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1. FC Köln vor MagdeburgStruber will Revanche und plant mit Olesen

Lesezeit 5 Minuten
1. FC Köln vs. Holstein Kiel, DFB-Pokal, 2. Runde, 21.10.2024, 20.45 Uhr, von links: Gerhard Struber, Mathias Olesen (1. FC Köln), Bild: Herbert Bucco

1. FC Köln vs. Holstein Kiel, DFB-Pokal, 2. Runde, 21.10.2024, 20.45 Uhr, von links: Gerhard Struber, Mathias Olesen (1. FC Köln), Bild: Herbert Bucco

Vor dem Spitzenspiel beim 1. FC Magdeburg denkt der Trainer des 1. FC Köln angesichts der Verletztenmisere über einen Systemwechsel nach

Vieles an der Zweiten Liga fühlt sich für den 1. FC Köln weiterhin erstklassig an, etwa die Kulisse bei den Heimspielen oder so mancher Gegner. Doch gibt es Details, die zumindest die Mannschaft hier und da daran erinnern, wo sie gelandet ist. Am Donnerstag verabschiedeten sich die FC-Profis am Nachmittag gen Magdeburg, wo sie am Freitagabend (18.30 Uhr/Sky) auf den örtlichen 1. FC treffen. Allerdings war für die Kölner kein Charterflugzeug bestellt, wie es bei einer derart weiten Reise in Bundesligazeiten üblich wäre. Die Mannschaft reiste mit Bus, Zug und wieder Bus, rund fünf Stunden dauerte das. Eine Sparmaßnahme, die bis zur Rückkehr ins Oberhaus gilt: Wer absteigt, verwirkt das Recht auf Reisen im eigenen Jet. So viel zu den Härten des Fußballerlebens.

Doch niemand beklagt sich, und zuletzt waren die Kölner auf einem guten Weg, zur kommenden Saison wieder komfortabler und vor allem etwas weniger zeitaufwendig zu reisen. Erneut geht die Mannschaft von Trainer Gerhard Struber als Tabellenführer in einen Spieltag, und je weiter die Saison voranschreitet, desto größer ist die statistische Aussicht auf den Aufstieg. Von den 28 Mannschaften, die seit Einführung der Drei-Punkte-Regel nach dem 21. Spieltag Tabellenführer waren, stiegen 25 auf – und damit rund 89 Prozent. Sollte Köln in der kommenden Saison also wieder in der Zweiten Liga spielen, handelte es sich auch statistisch um keine Entgleisung.

Magdeburg noch ohne Heimsieg

Eine glatte Sensation wäre dagegen ein Aufstieg des 1. FC Magdeburg. Der dreimalige DDR-Meister gewann zwar im Jahr 1974 den Europapokal der Pokalsieger. Doch in der Bundesliga spielten die Sachsen-Anhaltiner noch nicht. Was die Premiere zumindest statistisch enorm unwahrscheinlich macht: Nie stieg eine Mannschaft auf, die in einer kompletten Hinserie ohne Heimsieg blieb. Der FCM dagegen scheint genau das versuchen zu wollen: 15 Partien in Folge haben die Magdeburger nun im eigenen Stadion nicht gewonnen, mit der erneut spektakulären Niederlage gegen Nürnberg (3:4) stellten sie am vergangenen Samstag ihren Vereinsrekord ein.

Dennoch ist Magdeburg Vierter und liegt mit nur drei Zählern Rückstand auf Kaiserslautern und den HSV in Lauerstellung. Mit einem Erfolg in der ausverkauften Avnet-Arena würde der FCM den Abstand auf Köln auf zwei Punkte verringern. Sollte der FC dagegen den nächsten Auswärtssieg schaffen, wüchse die Lücke auf acht Zähler. Klassische Sechs-Punkte-Konstellation also in einem Stadion, in dem die Hälfte der 27.050 Plätze Stehplätze sind. Es könnte stimmungsvoll werden.

Gerhard Struber musste erneut umfassende Veränderungen an seinem Kader vornehmen. Weil Eric Martel mit einer Muskelverletzung ausfällt, hätte Nachwuchsmann Neo Telle gute Aussichten auf eine erneute Kader-Nominierung gehabt. Doch der Verteidiger meldete sich am Mittwoch krank und war am Donnerstag noch nicht wieder zurück. „Verletzungen tun immer weh. Eric Martel tut uns weh. Er hat immer einen großen Beitrag geleistet. Wir werden ihn im Kollektiv auffangen. Wir wollen den Moment nützen, andere Spieler in diese Position zu bringen“, sagte Struber.

Beim 1:0 gegen Schalke am Sonntag berief der Kölner Trainer Mathias Olesen auf Martels Position vor der Abwehr. Offenbar erfüllte der 23-Jährige die ihm zugewiesene Rolle zu Strubers Zufriedenheit. „Er kann das eins zu eins ersetzen“, sagt Struber. Wichtig sei, die Räume in Olesens Rücken zu schließen, die Martel durch seine „Laufkapazität und Duellfähigkeit“ in der Regel einfach miterledigt. Olesen wird es nicht leicht haben, doch Struber hält viel vom 23-jährigen luxemburgischen Nationalspieler. „Ich habe großes Vertrauen in ihn. Aber es muss Unterstützung aus allen Reihen geben.“

Ich finde, wir haben es zu Hause gegen Magdeburg sehr gut in der Viererkette gemacht, auch wenn das Ergebnis nicht gestimmt hat. Wir müssen auch wegen der Personalsituation bereit sein, in diese Richtung zu denken und offen zu sein, was die Systematik angeht
FC-Trainer Gerhard Struber

Weil Telle und Martel fehlen, reisen die Kölner mit nur drei Innenverteidigern nach Magdeburg, was Struber einmal mehr ins Grübeln bringt, ob er doch wieder mit einer Vierer-Abwehrkette beginnen soll. Meiko Sponsel (22) rückte in den Kader auf, doch der Deutsche B-Juniorenmeister von 2019 ist eigentlich Außenverteidiger. Struber hat sich die Systemfrage in den letzten Tagen mehrfach gestellt und dabei trotz der 1:2-Niederlage im September durchaus gern an das Hinspiel gedacht.

„Ich finde, wir haben es zu Hause gegen Magdeburg sehr gut in der Viererkette gemacht, auch wenn das Ergebnis nicht gestimmt hat. Wir müssen auch wegen der Personalsituation bereit sein, in diese Richtung zu denken und offen zu sein, was die Systematik angeht“, sagt der Österreicher.

Allerdings ist kaum davon auszugehen, dass Struber in Magdeburg mit veränderter Formation beginnen lässt. In Kaiserslautern etwa fehlte ihm Dominique Heintz gesperrt. Dennoch blieb er bei der Dreierkette und stellte Leart Pacarada auf, der gewiss kein Innenverteidiger ist. Zwar heißt es, Zugang Jusuf Gazibegovic bleibe bislang auch deshalb hinter den Erwartungen zurück, weil er sich in einem System mit Viererkette wohler fühle. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Struber einen seiner drei Innenverteidiger auf die Bank setzt, nur um eine Wechselmöglichkeit zu haben, eher gering. Wahrscheinlicher ist, dass Köln im Fall der Fälle während des Spiels auf eine Viererkette umstellt.

Zwar hat der Saisonverlauf gezeigt, dass es keine Schande ist, ein Heimspiel gegen Magdeburg zu verlieren. Dennoch hat es Struber geschmerzt, daher ist der Plan für Freitag klar, auch das ist ihm in der Rückschau aufgegangen: „Der Gegner hat uns zu Hause richtig wehgetan. Da wollen wir uns revanchieren.“

1. FC Magdeburg: Reimann – Hugonet, Mathisen, Heber – Gnaka, El Hankouri – Hercher, Nollenberger – Burcu, Atik – Kaars; 1. FC Köln: Schwäbe – Hübers, Schmied, Heintz – Gazibegovic, Olesen, Pacarada – Ljubicic, Kainz – Downs, Maina; Schiedsrichter: Exner (Münster).