Hunderttausende Zuschauende entlang der Strecke – und ein großes Sehnen nach diesem Zoch und dem Fest, zu dem er wurde.
„Et jitt kein Wood“Jecker Höhepunkt an Rosenmontag – Ein Glücksgefühl flutet Köln

Kaum zu sehen vor lauter Konfetti: das Kölner Dreigestirn.
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Et jitt kein Wood – an diesem Tag erst recht nicht – das sagen könnte, welches Gefühl diese Stadt plötzlich flutet. An der Severinstorburg in der Südstadt ist es 10 Uhr, am Neumarkt 11.15 und am Alter Markt 13 Uhr, als es heißt: D’r Zoch kütt. Und er wird zu einem Fest, nach dem sich Hunderttausende Zuschauende entlang der 7,5 Kilometer langen Stecke offenbar so sehr gesehnt haben wie nach den ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres. Beides, der Rosenmontagszug und das Wetter, produzieren Glückshormone im Akkord.
Auch beim Festkomitee ist man mehr als zufrieden. Später, als auch der letzte Wagen mit dem Motto für die kommende Session „Alaaf – Mer dunn et för Kölle“ um 19.08 Uhr und bei Dunkelheit das Ziel an der Mohrenstraße erreicht hat, wird man von einem der besten Rosenmontagszüge der vergangenen Jahre sprechen.
Zahlreiche Verspätungen im vergangenen Jahr
Gab es im vergangenen Jahr zahlreiche Verspätungen, unter anderem durch Wagenpannen, und sorgte morgendlicher Regen noch für Sorgenfalten beim damaligen Zugleiter Holger Kirsch, so entpuppt sich die diesjährige Auflage für seinen Nachfolger Michael Michelske zu einer Art Triumphzug. Den schmälert auch nicht der Wagen der Goldenen Jungs, der plötzlich Bremsprobleme hat und aus dem Zug genommen wird. Die Wagenbesatzung geht einfach zu Fuß weiter.
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Bei bestem Wetter feierten die Jecken in der Kölner Innenstadt.
Copyright: Arton Krasniqi
Es scheint, als würden sich nach vielen Wochen Sitzungskarneval, Loss mer singe, Stunksitzung und viele andere Facetten des Brauchtums zum Höhepunkt der Session vereinen. Stunden, die davon ablenken, was in dieser Stadt und der Welt im Argen liegt – auch wenn die Persiflage-Wagen dies deutlich abbilden. Wer nur dem Zug folgt, feiert und nicht aufs Handy schaut, erfährt vielleicht erst später zu Hause von dem Anschlag in Mannheim mit zwei Toten und zahlreichen Verletzten.
„Die Bilder aus Mannheim machen uns fassungslos“, sagt Festkomitee-Sprecher Michael Kramp am Nachmittag. „Hier die fröhlich feiernden Jecken, in Köln – dort Menschen, die schwer verletzt oder gar ihr Leben verloren haben. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien und auch bei den Menschen, die die schrecklichen Geschehnisse miterleben mussten.“
Köln bleibt weitgehend friedlich
In Köln bleibt es zum Glück bis auf kleinere Zwischenfälle an den jecken Hotspots wie Altstadt und Zülpicher Straße friedlich. Das Besucherinteresse am Rosenmontagszug ist trotz der IS-Warnungen im Vorfeld enorm. Selbst in Straßen, wo sich die Menschenmassen gewöhnlich nicht so knubbeln, war es voller als sonst.

Auch US-Präsident Donald Trump war Thema beim Kölner Rosenmontagszug.
Copyright: Uwe Weiser
Gegen 13.15 Uhr musste der Durchgang im Bereich Unter Käster/Heumarkt für Fußgänger gesperrt werden, da es dort zu voll wurde. Da die Zugleitung mit den Sicherheitsbehörden im Vorfeld diesen und auch andere Bereiche als möglich Engpässe ausgemacht hatte und darauf vorbereitet war, kam es auch hier zu keinen Störgeräuschen.
In der Severinstraße wird es zu Spitzenzeiten am Mittag so voll, dass kaum noch ein Durchkommen möglich ist. Besser geht es da den Jecken, die von ihren Fenstern aus auf den Zug blicken. Sie haben den besten Blick, ausreichend Platz und Toilettenzugang. Auch Kamelle fliegen ausreichend, besonders ehrgeizige Zugteilnehmer wagen sogar den Wurf ins dritte Stockwerk.

Tanzgruppen sorgen für Stimmung. Der Rosenmontagszug zieht durch die Severinstraße. Die Jecken feiern am Rosenmontag den Karneval bei bestem Wetter und schönstem Sonnenschein.
Copyright: Uwe Weiser
Die echten Profis unter den Anwohnern kann man dabei direkt erkennen: Sie lassen Regenschirme verkehrt herum an der Häuserwand herunterhängen. Aus einem Fenster ragen gleich zwei, die noch mit Keschern aufgepimpt wurden. Darüber Pappschilder: „Wer nicht trifft, sagt helau.“ Das spornt viele Kamellewerfer offensichtlich an.
„Hier heißt dat Strüßjer!“
Bei Lennart und seinem Kumpel Louis an der Hohe Pforte hören die Zugteilnehmer dagegen nur zwei, maximal drei Wörter: „Ey, Blume!“ oder „Ey, Blume bitte“. Warum das nicht funktionieren will und kann, erklärt den beiden Jungs aus Coesfeld wenig später ein älterer Herr: „Hörens, hier heißt dat Strüßjer!“

Gute Laune an Rosenmontag in Köln.
Copyright: Arton Krasniqi
Zurück an der Severinstraße: In einer Seitengasse, mit Blick auf den Zug in einem Campingstuhl. Sophie hält Lotte im Arm, die erlebt, genau wie ihr Zwilling Jonte, mit gerade einmal zehn Monaten ihren ersten Rosenmontagszug. Julia, die Mutter der beiden, steht daneben und erzählt: „Wir waren auch gestern schon bei den Schull- un Veedelszöch, die machen das ganz toll mit.“ Weil es so voll ist, stehen sie aber etwas abseits.
Am Chlodwigplatz fliegen kaum Kamelle
Wer in der Südstadt das Gedränge vermeiden will, der stellt sich einfach vor dem offiziellen Zugstart an den Chlodwigplatz. Hier geht es etwas ruhiger zu, Kamelle fliegen kaum. Als hinter dem Reiterkorps der Ehrengarde aber zwei junge Männer mit Steckenpferden auf die Straße hüpfen, brandet Jubel auf. Die Zugordner verweisen sie schnell wieder an den Rand.
Die Zugteilnehmer strahlen mit der Sonne um die Wette. Ob das kleine Mädchen aus der Kindertanzgruppe, die zum ersten Mal dabei ist, oder der grauhaarige Gardist, der schon zum 30. Mal mitläuft, sie alle laufen beschwingt und hocherhobenen Kopfes durch die Straßen. Ein ganz besonderer Zug ist es auch für die Tollitäten der vergangenen Session: Wegen einer Hüftoperation mussten Prinz Sascha und Bauer Frieda am Rosenmontag durch die Stadt ziehen. Nun winkt das ehemalige Familien-Dreigestirn gemeinsam vom Held-Carneval-Wagen.