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BilanzCovestro in Leverkusen hofft auf ein besseres Jahr 2025

Lesezeit 3 Minuten
Die Firmenzentrale von Covestro an der B8 in Wiesdorf

Die Firmenzentrale von Covestro liegt an der B 8 in Leverkusen: 2024 machte der Kunststoff-Konzern Minus.

Umsatz und Ergebnis sind leicht gesunken. Vorstandschef Markus Steilemann drängt auf schnelle Reformen einer neuen Regierung.

Der Ausstoß ist zwar gestiegen, aber die Preise sind gefallen. Deshalb hat der Kunststoff-Konzern Covestro im abgelaufenen Jahr etwas weniger Umsatz gemacht. 14,2 Milliarden Euro bilanzierte am Mittwoch Vorstandschef Markus Steilemann in Leverkusen, das sind 200 Millionen weniger als 2023. Für Deutschland nannte Finanzvorstand Christian Baier einen Umsatz von rund 1,6 Milliarden Euro.

Dass die Werke weltweit mehr produzieren können, habe 2024 im Fokus gestanden. Die Verfügbarkeit der Anlagen sei im Jahr davor „ein nicht so ruhmreiches Kapitel“ gewesen, so Steilemann. Es sei aber gelungen, Stillstände wegen Wartung besser auf die eingehenden Aufträge abzustimmen, erläuterte der Vorstandschef auf Nachfrage. Auch in der Logistik habe man die Abläufe optimieren können, etwa bei der Lagerhaltung. Das alles sei sehr aufwendig und erfordere viel Arbeit im Detail, unterstrich Steilemann. „Dafür schauen wir uns alles an.“

Konzernergebnis minus 266 Millionen Euro

Beim Ergebnis gab es einen leichten Rückgang auf 1,1 Milliarden Euro. Mit Blick auf das Minus von 0,8 Prozent sprach Steilemann von einem „stabilen“ Ebitda, das den Erwartungen entsprochen habe. Das Konzernergebnis fiel mit minus 266 Millionen Euro noch einmal schlechter aus als 2023, als minus 198 Millionen in den Büchern standen. Auch beim Cashflow schnitt Covestro schlechter ab als zuvor und erreichte nur 89 Millionen gegenüber 232 Millionen Euro im Vorjahr.

In diesem Jahr hoffen Steilemann und Finanzvorstand Christian Baier auf ein besseres Ergebnis. Allerdings erst in der zweiten Jahreshälfte. Die Prognose liegt ziemlich weit zwischen 1,0 und 1,6 Milliarden Euro, im ersten Quartal könne das Ergebnis zwischen 50 und 150 Millionen Euro liegen. In Deutschland müsste Covestro dafür weitere Marktanteile gewinnen, denn das Umfeld insgesamt wachse nicht – im Gegensatz zu China.

Deutschland wird zum Markt für Spezialitäten

Deutschland, das sagte Steilemann dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, sei in Zukunft eher der Markt für Spezialitäten, mit denen sich freilich gute Margen erzielen lassen. Voraussetzung für deren Entwicklung sei aber besondere Expertise – auch die Zusammenarbeit mit Hochschulen biete dafür die Grundlagen. „Und das funktioniert in Deutschland.“

Was nicht funktioniert, sei die Energiepolitik. Eindringlich mahnte Steilemann schnelle Entscheidungen der neuen Bundesregierung an, die allein deshalb so schnell wie möglich stehen müsse. Der pure Strompreis etwa sei viel weniger das Problem als die Strompreis-Entwicklung. Die sei kaum noch kalkulierbar, und daran ließe sich nur etwas ändern, wenn das Angebot durch den Netzausbau verlässlicher werde.

Dass es zu Erneuerbaren Energien keine Alternative gibt, steht für den Covestro-Vorstand seit langem außer Frage. Auf dem Weg dahin sei man voriges Jahr gut weitergekommen: Die Treibhausgasemissionen gingen von 4,9 auf 4,7 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente zurück. In Leverkusen, Dormagen, Uerdingen und Brunsbüttel ging der Ausstoß zurück, aber auch im texanischen Baytown. An Covestros Energiemix weltweit hätten Erneuerbare derzeit einen Anteil von 16 Prozent, sagte Steilemann. In den USA liefen inzwischen vier Standorte komplett mit Ökostrom. In diesem Jahr sollen die Treibhausgasemissionen weiter sinken, nämlich auf günstigstenfalls 4,2 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente.

Auch wenn die energetische Transformation der deutschen Werke Fortschritte macht: Wenn es um die Produktion von „hoch energieintensiven und hoch rohstoffreichen“ Werkstoffen geht, werde es Deutschland „schwer haben“, prognostizierte Steilemann. Das heiße nicht, dass Covestro in Deutschland nicht mehr investieren wolle. Aber wenn der Konzern Geld ausgebe, dann soll es hierzulande in die Innovationszentren fließen. Weltweit stehen dafür 100 Millionen Euro bereit.

Gespart wird nebenbei aber auch. Das Programm „Strong“ laufe planmäßig hieß es: Voriges Jahr wurden 120 Millionen Euro gespart; allein im Vertrieb von Kunststoff-Spezialitäten seien rund 300 Stellen weggefallen, viele davon in Deutschland. In diesem Jahr sollen mit „Strong“ 250 Millionen Euro eingespart werden; bis 2028 sollen es 400 Millionen sein. Indes nicht nur durch Jobabbau, sondern durch digitalisierte Prozesse und Künstliche Intelligenz. Die ist bei Covestro ein ganz großes Thema.