Im Eifelort Erkensruhr unweit des Rursees wird einmal im Monat das Backhaus in Betrieb genommen. Die Steinofenbrote sind sehr beliebt.
Knusprig und leckerIn Erkensruhr wird einmal im Monat im „Dörpches Backes“ Brot gebacken

Das Werk der Hobby-Bäckermeister: Helmut Förster und Birgit Schmitz mit den ersten frischen Steinofenbroten des Jahres.
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Der Dreiborner Bäckermeister Achim Möhrer ist in der Region wohlbekannt. Seit gut drei Jahrzehnten ist der 57-Jährige für die Museumsbäckerei im Freilichtmuseum Kommern verantwortlich. Neben dem heimischen Backbetrieb, wo sein Sohn wohl bald in seine Fußstapfen treten wird, ist er von April bis Oktober Museumsbäcker. Zudem ist er Bäckermeister fürs „Dörpches Backes“ in Erkensruhr. Denn Möhrer produziert die Teiglinge für dessen berühmtes Steinofenbrot.
Im Dörpches Backes ist die Winterruhe vorbei: Der Bürgerverein Erkensruhr-Hirschrott hat seinen altehrwürdigen Holzofen angeworfen, gefüttert nur mit gut getrockneten Buchenscheiten aus der Region des Nationalparks. Im öffentlichen Backhaus mitten in dem kleinen Ort wird regelmäßig gebacken wie in alten Zeiten. Die Steinofenbrote sind sehr beliebt, sie gehen im Handumdrehen weg: Wer am jeweiligen Backtag nicht leer ausgehen will, sollte zeitig kommen und sich in die Warteschlange vor dem Backhaus im Fachwerkstil einreihen.
Maximal 80 der traditionsreichen Einheitsbrote werden gebacken
Helmut Förster, Vorsitzender des Bürgervereins, der Träger des örtlichen Brauchtums ist, hat pünktlich zum meteorologischen Frühlingsanfang am 1. März eingeladen. Im Angebot ist das bei Einheimischen und Touristen beliebte traditionsreiche Einheitsbrot in zwei Gewichtsklassen. Bei Außentemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt funktioniert der frisch erworbene, noch dampfende Brotlaib auch gut als Handheizung.
Kurz vor 10 Uhr kommen die ersten Teiglinge in den am Vorabend angeheizten Ofen, eine halbe Stunde später startet der Verkauf. Die Zahl der gebackenen Weizen- und Roggenmischbrote auf Natursauerteigbasis ist begrenzt. Maximal 80 Brote passen in zwei Fuhren in den Ofen, dann müsste er wegen des Hitzeverlusts beim Backvorgang wieder gestocht werden, wie man in der Eifel sagt – die Glut anfachen und die ganze Heizprozedur neu starten.
Hinten 339 Grad, an der Decke 368 Grad, an der Seite 316 Grad. Das passt! Fast schon einen Tick zu heiß.
Das Schüren des Ofenfeuers ist eine kleine Wissenschaft für sich. Hobbybäcker Helmut Förster, bis zum Ruhestand IT-Experte in einer Bank, hat sich die Fachkenntnisse selbst angeeignet, schon vor Jahren. Denn der Betrieb des Backes läuft quasi in ehrenamtlicher Familientradition. Sein Schwiegervater Walter Wollgarten war es, der in den 1980er-Jahren den Startimpuls gegeben hat. Förster hat ihm über die Schulter geschaut, gelernt – und später mit seiner Schwägerin, Wollgartens Tochter Birgit Schmitz, den „Laden“ übernommen. Gelegentlich helfen seine Nichte Kira und sein Neffe Jan.
Nach dem Anheizen am Freitagabend ist Förster am Samstag um kurz nach 6 Uhr wieder zur Stelle, legt Holz nach, das weiter still vor sich hin glimmt. Per elektronischem Messgerät stellte er kurz vor dem geplanten Backbeginn fest, dass der Ofen mit seinem 2,50 mal 2 Meter großen Backfeld heiß genug ist: „Hinten 339 Grad, an der Decke 368 Grad, an der Seite 316 Grad“, lautet seine Messreihe: „Das passt! Fast schon einen Tick zu heiß.“
Die Temperatur im Steinbackofen von Erkensruhr wird genau gemessen
Die Teiglinge hat Förster am Morgen wie gewohnt bei Bäckermeister Möhrer in Dreiborn abgeholt. Eigens für den Transport hat er sich ein Regal passend für sein Auto zurechtgezimmert. Diesmal, zum Saisonstart, lautete die Bestellung auf 70 Brotlaibe, allesamt in die runden oder länglichen Gärkörbchen gelegt und sorgfältig abgedeckt, damit der Gärprozess möglichst ungestört weitergehen kann.
Als Förster nach der erfolgreichen Temperaturmessung das Startsignal gegeben hat, geht es Schlag auf Schlag. Zunächst muss das Backfeld im Ofen besenrein sein, mit einem speziellen Aschekratzer werden die Glutreste rausgezogen. Birgit Schmitz fängt sie mit einem Kehrblech auf und befördert sie in feuerfeste Eimer.

Die Glut wird vor dem Backen aus dem Ofen gefegt.
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Die Teiglinge sind in den Gärkörbchen vorbereitet.
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Zum Anbeißen: Der neunjährige Emil ist mit seinem Vater Rico Tröger zum Backes gekommen und kostet das noch warme Brot.
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Als das Gröbste raus ist, wickelt Förster einen Lappen um den Schieber, stochert hin und her durch den Ofen, tunkt diesen dampfenden Schrubber kurz in einen Eimer mit Frischwasser, weiter geht's drinnen. Mittlerweile füllt sich das Backhaus mit würzigem Rauch, der aber nicht den Atem stocken lässt. Drei Eimer mit Glutresten werden draußen auf einen Haufen gekippt, wo sie munter weiterglühen.
Dann ist Backzeit: „256 Grad hinten, an der Decke 292 Grad, an der Seite 264 Grad“, so Helmut Förster nach der Putzaktion – alles bestens! Er steht mit dem langen Brotschieber in den mit feuerfesten Handschuhen geschützten Händen an der Backofentür parat. Birgit Schmitz holt je zwei Brotkörbe heran und kippt jeden einzelnen Laib auf den Schieber, schneidet mit einem Messer in alter Tradition ein Kreuz in die Brote für eine knusprigere Oberfläche. Förster schiebt sie nach und nach hinein, bis in den letzten Winkel des Ofens.
Dann ist erst mal Warten angesagt, hin und wieder wird ein kurzer Blick in den Ofen geworfen. Der Hobby-Bäcker ist zufrieden mit dem, was er sieht. Nach einer halben Stunde heißt es: „Alles raus!“ Helmut Förster holt mit dem Schieber die Brote raus, Schmitz flitzt damit zu einem Tisch und stapelt sie schräg aufeinanderliegend zum Auskühlen. Als der Tisch voller Brote ist, werden die Fenster geöffnet: Förster steht am Verkaufsfenster, daneben kassiert Schmitz am Bezahlfenster. Eine Warteschlange bildet sich, alles sehr diszipliniert.
Pro Person gibt's im Backhaus in der Eifel zunächst nur ein Brot
Pro Person wird zunächst nur eines der würzigen Holzofenbrote verkauft. Wer mehr will und der Vorrat reicht, muss sich wieder hinten anstellen. Alles ohne Murren, man kennt es – und man kennt sich oft untereinander. Viele der Käufer sind Stammkunden, die die Wartezeit mit einem Schwätzchen überbrücken. Wer was für obendrauf für die herzhaften Brotscheiben braucht, kann selbstgemachte Holundermarmelade oder Honig kaufen.
Einer der Treuesten ist Matthias Conventz aus Erftstadt. Seit drei Jahren kommt der 75-Jährige regelmäßig, er fährt 102 Kilometer hin und zurück: „Für so eine gute Sache lohnt sich diese Strecke.“ Im Dezember hat er gleich einen ganzen Schwung Steinofenbrote mitgenommen: Für einen 90-jährigen Nachbarn, der auch auf das leckere Backwerk schwört, und um selbst die Winterpause zu „überstehen“.
Coventz ist weit vor der Ausgabezeit am Backhaus: „Ich bin immer der Erste.“ Er genießt die Plauderei mit den anderen Stammkunden, bis es losgeht. So hat er mal Urlauber aus Zittau nahe der polnisch-tschechischen Grenze kennengelernt, die auch auf die Erkensruhrer Brote schwören. Ihnen hat er schon wunschgemäß vakuumierte Brote per Express zugeschickt, binnen zwei Tagen sind sie in Sachsen.
Die Stammkunden bringen auch mal Glühwein und Kuchen mit
Georg Alzer aus Morsbach versucht seit 2024, an jedem Backtag zu kommen. Auch er genießt das „Rahmenprogramm“, wie er es nennt: „Dafür ist die Kundschaft zuständig.“ Da bringt der eine mal Glühwein mit, der andere Kuchen. „Es ist hier sehr familiär. Fehlt nur noch ein Grill und ein Fässchen Bier ...“
90 Prozent der Termine schafft Karl-Heinz Harth aus Rurberg. „Das Brot schmeckt einfach gut“, schwärmt er: „Es ist so knusprig und schmeckt am besten frisch.“ Karl-Heinz Epping, sein Nachbar, ist auch regelmäßig da, wenn es passt: „Das Brot riecht schon so gut.“
Aus Essen ist Rico Tröger angereist. Er kennt Erkensruhr gut, ist dort aufgewachsen, nun ist er in der Ferienwohnung in Einruhr. Sein neunjähriger Sohn Emil ist dabei – und beißt sofort kräftig in die knusprige Brotkruste. „Im Sommer, wenn wir mit dem Fahrrad kommen, ist oft die Hälfte schon weg, wenn wir wieder in Einruhr ankommen“, sagt sein Vater lachend.
Britta Löhr-Eich aus Kasbach-Ohlenberg bei Linz am Rhein spioniert ein bisschen, wie sie gesteht: In ihrer Heimat betreibt der örtliche Obst- und Gartenbauverein auch ein Backhaus. Sie will mal schauen, wie die Kollegen in der Eifel arbeiten. Ihr Begleiter, Ralf Nolden aus Dreiborn, hat sie auf das kleine Event aufmerksam gemacht: „Da muss ich unbedingt hin“, sagte sie.
Die formal weiteste Anreise unternahm wohl Chris Roelen aus Zoetermeer bei Den Haag. Er hat ein Ferienhaus in Erkensruhr, ist ein- bis zweimal monatlich dort. Wenn's terminlich passt, kommt er zum Dörpches Backes und genießt die frische Leckerei. Vielleicht ist auch er am 5. April wieder da.
Termine für das Jahr 2025 und Preise
Zur Premiere dieses Jahres am Samstag war der Ansturm am Backes noch überschaubar. Doch erfahrungsgemäß wird sich das im Laufe des Jahres ändern. Wer mal leer ausgehen sollte, kann sich schon die Termine notieren. Jeweils am ersten Samstag im Monat öffnet der kleine Brotshop in Erkensruhr: am 5. April, 3. Mai, 7. Juni, 5. Juli, 2. August, 6. September, 4. Oktober, 1. November (Allerheiligen) und 6. Dezember.
Zur neuen Saison in Erkensruhr gibt's einen Preisaufschlag, weil die Beschaffungskosten gestiegen seien, sagt der Vorsitzende Helmut Förster: Das Ein-Kilo-Brot ist nun für fünf Euro zu haben, der 750 Gramm schwere „Kleine“ kostet vier Euro. Was von den Einnahmen übrig bleibt, kommt in die Kasse des Heimatvereins für die Dorffeste. Weitere Infos gibt es auf der Internetseite www.erkensruhr.de.