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Kompromiss mit 1. FC KölnSportplätze in Weiden könnten Platzproblem lösen – zum Teil

Lesezeit 6 Minuten
Die Plätze südlich des Georg-Büchner-Gymnasiums in Weiden könnten im Ringen von FC-Profis und Fußball-Amateuren um Trainingsflächen eine Rolle spielen.

Die Plätze südlich des Georg-Büchner-Gymnasiums in Weiden könnten im Ringen von FC-Profis und Fußball-Amateuren um Trainingsflächen eine Rolle spielen. 

FC-Geschäftsführer Philipp Türoff glaubt nicht an eine schnelle Lösung im Trainingsplatz-Streit und ist deshalb nur bedingt zufrieden. 

In die verfahrene Situation rund um das Ringen mehrerer Fußball-Vereine um Trainingsflächen scheint Bewegung zu kommen. Taugliche Trainingsplätze sind Mangelware in Köln. Und seit das Ratsbündnis mit dem 1. FC Köln einen Kompromiss schloss und ihm im Zuge seiner Erweiterung um ein Leistungszentrum drei sogenannte „Satellitenplätze“ zusicherte, hat sich die Lage verschärft.

Am Freitag trafen sich Kölns Sportdezernent Robert Voigtsberger (SPD), FC-Geschäftsführer Philipp Türoff und Vertreter der unmittelbar betroffenen Vereine erneut zu Gesprächen. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ sollen Sportplätze südlich des Georg-Büchner-Gymnasiums in Köln-Weiden Teil der Lösung sein. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick. 

Wodurch haben sich die Platzprobleme verschärft?

Das aktuelle Mehrheitsbündnis im Kölner Stadtrat, bestehend aus Grünen, CDU und Volt, hat dem FC im vergangenen Oktober zwar den lange geplanten Neubau eines Leistungszentrums auf einem Kunstrasenplatz direkt neben dem Franz-Kremer-Stadion genehmigt, nicht aber das Anlegen von drei zusätzlichen Trainingsplätzen auf den Gleueler Wiesen. Vor allem die Grünen hatten sich zum Ziel gesetzt, diese dauerhaft als reine Grünflächen zu schützen.  

Im Rahmen eines Kompromisses verzichtete der FC auf die Bebauung – zumindest „vorerst“, wie Türoff immer wieder betont. Da der Zweitligist mit dem Bau des neuen Leistungszentrum einen stark genutzten Trainingsplatz verliert und dann zusätzliche Kapazitäten braucht, ließ er sich vom Stadtrat aber die Nutzung von drei so genannten „Satellitenplätzen“ zusichern. Auf diesen Plätzen konkurriert der FC allerdings zum Teil mit Amateurvereinen, die ohnehin schon seit Jahren über einen massiven Mangel an Plätzen klagen.

Welche Plätze sind vorgesehen?

Erstens: ein Platz in Hürth, den der FC in Windeseile saniert hat und gemeinsam mit dem örtlichen Verein bespielt. Ein Drittel der Satellitenplatz-Lösung hat also geklappt. 

Zweitens: Ein Ascheplatz am Fort Deckstein. Diesen darf der FC sanieren, müssten dann aber den drei aktuellen Nutzern – Blau-Weiß Köln, der DJK Südwest und Ballfieber Colonia – ausreichend Trainingszeiten zur Verfügung stellen. Alle vier Vereine hätten vor allem in der Kernzeit zwischen 15 und 19 Uhr Bedarf. Damit ist diese politisch erdachte Idee in der Praxis nicht umsetzbar.

Drittens: Die sogenannte „Kampfbahn“, ein Rasenplatz ganz in der Nähe, den der FC ohnehin gepachtet hat. Aber: Nach dem Willen des Ratsbündnisses darf die „Kampfbahn“ baulich nicht verändert werden. Da es keine Umkleiden, Toiletten und auch kein Flutlicht gibt, ist dieser Platz für den Profiklub kaum nutzbar. Von Frühling bis Herbst (im Winter ist die Rasenfläche nicht bespielbar) freut das den Kinderfußballverein Ballfieber Colonia, der über keine eigene Fläche verfügt und die Kampfbahn mit seinen rund 600 kleinen Spielern nutzen darf. 

Und jetzt?

Jetzt ist der FC verärgert und fordert von der Stadt eine Lösung, der Kompromiss um das lang ersehnte Leistungszentrum hat sich als faul entpuppt. Die betroffenen Amateur-Vereine sind verunsichert und in Sorge, sie müssen um ihre ohnehin knappen Trainingszeiten bangen und wollen nicht noch mehr Kinder abweisen müssen als ohnehin schon. Und die Stadtverwaltung soll einen gordischen Knoten lösen, den ihr das Ratsbündnis vor die Füße geworfen hat. 

So könnte das neue Leistungszentrum des FC am Geißbockheim aussehen.

So könnte das neue Leistungszentrum des FC am Geißbockheim aussehen.

Wie lautet der jüngste Lösungsvorschlag?

Darüber spricht keiner der Teilnehmer des Treffens am Freitag mit dem Sportdezernenten. Es war aber viel von „gutem Willen“, „Kompromissbereitschaft“ und „konstruktiven Gesprächen“ die Rede. Voigtsberger möchte seine mögliche Lösung offenbar noch nicht öffentlich diskutiert wissen. Die Stadt Köln teilte lediglich mit, dass man weiterhin mit allen Beteiligten in vertrauensvollen und konstruktiven Gesprächen sei: „Wir sehen uns in dem laufenden Prozess auf einem guten Weg, einen gemeinsamen Lösungsvorschlag präsentieren zu können.“ Dieser scheint kompliziert und teuer zu sein und bedürfte wohl noch eines neuerlichen Ratsbeschlusses.  

Dem Vernehmen nach könnten die Sportplätze südlich des Georg-Büchner-Gymnasiums in Köln-Weiden bei diesem Lösungsvorschlag eine Rolle spielen. Würde die Stadt sie modernisieren, könnten sie als Alternative für die betroffenen Amateurvereine herhalten und der FC hätte freie Bahn auf dem Ascheplatz am Fort Deckstein.  

Was ist das für ein Gelände in Weiden?

Auf den Flächen hinter dem Georg-Büchner-Gymnasium ist zumindest mal viel Platz. Und am Sonntagnachmittag herrschte dort gähnende Leere. Das Areal liegt im nordwestlichen Winkel des Autobahnkreuzes West, an zwei Seiten eingerahmt von der A4 und der A1. Es gibt zwei Ascheplätze und einen Rasenplatz. Auf einem der Ascheplätze sind Beachvolleyballfelder installiert. Dazu gibt es einige Basketballfelder, eine gerade Laufbahn und Weitsprunganlagen. In der Nähe befinden sich Spielfelder des Tennis-Clubs Weiden. Eine Hundewiese bietet möglicherweise Potenzial für weitere Sportflächen. 

Teile des Areals gehören zur städtischen Bezirkssportanlage Weiden. Über diese teilte die Stadt im April des vergangenen Jahres mit, dass sie im Rahmen des Modellprojekts „Bewegungsräume im Veedel“ vom 1. Mai bis 31. Oktober der Öffentlichkeit „für den Individualsport“ zugänglich gemacht werde. Die Nutzung sei außerhalb der Schulnutzungszeiten des Georg-Büchner-Gymnasiums und außerhalb der Vereinsnutzung zwischen 8 und 21 Uhr möglich. Lediglich die Beachvolleyballanlage und ein Sportrasenfeld seien davon ausgenommen, wegen einer dauerhaften Vermietung an einen Verein beziehungsweise zum Schutz der Rasenfläche.

Was sagt der 1. FC Köln?

FC-Geschäftsführer Philipp Türoff bestätigte, dass die Stadt an einem komplizierten Lösungsvorschlag arbeite. Zu der Möglichkeit, die Flächen in Weiden zu nutzen, sagte er: „Diese Plätze würden uns beim 1. FC Köln nicht helfen.“ Dass sie dennoch Teil einer Lösung sein könnten, wollte Türoff weder bestätigen noch dementieren.

Würde die Stadt sie instand setzen und den Amateurvereinen zur Verfügung stellen, könnte das dem FC den Zugriff auf den Ascheplatz am Fort Deckstein ermöglichen. „Im Moment kann mir aber niemand sagen, ob und wann ich auf diesen Platz zugreifen und ihn modernisieren kann“, sagte Türoff. Seine große Befürchtung sei, dass die mögliche Lösung der Stadt eine Größenordnung bekomme, die in der Umsetzung „gerade in Köln“ wieder Jahre brauchen und damit für den FC wenig hilfreich sein könnte.  

Zudem würde dem FC dann noch immer ein dritter Satellitenplatz fehlen. „Wir hätten wieder nur eine halbe Lösung, deshalb können wir noch lange nicht applaudieren“, sagte Türoff. Positiv an der Situation sei für ihn lediglich, „dass wir mit dem Breitensport so gut ins Gespräch gekommen sind“.

Er habe jetzt ein viel besseres Verständnis für die Notlage der Vereine: „Die werden seit 15 Jahren an der Nase herum geführt und müssen Kinder abweisen, die gern Fußball spielen würden.“ Die seiner Ansicht nach einfachste Lösung wären noch immer drei neue Plätze für den FC auf den Gleueler Wiesen: „Damit wäre allen geholfen.“ Neue Mehrheiten im Rat nach den anstehenden Kommunalwahlen im Herbst könnten dem FC in dieser Sache helfen.  

Was sagen die Amateurvereine?

Daniel Buss, der Geschäftsführer von Blau-Weiß Köln, und Michael Kosche, der Vorsitzende der DJK Südwest, bestätigten, dass gemeinsam mit der Stadtverwaltung an einer Idee gearbeitet werde. Für diese beiden Vereine käme ein Ausweichen auf die Sportplätze in Weiden wohl am ehesten infrage. Hendrik Sämisch, der Vorsitzende von Ballfieber Colonia, berichtete von „guten Gesprächen zu einer komplexen Thematik“. Er stellte allerdings klar: „Wir brauchen eine sportliche Heimat in Form eines nutzbaren Platzes bei uns im Veedel. Weit raus können, wollen und werden wir nicht gehen.“