anderen Auswärtsfahrer eine große Freude.

Der amtierende Deutsche Meister war 1999 der erste Bundesligist, der sehbehinderten und blinden Fans die Möglichkeit gab, über einen Kommentator im Ohr die Heimspiele im Stadion zu verfolgen. Sind sie deswegen Leverkusen-Fan geworden?

Zunächst war ich tatsächlich Fan von Fortuna Köln. Als diese aber 1999 Trainer Toni Schumacher in der Halbzeitpause entließen und in finanzielle Turbulenzen gerieten, war das nicht mehr mein Verein. Gleichzeitig veranlasste Bayer 04 eben, die Spiele von Leverkusen durch einen eigenen Reporter sehbehinderten Fans schildern zu lassen. Diese Möglichkeit habe ich dann erstmals beim Hinspiel gegen die SpVgg Unterhaching wahrgenommen und fing direkt Feuer für den Verein.

Den Vereinsnamen der Geißböcke nehmen Sie aus Prinzip nicht in den Mund und sprechen lediglich von „Sülz 07“. Warum zog es Sie nie nach Müngersdorf, um FC-Fan zu werden?

Meiner Ansicht nach hat Sülz 07 sehr viel in Köln kaputtgemacht. Die Vorkommnisse gegen Arsenal London oder gegen OGC Nizza im internationalen Geschäft und vor kurzem gegen Düsseldorf im Ligabetrieb sollten jeden anständigen Menschen dazu bewegen, mal zu überlegen, ob dies einem kultivierten Fandasein entspricht.

Das FC-Team um Gerhard Struber konnte nach einem kleinen Durchhänger zuletzt eine Serie von drei Siegen in der zweiten Liga folgen lassen. Trauen Sie der Domstadt einen unbeschwerten Durchmarsch in die erste Liga zu und freuen sich auf ein womögliches Derby in der kommenden Saison?

Ich traue den Kölnern alles zu. Wenn die zum Derby kommen, freue ich mich zwar, aber ich bin auch froh, wenn die wieder weg sind. Der Verein täte gut daran, Sportchef Christian Keller zu behalten, denn durch ihn ist der Verein finanziell solide geworden. Wenn Keller bleibt, bleibt ein gesundes Verhältnis zur Wirklichkeit.

Ihre Leverkusener fegten die Hauptstädter am letzten Spieltag der Saison 2016/17 in Ihrer Anwesenheit mit 6:2 aus dem Olympiastadion. Wie wird sich der 1. FC Köln gegen die Herthaner in Müngersdorf machen?

Das Kölner Publikum wird die Mannschaft in die erste Liga prügeln, sodass Sülz 07 mit 3:1 gewinnen wird.