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Neue Probleme für MoskauKiew meldet Erfolg im Asowschen Meer – Putins Krim-Brücke nun im Fokus

Lesezeit 3 Minuten
Nach einem Angriff auf ein russisches Fährschiff könnte Russland gezwungen sein, die Krim-Brücke für den Transport von Treibstoff zu benutzen, berichtet der britische Militärgeheimdienst. (Archivbild)

Nach einem Angriff auf ein russisches Fährschiff könnte Russland gezwungen sein, die Krim-Brücke für den Transport von Treibstoff zu benutzen, berichtet der britische Militärgeheimdienst. (Archivbild)

Nach ukrainischen Angaben hat Moskau alle Kriegsschiffe aus dem Asowschen Meer abgezogen – und steht nun vor Problemen.

Die russische Marine hat nach Angaben der ukrainischen Streitkräfte alle Kriegsschiffe aus dem Asowschen Meer abgezogen. „Es befinden sich keine russischen Marineschiffe mehr im Asowschen Meer“, teilt der ukrainische Marinesprecher Dmytro Pletentschuk auf Facebook mit.

Die ukrainische Marine sieht in erfolgreichen Angriffen auf russische Ziele auf der von Moskau illegal besetzten Halbinsel Krim und im Schwarzen Meer als Grund für den mutmaßlichen Rückzug. So sei Moskau dazu gezwungen worden, seine Kriegsschiffe an andere Orte zu verlegen, heißt es aus Kiew.

Russische Marine erleidet seit Kriegsbeginn erhebliche Verluste

Der Kreml reagierte zunächst nicht auf die Angaben aus der Ukraine. Unabhängig bestätigten lassen sich die Angaben nicht.

Rauch steigt nach einem Beschuss in der Nähe eines Seehafens in Berdjansk auf. (Archivbild)

Rauch steigt nach einem Beschuss in der Nähe eines Seehafens in Berdjansk auf. (Archivbild)

Marinesprecher Pletentschuk hatte unterdessen bereits vor einer Woche berichtet, die russische Marine habe das letzte Patrouillenschiff der Schwarzmeerflotte von der Krim abgezogen. „Das letzte Patrouillenschiff der russischen Schwarzmeerflotte verlässt derzeit unsere Krim. Erinnern Sie sich an diesen Tag“, hatte Pletentschuk erklärt. Den Namen des Kriegsschiffes nannte er nicht.

Versteckt Putins Marine Kriegsschiffe im Schwarzen Meer?

Im April hatte die ukrainische Marine bereits mitgeteilt, die russische Schwarzmeerflotte habe seit Kriegsbeginn rund zwei Drittel ihrer Schiffe verloren. Moskau ließ auch diese Angaben unkommentiert.

Wie viele russische Schiffe nun noch in den Gewässern unterwegs sind, bleibt unklar. Noch im Juni hatte der Sprecher des ukrainischen Militärgeheimdienstes Andrij Yusov davor gewarnt, dass Russland Kriegsschiffe „verstecke“, weshalb die „Jagd weitergehen“ müsse.

Angriff auf russisches Fährschiff rückt Krim-Brücke in den Fokus

Zuletzt hatten die ukrainischen Streitkräfte ein russisches Fährschiff attackiert, mit dem Fahrzeuge und Nachschub auf die Halbinsel transportiert werden sollten. Nach dem jüngsten Angriff soll Russland nun hauptsächlich mit U-Booten im Schwarzen Meer präsent sein.

Der Angriff auf die Fähre „Slavyanin“ werde den russischen Streitkräften weitere logistische Probleme bereiten, erklärte unterdessen der britische Verteidigungsgeheimdienst in seinem aktuellen Briefing am Donnerstag.

Krim-Brücke ist Wladimir Putins Prestigeprojekt

Durch den Verlust der Fähre würden die russischen Möglichkeiten für den Transport von Treibstoff, Munition und Ausrüstung weiter eingeschränkt, hieß es vom britischen Verteidigungsministerium, das auch auf weitere erfolgreiche Angriffe der Ukraine verwies.

„Seit diesen Anschlägen ist Russland höchstwahrscheinlich gezwungen, seine Sicherheitsverfahren zu ändern und den Transport von Treibstoffzügen über die Brücke von Kertsch zu riskieren“, erklärte der Geheimdienst in London. Moskau habe das seit dem ersten Angriff auf die Brücke im Oktober 2022 versucht zu vermeiden.

Kiew befeuert Gerüchte über Angriff auf Krim-Brücke

Die Krim-Brücke verläuft genau zwischen dem Asowschen Meer und dem Rest des Schwarzen Meeres und wurde nach der Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 eilig auf Wunsch von Kremlchef Wladimir Putin errichtet. Seit Kriegsbeginn wurde das Bauwerk bereits mehrfach Ziel ukrainischer Angriffe und wurde dabei immer wieder erheblich beschädigt.

Die ukrainische Militärgeheimdienstchef Kyrylo Budanow hatte noch im Juni die anhaltenden Gerüchte über einen möglichen Großangriff der Ukraine auf die Kertsch-Brücke befeuert.

Setzt die Ukraine weitreichende US-Raketen ein?

„Im Prinzip werden uns diese Raketen die Durchführung einer solchen Mission ermöglichen“, sagte Budanow dem „Philadelphia Inquirer“ über einen möglichen Angriff mit weitreichenden amerikanischen ATACMS-Raketen auf das Bauwerk.

Das Ziel einer solchen Attacke sei, die russischen Truppen auf der Krim von der Versorgung abzuschneiden, so der Geheimdienstchef. Nach der jüngsten Attacke auf die russische Fähre dürfte die Brücke nun noch mehr in den Fokus der ukrainischen Streitkräfte rücken.