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Kölner Soul-Queen Deborah Woodson„Ich kam Weiberfastnacht an und dachte, die Leute sind verrückt“

Lesezeit 4 Minuten
Deborah Woodson

Die in Köln lebende Amerikanerin Deborah Woodson spielt am Sonntag, 31. März mit dem Gospel-Chor LivinGospel Choir in der Friedenskirche. 

Die Kölner Soul-Sängerin hat schon im Karneval gesungen und war im TV zu sehen. Sie spricht über ihre Gospeltour, Rassismus und Trump.

Deborah Woodson wird ernst, wenn sie an ihre Kindheit denkt. Das Energiebündel aus dem amerikanischen Georgia sang schon mit zwei Jahren Gospel in der Baptistenkirche. „Damals herrschte Rassentrennung, in der Kirche waren nur Schwarze. Auch wenn es sich mittlerweile im Restaurant oder in der Disco mischt, ist es in den Kirchen so geblieben.“

Es gebe „weiße und schwarze“ Kirchen. „Ich finde das eklig und gruselig. Mein Ziel ist es, beide zusammen zu bringen. Es ist wirklich schön, wenn ich mit Deutschen zusammen Gospel singe. Ich bekomme dann Gänsehaut“, sagt Woodson, die am kommenden Sonntag zusammen mit ihren Gospelsängern und dem Troisdorfer Chor LivingGospel Choir in der Friedenskirche auftritt. Bis zum 13. April tourt sie mit ihrem Ensemble und spielt jeweils mit lokalen Chören. Das Motto: „Black & White“.

Deborah Woodson lebt seit 1997 in Köln

Wir treffen die Sängerin in ihrer Stamm-Bäckerei in Lövenich. Den Diva-Look hat sie perfekt drauf: ganz in schwarz, mit pinker Fell-Imitat-Jacke. „This is so me“, sagt sie und wechselt wie so häufig kurz ins Englische. Im Kölner Westen, wo sie mit ihrem Mann lebt, genießt sie die Ruhe, die gute Anbindung zur Autobahn und die Nähe zum Rheincenter: „Ich shoppe einfach so gerne.“

Die Sängerin ist längst in Köln heimisch geworden, mit ihrem Mann, gebürtig aus der Eifel, ist sie seit 1997 verheiratet. Mehrmals im Jahr geht sie jedoch für mehrere Wochen in die USA. „Meine 91-Jährige Mutter lebt da, und ich habe keine Geschwister. Hier rufe ich sie jeden Abend an, sie beschwert sich schon, dass sie nicht in Ruhe Wein trinken kann, wenn ich ständig nerve“, sagt Woodson und lacht.

Deborah Woodson in ihrem Liblingsveedel Lövenich.

Deborah Woodson in ihrem Liblingsveedel Lövenich.

Ihre noch fitte Mutter möchte sie nicht missen – von den aktuellen politischen Entwicklungen in den USA zeigt sie sich schockiert. „Auch viele schwarze Männer haben Trump gewählt. Es war ihnen wichtiger, dass ein Mann gewinnt, als dass sie einer schwarzen Frau eine Chance geben“, sagt sie.

Noch glaubt sie an die Stärke der amerikanischen Demokratie. Trumps teils skurrile Alleingänge würden noch ausgebremst durch den Kongress. „Doch er versucht, auch das System zu ändern. Und das ist das Gefährliche. Er verhält sich wie ein Diktator, überall in Amerika ist sein Gesicht auf Gegenständen zu sehen, sogar auf Rührstäbchen für den Kaffee.“

Dann doch lieber ihre angenehme Welt in Lövenich. So wohl hat Woodson sich jedoch nicht von Anfang an in Köln gefühlt. Ihren ersten Tag hier könne sie nicht vergessen.

Deborah Woodson kam an Weiberfastnacht in Köln an

Woodson wurde im ehemaligen Live-Musik-Lokal „Bruegel“ auf den Ringen als Sängerin engagiert. Man hatte sie in New York auf dem Broadway entdeckt, wo sie in einigen Musicals mitgespielt hatte. „Ich landete in Frankfurt und wir fuhren nach Köln rein. Es war Weiberfastnacht und ich wusste nicht, was das ist. Ich dachte, die Leute sind hier verrückt.“ Auf dem Rudolfplatz entdeckte sie einen Mann in einem hellen Gewand. Sie assoziierte ihn mit dem rassistischen Ku-Klux-Klan.

Man spürt das Entsetzen immer noch, wenn sie davon spricht, fast 30 Jahre später. Lange hat sie es in Köln nicht ausgehalten, nach zwei Monaten ging sie zurück. Doch im „Bruegel“ wollte man sie weiter singen hören. Nächster Versuch. „Dann habe ich meinen Mann kennengelernt und durch die Liebe habe ich mein Herz für Köln geöffnet.“ Nicht nur für die Stadt: auch für die Kölner und ihren Karneval. Über ihren musikalischen Mann kam sie mit dem kölschen Liedgut in Berührung. „Als ich Hans Süper kennenlernte, war ich dann im Kölner Klüngel komplett drin.“

Sie spielte Sessionen mit den Bläck Fööss, im Rhein-Energie-Stadion bei den Jubiläumskonzerten von Brings. Außerdem war sie zuvor Vocal Coach bei DSDS, sogar bei der ersten Staffel, die Alexander Klaws gewann. In Deutschland hat sie sich eine respektable Karriere aufgebaut. Überschattet werden ihre Kölner Jahre jedoch durch ein Erlebnis: Man ließ sie auf der Luxemburger Straße nicht in ein Modegeschäft eintreten. „Und da,s weil ich schwarz bin. Einmal haben Kinder in Ostdeutschland Affengeräusche gemacht, als sie mich sahen. Das hat mich so traurig gemacht, weil es Kinder waren.“ Es waren nur wenige Rassismus-Erfahrungen, doch die vergisst sie nicht.

Deborah Woodson über Altersdiskriminierung

Neben Rassismus macht sie auch die Altersdiskriminierung in der Gesellschaft wütend. Mit 22 sang sie für ein Musical vor, man entschied sich für die Konkurrentin. Später jedoch bekam sie einen Anruf: „Wir wollen doch dich. Die andere ist schon 40 Jahre alt.“ Da beschloss sie, ihr Alter niemals zu erwähnen. „Sonst müsste ich anfangen zu lügen.“ Sean Connery sei noch bis zum letzten Atemzug angehimmelt worden, während eine Michelle Pfeiffer mit ihren 66 Jahren nicht die gleiche Bewunderung erfahre. Warum das so ist? „Because it’s a man's world“, singt Woodson mit ihrer souligen, kräftigen Stimme.

„Black & White Gospel“ mit dem LivingGospel Choir e. V. um 19.30 in der evangelischen Friedenskirche, Rheinaustraße 9, der Eintritt kostet 23.90 Euro.