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Gefahr für KinderAn der Grundschule Opladen könnte verkehrsberuhigte Zone kommen

Lesezeit 5 Minuten
Eine Anwohnerin schildert Oberbürgermeister Uwe Richrath (M.) die Probleme im Viertel.

Eine Anwohnerin schildert Oberbürgermeister Uwe Richrath (M.) die Probleme im Viertel.

Vor der Gemeinschaftsgrundschule Opladen traf sich Uwe Richrath mit Anwohnern. Doch eine einfache Lösung für die Verkehrsprobleme gibt es nicht.

Die Straßen rund um die Gemeinschaftsgrundschule Opladen an der Hans-Schlehahn-Straße sind eng, zum großen Teil so eng, dass sie nicht einmal einen Bürgersteig haben. Dennoch ist der Verkehr insbesondere morgens vor Schulbeginn und mittags, wenn die Schule aus ist, sehr dicht in dem Wohnviertel westlich der Kölner Straße. Und nicht alle Väter und Mütter, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, verhalten sich rücksichtsvoll.

Das schilderte am Dienstagnachmittag ein junger Vater, der selbst mit seiner Familie in dem Viertel wohnt, beim Ortstermin mit Oberbürgermeister Uwe Richrath vor der Schule. „Morgens, wenn die Kinder auf dem Weg zur Schule sind, kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen. Es fehlt an Beschilderungen, und Tempo 30 ist auf Straßen ohne Gehweg einfach zu schnell“, so der Vater. „Wenn sie denn nur 30 fahren würden...“, wirft da eine Mutter ein und viele der Anwesenden reagieren mit sarkastischem Lachen. Die Verkehrsprobleme im Viertel gibt es schon lang. Doch der Unfalltod einer Schülerin des Landrat-Lucas-Gymnasiums auf dem Schulweg Ende Januar hat die Bewohnerinnen und Bewohner der Gegend zusätzlich aufgerüttelt.

Tempo 30 ist auf Straßen ohne Gehweg einfach zu schnell
Ein Anwohner

Etwa 40 Opladener sind zu dem Platz vor der Schule gekommen, der wegen Straßenbauarbeiten im Viertel halb mit einem Schuttcontainer, Schildern und Absperrbaken zugestellt ist. Ältere Anwohner der Hans-Schlehahn-, Volhard-, Arnold-Ohletz- und Von-Siebold-Straße sind genauso darunter wie einige junge Männer und Frauen und Familien, die ihre kleinen Kinder gleich mitgebracht haben. Auch die CDU ist vertreten: Matthias Itzwerth, Chef der Opladener CDU, ist da, und auch Stefan Hebbel, OB-Kandidat und Fraktionschef seiner Partei im Stadtrat, hört zu. Richrath hat eine ganze Reihe von Fachleuten aus der Verwaltung mitgebracht, darunter Conchita Laurenz, die Leiterin der Verkehrsleitung in der Stadtverwaltung, Reinhard Schmitz, Leiter des Fachbereichs Tiefbau, und Steffen Franzkowski, Leiter des Fachbereichs Ordnung und Straßenverkehr. 

Opladen: Elterntaxis treffen auf Parkplatzsucher

Die Anwohner schildern, dass nicht nur der Hol- und Bring-Verkehr Autos in ihr Viertel führt, sondern auch viele Beschäftigte aus dem nicht weit entfernten Gewerbegebiet an der Robert-Blum-Straße ihr Fahrzeug morgens in den schmalen Straßen abstellen. Im Gespräch mit Richrath kommen eine ganze Reihe von Vorschlägen und Fragen auf, wie die Verkehrsprobleme zu lösen wären. Warum die Stadt die Anlieger-frei-Schilder entfernt habe, die bis vor Jahren die Durchfahrt durch die Wohnstraßen reglementiert haben, will eine Frau wissen. Ob es nicht möglich wäre, den Verkehr mit einem Einbahnstraßensystem zu verringern, fragt eine andere. Denn zu den Elterntaxis von und zur Grundschule und zum Parkplatzsuchverkehr aus dem Gewerbegebiet obendrauf kommen auch noch Autofahrer, die die Kölner und die Bonner Straße in Stoßzeiten meiden und sich ihren Weg durch die Wohnviertel suchen.

„Man muss die Straßen dafür unattraktiv machen“, findet nicht nur Richrath. Der von der Verwaltung bevorzugte Weg, das zu tun, wäre, einen verkehrsberuhigten Bereich im Wohngebiet einzurichten: „Mit Tempo sieben Kilometer pro Stunde. Das geht überall dort, wo es keinen Bordstein gibt“, erläutert Conchita Laurenz. Also praktisch im gesamten Viertel bis auf die nördliche Hans-Schlehahn-Straße und die Volhardstraße zwischen Kölner Straße und Hans-Schlehahn-Straße, wo es baulich getrennte Bürgersteige gibt. Die Idee dahinter: Wer mit Schrittgeschwindigkeit einen Schleichweg nutzen oder einen Parkplatz suchen muss, der fährt erst gar nicht ins Viertel rein, weil das zu viel Zeit kostet. Außerdem wird es für Schulkinder viel weniger gefährlich, zu Fuß zur Schule zu gehen oder auf der Straße zu spielen. 

In verkehrsberuhigten Bereichen fallen 20 bis 30 Prozent der Parkplätze weg. Das muss allen klar sein
Reinhard Schmitz, Leiter des Fachbereichs Tiefbau in der Stadtverwaltung

Aber jede gute Idee hat auch ihre Kehrseiten. So mahnte Reinhard Schmitz, dass üblicherweise bei der Einrichtung von verkehrsberuhigten Bereichen in Wohnvierteln 20 bis 30 Prozent der Parkplätze wegfallen: „Das muss allen klar sein. Denn in solchen Bereichen werden Parkflächen auf beiden Straßenseiten versetzt markiert. Dabei müssen für den Begegnungsverkehr Ausweichflächen da sein.“ Was das zum Beispiel auf der Arnold-Ohletz-Straße bedeutet, wird deutlich, als die Gruppe sich gemeinsam mit dem Oberbürgermeister auf einen Spaziergang durchs Viertel macht. In der Arnold-Ohletz-Straße parkt von der Volhard- bis zur Von-Siebold-Straße ein Auto hinter dem anderen auf der der Bebauung gegenüber liegenden Straßenseite. Als zum Wegfall von Parkraum kritische Nachfragen von den Bürgerinnen und Bürgern kommen, zuckt Laurenz mit den Schultern: „Was auch immer wir tun, wir können es nicht allen recht machen.“

An der Einmündung der Von-Siebold- in die Hans-Schlehahn-Straße fahren Autos oft zu schnell.

An der Einmündung der Von-Siebold- in die Hans-Schlehahn-Straße fahren Autos oft zu schnell.

Marianne Schmidt-Mestel ist in dem Viertel aufgewachsen. Sie erinnert sich daran, wie sie als Mädchen auf den Straßen Rollschuh gefahren ist, auch auf den beiden asphaltierten Plätzen, die sich an den Enden des kurzen Stücks Von-Siebold-Straße zwischen Hans-Schlehahn- und Arnold-Ohletz-Straße auftun. Heute wäre das nicht mehr möglich, weiß Patrick Kneis, der an einem der beiden Plätze neben Marianne Schmidt-Mestel wohnt. „Die Autos geben hier richtig Gas, wenn sie über die Plätze fahren, teilweise mit 40, 50 Sachen“, so Kneis. 

Doch für die Plätze gibt es in der Verwaltung Überlegungen, sie mit Pflanzinseln auszustatten, berichtet Laurenz. Das würde den Verkehr ebenfalls verlangsamen, die Straße für spielende Kinder sicherer machen und auf Dauer auch das Mikroklima auf den Plätzen verbessern, die sich in der Sommerhitze arg aufheizen. Aber natürlich, heißt es dazu aus der Verwaltung, ist für Pflanzinseln wie für eine verkehrsberuhigte Zone ein politischer Beschluss nötig.