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1000 fehlende PlätzeLeverkusens Kitas verfallen schneller, als neue gebaut werden

Lesezeit 4 Minuten
Der Verlust der Kita Scharnhorststraße reißt ein weiteres Loch in die Kitabedarfsplanung.

Der Verlust der Kita Scharnhorststraße reißt ein weiteres Loch in die Kitabedarfsplanung.

Die Ergebnisse einer Elternumfrage zum Betreuungsbedarf liegen vor, aktuelle Auswirkungen gibt es dadurch aber nicht.

Die Stadt hat mit einem Monat Verzögerung das Kita-Platzangebot für das Betreuungsjahr 2025/26 beschlossen. Der ausgewiesene Fehlbetrag ist erstmals seit vielen Jahren dreistellig, allerdings mit einem Schönheitsfehler: In die 960 fehlenden Plätze sind noch 110 Plätze aus der mittlerweile geschlossenen Kita Scharnhorststraße eingerechnet. So entsteht ein rechnerisches Minus von 1070 Plätzen, und damit mehr als in den Vorjahren: 1053 waren es 2024, 1007 im Jahr 2023. Ein Antrag der Grünen, auf dem Parkplatz an der Scharnhorststraße schnell eine Kita in Fertigbauweise zu errichten, schaffte es nicht mehr auf die Tagesordnung, soll aber im nächsten Turnus beraten werden.

Weiterhin fehlt es vor allem an Betreuungsplätze für Unter-Dreijährige. Nach der Berechnungsgrundlage, dass 60 Prozent der Eltern von Unter-Dreijährigen einen Kita-Platz wünschen, fehlen aktuell 797 Plätze für diese Altersgruppe. Abgemildert wird das durch geplante 411 Betreuungsplätze in Tagespflegeeinrichtungen. Für Über-Dreijährige, bei denen man von einer 100-Prozent-Quote ausgeht, fehlen rechnerisch 163 Plätze. Die vorhandenen Plätze können mit dem Beschluss ab sofort von den Kitaleitungen unter den angefragten Anmeldungen vergeben werden.

Verzögert hatte sich die Vergabe, weil die Stadt vorab noch eine Elternbefragung durchführen wollte. Die Ergebnisse sollen noch in die Planung für das im August beginnende Kitajahr 2025/26 einfließen, hatte Dezernent Marc Adomat im ersten Kinder- und Jugendhilfeausschuss des Jahres erklärt und eine Sondersitzung anberaumt.

Ergebnisse der Umfrage präsentiert

In dieser wurden am Montag die Ergebnisse präsentiert: 9160 Eltern von Kindern im Alter zwischen null und sechs Jahren wurden per Postkarte angeschrieben und zur Beantwortung von 13 Fragen aufgefordert. 3075 haben teilgenommen. „Eine Rücklaufquote von 33,5 Prozent ist eine sehr gute Beteiligung“, bewertete Sabine Jarosch, stellvertretende Abteilungsleiterin im Fachbereich Kinder und Jugend. Unter den Teilnehmenden sind 57 Prozent bereits in einer Kita und sieben Prozent in einer Kindertagesstätte untergebracht. 35 Prozent haben angegeben, dass die Kinder privat betreut werden. Die Stadt versteht darunter die Betreuung zu Hause oder beispielsweise durch die Großeltern, die weiteren Antworten lassen aber darauf schließen, dass einige Eltern auch Kitas freier Träger als „privat“ verstanden haben. „Hier müssen wir beim nächsten Mal genauer fragen“, gesteht Jarosch.

Im Weiteren zeigt sich eine Diskrepanz zwischen gebuchtem Betreuungsplatz und tatsächlicher Betreuungszeit. 66 Prozent der angebotenen Plätze sind 45-Stunden-Plätze. Aber nur 44 Prozent der Kinder bleiben tatsächlich so lange in der Betreuung, 40 Prozent bleiben nur zwischen 26 und 35 Stunden. Allerdings gibt es nur 17 Prozent Betreuungsplätze mit diesem Umfang. Das spiegelt auch der Wunsch aus der Umfrage wider: 41 Prozent geben an, dass sie eine 45-Stunden-Betreuung wünschen, 38 Prozent haben einen Betreuungsbedarf von 35 Stunden, 21 Prozent von 25 Stunden (auf diese Vormittagsplätze entfallen aktuell 16 Prozent).

Ich halte die Ergebnisse für nah dran an dem, was wir machen.
Marc Adomat, Jugenddezernent

Der Schluss der Stadtverwaltung daraus: „Wir müssen bestrebt sein, die 45-Stunden -Plätze zugunsten von 35-Stunden-Plätzen zu reduzieren“, sagt Jarosch. Allerdings wurden Eltern in der Umfrage nur nach dem Betreuungsbedarf gefragt, nicht nach der Zeit. 35-Stunden-Plätze werden immer von 7.30 bis 14.30 Uhr vergeben. Wer sein Kind später abholen will, braucht einen 45-Stunden-Platz.

Welche Auswirkung haben diese Ergebnisse nun auf die aktuelle Platzvergaben? Keine. „Ich halte die Ergebnisse für nah dran an dem, was wir machen“, sagt Dezernent Marc Adomat. Immerhin seien 70 Prozent der Eltern mit dem vertraglich vereinbarten Betreuungsumfang zufrieden. Er hätte sich die Ergebnisse auch früher gewünscht, Datenschutzprobleme hätten das verhindert. „Das nächste Mal müssen wir das früher auf den Weg bringen“, sagt Adomat.

Der Stadtelternrat begrüßt die Umfrage, die Vertretung aller Kita-Eltern hatte diese gefordert und selbst eine vorgenommen, nachdem die Stadt lange gezögert hatte. Der Zeitpunkt allerdings sei der falsche gewesen, dass Eltern nun noch länger auf eine Zu- oder Absage aus der Kita warten mussten, erhöhe den Stress in den ohnehin belasteten Familien.

Die Verzögerung sei besonders unnötig gewesen, da nun doch keine Änderungen mehr vorgenommen wurden. Das allerdings begrüßen die Elternvertreter. „Die Umfrage war zu ungenau, jetzt plötzlich 45-Stunden-Plätze in 35-Stunden umzuwandeln, wäre nicht gut gewesen“, sagen Vertreterinnen im Kinder- und Jugendhilfeausschuss. Ihre Befragung hatte ergeben, dass die Betreuungszeiten flexibler werden müssten, damit mehr Eltern sich auf einen geringeren Betreuungsumfang einlassen könnten.


Der Stadtelternrat kritisiert die Stadt für ihren Umgang mit baufälligen Kitas. Der Elternbeirat der Kita Scharnhorststraße habe einen offenen Brief an Oberbürgermeister Uwe Richrath geschrieben, in dem wegen des anhaltenden Gestanks Luftmessungen und Schimmelprüfungen gefordert wurden. Die Luftmessung sei erst einen Monat später erfolgt und die Kita daraufhin dauerhaft geschlossen worden.

„Bis heute liegen keine detaillierten Messergebnisse vor, die Stadtverwaltung versichert lediglich, dass ‚keine Gesundheitsgefahr bestehe‘“, beklagt der Stadtelternrat. Zwar wurden die Kinder kurzfristig auf andere Einrichtungen verteilt, jedoch ohne Wahlmöglichkeit für die Eltern. Der Stadtelternrat fordert, dass die Stadt sich frühzeitig um baufällige Kitas kümmert und nicht erst handelt, wenn es bereits zu spät ist.