Der amerikanische Trump-Kritiker Adam Kinzinger spricht im Interview über Ukraine-Hilfen und die Gefahr der AfD für den Konservatismus.
„Lasst euch nicht infizieren“Trump-Kritiker über AfD und Umgang mit Trump in Deutschland

Adam Kinzinger (rechts) und Liz Cheney bei einer Anhörung zum Kapitolsturm von 2021. (Archivbild)
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Seit dem Kapitolsturm im Januar 2021 ist der Republikaner Adam Kinzinger der wohl prominenteste innerparteiliche Kritiker von US-Präsident Donald Trump. Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Repräsentantenhaus zwei Jahre später setzte sich der einstige Luftwaffenpilot, der im Irak- und im Afghanistan-Krieg diente, entschieden für die militärische Unterstützung der Ukraine ein. Kinzinger verfolgt die politische Entwicklung in Deutschland mit Interesse – seine Großeltern waren aus Warstein in die USA ausgewandert.
Herr Kinzinger, Sie sind einer der vehementesten Unterstützer der Ukraine hier in den USA. Wie bewerten Sie das Ergebnis der Bundestagswahl?
Adam Kinzinger: Das scheint mir ein ordentlicher Ausgang für die Ukraine zu sein. Ich hoffe, dass Deutschland die Ukraine weiter mit Waffen beliefert. Es wäre sehr gut, wenn Sie auch die Taurus-Marschflugkörper zur Verfügung stellen würden. Das wäre sehr wichtig.
Kinzinger: AfD oder Le Pen an der Macht wären Tod des Konservatismus
Präsident Trump dringt auf einen baldigen Friedensschluss, der von den Europäern abgesichert werden soll. Muss Berlin dann auch Soldaten schicken?
Ich habe den Eindruck, dass die Deutschen zögern. Aber jedenfalls sollten sie sich nicht querstellen, wenn eine „Koalition der Willigen“ etwa aus Frankreich, Großbritannien und Polen Friedenstruppen schicken will.
Angesichts der Weigerung der Trump-Regierung zur weiteren Unterstützung Kiews kommen auf jeden Fall erhebliche Kosten auf Deutschland zu.
Ich denke, dass die Schuldenbremse ausgesetzt werden muss. Wir befinden uns in einer Notsituation. Da halte ich das für angemessen.
Sie sind ein überzeugter Konservativer, wie der mutmaßliche neue Bundeskanzler Friedrich Merz. Was würden Sie ihm aus Ihrer amerikanischen Erfahrung für den Umgang mit der AfD raten?
Meine Botschaft an alle Mitte-Rechts-Parteien in Europa ist: Seit konservativ, aber lasst Euch nicht von diesem Nationalismus infizieren! Wenn die AfD in Deutschland oder Le Pen in Frankreich an die Macht kämen, wäre das der Tod jedes echten Konservatismus. Europa muss diesen nationalistischen Vormarsch stoppen.
„Wie geht man mit einem sechsjährigen Kind um?“
Wie soll der künftige Bundeskanzler mit Präsident Trump umgehen?
Kinzinger (lacht): Wie geht man mit einem sechsjährigen Kind um?
Sie haben einen dreijährigen Sohn. Was empfehlen Sie?
Es ist offensichtlich nicht im deutschen Interesse, Trump zu piesacken. Aber es wäre auch nicht im deutschen Interesse, vor ihm zu kuschen.
Trumps Drohung mit Zöllen könnte schon bald zu einem massiven Konflikt führen.
Ja. Und mein Ratschlag für ganz Europa ist: Wenn er einen Handelskrieg startet, muss ihm Europa entgegentreten. Dieser Kerl gibt nach, wenn man ihm die Stirn bietet. Und Deutschland wird eine sehr wichtige Rolle dabei spielen, die europäische Koalition anzuführen.
Das Interview führte Karl Doemens.