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Neuer StandortTauben müssen ihr Haus auf dem Dach des City-Center Chorweiler räumen

Lesezeit 3 Minuten
Der Taubenschlag wird von der Population dankbar angenommen: 500 Tiere übernachten dort regelmäßig.

Der Taubenschlag wird von der Population dankbar angenommen: 500 Tiere übernachten dort regelmäßig.

Der Verein Stadttauben Chorweiler ist sehr erfolgreich: Hunderte Eier konnten bereits eingesammelt werden. Doch nun muss ein neuer Standort her.

Seit eineinhalb Jahren unterhält der Verein Stadttauben Chorweiler auf dem Flachdach des City-Centers im Zentrum von Chorweiler einen Taubenschlag, um der Population im Stadtteil Herr zu werden. Der Verein arbeitet dabei nach dem gleichen Prinzip wie das bekanntere Taubenhaus am Hansaring: Angelockt durch regelmäßige Fütterung und sichere Nistplätze brüten die Tiere in den angebotenen Nischen – die Eier in den Nestern werden von den Vereinsmitgliedern durch Attrappen ausgetauscht. So lässt sich ein ungezügeltes Wachstum der Population begrenzen.

Begonnen hatte das Projekt im Herbst 2023 mit 35 Tieren, die regelmäßig zum Schlag zurückkehrten – Giuliana Tadiotti und Anika Meisel von Stadttauben Chorweiler hatten damals die Hoffnung geäußert, bis zu 50 Brutpaare ansiedeln zu können. Doch die Entwicklung hat ihre Erwartungen weit übertroffen: Inzwischen leben bis zu 500 Tauben in der sechs Meter langen Voliere – ein großer Teil der 800 Tiere, auf die der Verein nach eigenen Zählungen die Gesamtpopulation des Stadtteils geschätzt hatte.

„Das ist absolut sensationell, viel besser als wir uns erhofft hatten“, sagt Tadiotti heute. Im vergangenen Jahr konnten die Vereinsmitglieder insgesamt 400 Eier aus den Nestern entfernen – wären diese ausgebrütet worden, wäre nicht nur die gleiche Zahl an Tauben hinzugekommen, die jungen Tiere hätten innerhalb dieses Jahres auch selbst begonnen, Nachkommen heranzuziehen.

Drei Frauen stehen nebeneinander in einem Taubenhaus. Die ganz rechts hat eine braun-weiße Taube auf der Hand.

Sie erhoffen sich Hilfe und Spenden: Giulana Tadiotti, Martina Meisel und Anika Meisel vom Verein Stadttauben Chorweiler (v. r. n. l.).

Doch trotz dieser erfolgreichen Bilanz ist die Fortführung des Projekts zurzeit unsicher, denn das Dach des City-Centers soll saniert werden – die Taubenvoliere muss weichen. „Wir haben eine Frist bis Anfang März“, sagt Tadiotti, „bis dahin müssen wir einen alternativen Standort gefunden haben“. Zurzeit sind sie in Gesprächen mit Wohnungsgesellschaften und den Eigentümern der umliegenden Mietshäuser. „Da sind wir guter Hoffnung, aber es ist noch nichts spruchreif“, so Tadiotti.

Unterstützung bekommt der Verein auch aus der Politik: Die Bezirksvertretung Chorweiler hat auf einen Prüfantrag der CDU-Fraktion hin beschlossen, die Verwaltung aufzufordern, den Verein bei der Suche nach einem Ausweichquartier, und einer dauerhaften, vertraglich geregelten Lösung zu unterstützen. „Sicherlich ist es ihnen auch aufgefallen“, hatte sich der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Rainer Stuhlweißenburg an die übrigen Bezirksvertreter gewandt, „dass Liverpooler Platz und Pariser Platz kaum von Tauben umlagert sind.“

„Der Erfolg des Projekts ist offensichtlich und es sollte unbedingt fortgeführt werden.“ In ihrem Antrag hatte die CDU-Fraktion etwa die Dächer der Flachbauten über den beiden Zugängen zur S-Bahnstation Chorweiler als Ausweichquartier vorgeschlagen. Hier hatte der SPD-Fraktionsvorsitzende Inan Gökpinar eingewandt, dass diese in den Verantwortungsbereich der Deutschen Bahn fielen „und mit der DB haben wir schlechte Erfahrungen gemacht“, so Gökpinar. Außerdem hielt er die Standorte nicht für sicher genug.

Futterkosten von 650 Euro im Monat

Tadiotti und ihre Vereinskollegin Martina Meisel hingegen könnten sie sich durchaus als Standort vorstellen. „Der neue Standort sollte im Umkreis von 500 Metern liegen, ansonsten wird es schwierig“, sagt Tadiotti. „Er sollte vor Vandalismus geschützt sein und eine gewisse Höhe haben, darf aber auch nicht zu hoch sein“. Sollte es nicht gelingen, einen neuen Standort zu finden, wären die Auswirkungen im Stadtteil schnell spürbar.

„Auf der Suche nach sicheren Schlaf- und Nistplätzen würden die Tiere jede sich bietende Gelegenheit nutzen – auf den Balkonen, im City-Center, sie wären überall“, ist sich Martina Meisel sicher. Im Zuge des Umzugs hoffen Tadiotti und Meisel, den Schlag auf zwölf Meter Länge vergrößern zu können. Doch auch so ist ihr Finanzbedarf bereits beträchtlich: allein die monatlichen Futterkosten belaufen sich auf 650 Euro. „Spenden und auch Mithilfe sind bei uns immer willkommen“, sagt Meisel.