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Lage umstrittenSeit Jahren geplantes Seniorendorf in Königswinter-Oberpleis steht vor dem Aus

Lesezeit 2 Minuten
Mehrere marode Gebäude, eines davon mit Fachwerk.

Anstelle der Altbauten sollte an der Propsteistraße das Seniorendorf entstehen.

Der Projektentwickler zieht sich von der Planung des Seniorendorfes am Pleisbach in Oberpleis zurück. Kritik gibt es am Bauamt der Stadt.

Aus dem seit Jahren geplanten und zum Teil umstrittenen „Seniorendorf am Pleisbach“ wird offenbar vorerst nichts. Der Projektentwickler Inovavita jedenfalls ist nach eigenen Angaben ausgestiegen und verbindet diesen Schritt mit deutlicher Kritik am Bauamt der Stadt Königswinter.

Man habe seit 2018 alles getan, um das Seniorendorf zusammen mit dem Eigentümer zu verwirklichen, sagte auf Anfrage ein Vertreter des Unternehmens. Und obwohl die Politik in Königswinter dafür gewesen sei, habe das Bauamt es „gezielt verhindert“ durch ständig neue Auflagen und höhere Hürden. In der gleichen Zeit habe man in Lahnstein ein ähnliches Projekt verwirklichen können. Zuletzt seien in Königswinter auch neue Investoren, die man habe gewinnen können, schon beim ersten Gespräch verschreckt worden.

Besonders umstritten war die Lage des Seniorendorfes am Pleisbach

Geplant waren auf einem Gelände an der Propsteistraße, auf dem bis heute Altbauten des Unternehmens KG Weiner stehen, mehrere Gebäude mit Pflegeeinrichtungen und „Service-Wohnungen“ mit der Möglichkeit, Pflege- und Betreuungsleistungen nach Bedarf zu bekommen, sowie „Senioren-Chalets“. Anfang 2022 war von 70 Wohnungen die Rede gewesen sowie von 600 Anfragen, die bis dahin eingegangen seien.

Besonders umstritten war die Lage des Seniorendorfes direkt am Pleisbach und die von ihm ausgehende Hochwassergefahr etwa bei Starkregen. So hatte es der Rhein-Sieg-Kreis Ende 2022 für nicht vertretbar gehalten, Bauareale in Risikogebieten auszuweisen. Die Folge: Die Stadt Königswinter forderte umfangreiche Gutachten, in denen Aussagen zu unterschiedlichen Hochwasserszenarien gemacht werden müssten.

Investor sollte Evakuierungs- und Notfallkonzepte vorlegen

Bürgermeister Lutz Wagner hatte Ende 2023 gegenüber dieser Zeitung erklärt, dass sich das Risiko eines extremen Starkregenereignisses laut Gutachten „baulich und planerisch nicht final lösen“ lasse. Der künftige Betreiber müsse im weiteren Verfahren zeigen, dass er es in den Griff bekomme und ein Evakuierungs- und Notfallkonzepte vorlegen. Der Eintritt eines „Worst-Case-Ereignisses“ sei zwar sehr unwahrscheinlich, aber wenn es dazu komme, werde es gravierend sein.

Der Vorhabenträger müsse Politik und Verwaltung das Gefühl geben, dass er eine Lösung habe, die im Fall der Fälle auch funktioniere. Der BUND Rhein-Sieg hatte das Projekt kritisiert, weil das Tal des Pleisbaches Teil einer „Biotopverbundachse“ sei, das nicht für eine „Siedlungsentwicklung“ vorgesehen sei.

Der Ausschuss für Stadtentwicklung hat das Thema an diesem Mittwoch auf der Tagesordnung. Laut Sitzungsvorlage habe der Vorhabenträger Unterlagen zum Thema Hochwasser und Starkregen bislang nicht vorgelegt. Im Frühjahr 2025 hätten sich neue Investoren gemeldet, die ins bisherige Verfahren einsteigen oder ein anderes Vorhaben durchführen wollten. Sollten bis Juni 2025 keine „substanziellen Unterlagen“ vorliegen, sei die Verwaltung gehalten, dem Ausschuss eine Einstellung des Bauleitplanverfahrens vorzulegen.

Ausschuss für Stadtentwicklung, Mittwoch, 9. April, 17 Uhr, Rathaus Oberpleis.