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GeldautomatenSo reagiert die Sparkasse Leverkusen auf 1200 Protestnoten aus Steinbüchel

Lesezeit 3 Minuten
Markus Grawe, Vorstand der Sparkasse Leverkusen, steht neben einem großen roten Sparschwein.

Markus Grawe, Vorstand der Sparkasse Leverkusen, hat 1200 Protestbriefe aus Steinbüchel erhalten. 

Der Kunde Axel Pankow hat sich an die Spitze der Bewegung gesetzt. Und verbucht einen Teilerfolg.

Nicht nur in der Waldsiedlung regt sich Widerstand gegen den Plan der Sparkasse, den Automaten-Standort zu schließen. Auch in Steinbüchel schlagen die Wellen hoch, nachdem bekannt geworden war, dass der Vorstand die Automaten-Filiale an der Carl-von-Ossietzky-Straße aufgeben will. Genau wie in Hitdorf, wo es allerdings eine Alternative geben soll.

Axel Pankow koordiniert den Widerstand in Steinbüchel. Er hat einen kurzen Brief an Vorstandschef Markus Grawe entworfen, den Kunden unterschreiben sollen. Darin wird gebeten, in Steinbüchel einen neuen Standort zu suchen, um nicht für jedes Bankgeschäft nach Schlebusch fahren zu müssen. Die Formulare liegen nicht nur im Automaten-Raum der Sparkasse aus, sondern auch im Schreibwarengeschäft von Martin Autor nebenan und in der Apotheke.

Ergebnis: rund 1200 Unterschriften gegen die Schließung; „Ich kam mit dem Nachlegen der Formulare gar nicht mehr nach“, sagt Pankow am Mittwoch. Praktisch: Man musste nur unterschreiben und konnte die Protestnote gleich in den Sparkassen-Briefkasten werfen. „Der war regelmäßig rappelvoll“, erinnert er sich. Viel habe auch das Engagement im Schreibwarenladen gebracht, so Pankow. Allein dort seien um die 700 Briefe unterschrieben worden.

Leverkusen: Immer viel Betrieb in Steinbüchel

Wobei ihn das nicht wundert: „Im Standort Steinbüchel ist laufend sehr viel Betrieb und man muss oft warten, weil es dort nur einen einzigen Automaten gibt, an dem man Überweisungen tätigen kann“, hat er beobachtet. Dass die SB-Filialen weniger benutzt werden, wie es bei der Sparkasse heißt, kann sich Pankow nicht vorstellen. 

In einem persönlichen Brief an Grawe äußert der Steinbücheler zudem grundsätzliche Bedenken. Dass die Sparkasse mit dem Automaten-Rückzug das bargeldlose Zahlen allgemein fördert, hält er für fragwürdig. Bargeldlos zahlen bedeute: „Jede Eiskugel mit der Karte und vollkommen den Überblick über die eigenen Finanzen verlieren. Zunehmende Privatinsolvenzen und zunehmend junge Menschen, die, vollkommen über ihre Verhältnisse lebend, glauben, dass sie im Schlaraffenland leben.“ Eine gefährliche Entwicklung sei das, sagt Pankow.

Fragwürdige Argumente der Sparkasse Leverkusen

Das Hauptargument der Sparkasse hält er auch nicht für schlüssig. Als sie vor sechs Wochen die Schließung der drei Automaten-Filialen ankündigte, führte sie Empfehlungen der Polizei ins Feld: Werde ein Automat gesprengt, gefährde das die Nachbarn. Deshalb sollten Geldautomaten nicht in Wohngebäuden stehen. Dem hält Pankow entgegen, dass es längst sprengsichere Selbstbedienungsterminals gebe. Offenbar scheue die Sparkasse Leverkusen nur den Aufwand, solche anzuschaffen. Lieber hänge man einen großen Stadtteil wie Steinbüchel komplett ab. 

Für ihn werfe das eine grundsätzliche Frage auf: Warum überhaupt noch Kunde sein? „Ich bin ganz bewusst immer bei der Sparkasse geblieben aus den folgenden Gründen: ein dichtes Filialnetz und ein korrekter persönlicher Service, wo man sich als Kunde sehr gut aufgehoben fühlte.“ Mindestens der erste Punkt falle nun weg. Reine Online-Banken böten denselben miesen Service, „nur billiger“ als die Sparkasse Leverkusen. 

Der Vorstandschef habe inzwischen reagiert, berichtet Pankow: Man habe sich in einem persönlichen Gespräch ausgetauscht. Ein Zwischenergebnis sei: Die Sparkasse sieht sich auch in Steinbüchel nach einem anderen Standort für ihre Automaten um, der den gestiegenen Sicherheitsanforderungen genügt.

Das bestätigte Unternehmenssprecher Dierk Hedwig auf Anfrage. Ob die Suche aber erfolgreich ist und die Präsenz der Sparkasse in Steinbüchel gesichert werden kann, sei keineswegs gewiss. Bis jetzt können Axel Pankow und die wehrhafte Kundschaft also nur einen Teilerfolg verbuchen.