Seit Juni 2022 ist die S-Bahn-Strecke in Leverkusen und Langenfeld gesperrt. Im August sollen die Züge dort wieder verkehren.
Halbzeit der SperrungSo weit sind die Arbeiten auf der RRX-Baustelle in Leverkusen
Es ist die Halbzeit für die Phase der 14 Monate dauernden Vollsperrung der S-Bahn-Strecke Köln-Düsseldorf im Bereich Leverkusen und Langenfeld. Wo bisher in einigen Abschnitten nur ein Gleis für den S-Bahn-Verkehr in beide Richtungen zur Verfügung stand, sollen von August an zwei Gleise durchgängig befahrbar sein – rechtzeitig vor der Handball-Europameisterschaft im Januar 2024.
„Wir sind im Zeit- wie im Kostenplan“, versichert Projektleiter Artur Wiatowski, der für diesen Bauabschnitt des Rhein-Ruhr-Expresses verantwortlich zeichnet, der in Zukunft einmal einen Regionalbahn-Verkehr im 15-Minuten-Takt von Köln über Düsseldorf, Duisburg und Essen bis Dortmund ermöglichen soll. 185 Millionen Euro verbaut die Deutsche Bahn allein im derzeitigen Bauabschnitt Leverkusen und Langenfeld.
Für Bahnreisende in Leverkusen macht sich ein gewisser Baufortschritt seit Freitag positiv bemerkbar. An dem Tag wurde der inzwischen verlängerte Fußgängertunnel an der Stelle des abgerissenen Bahnhofsgebäudes mit einem provisorischen Holzdach wieder geöffnet – was einen Zehn-Minuten-Umweg zu Fuß über die Ypsilon-Brücke in Richtung Forum zu dem Bahngleis-Zugang an der Unterführung zum Stadtpark hin erspart.
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Im Bahnhofsbereich bleibt weiter viel zu tun. Drei Aufzüge, die einen barrierefreien Zugang zu den Bahnsteigen ermöglichen, eine Überdachung der Treppe, die an die der Bahnsteige angepasst ist, neue Handläufe und eine Fassadengestaltung im Tunnel stehen noch aus. Wie so viele Arbeiten, die in den kommenden Wochen eng gebündelt gleichzeitig erfolgen müssen, damit die S-Bahn bald wieder fahren kann – dann auch über das neue vierte Gleis und möglichst verlässlich.
Die Arbeiten in Leverkusen und Langenfeld laufen im Akkord, vieles auch an den Wochenenden und nachts, um die Verkehrsbeeinträchtigungen möglichst gering zu halten. Sechs Kilometer Gleis sind in Leverkusen bereits erneuert, 18.000 Tonnen Schotter ausgetauscht, 14 Kilometer Oberleitung zurückgebaut worden, 25 Kilometer Oberleitungen werden noch neu gebaut. Fünf Fußgängerunterführungen und drei Brücken müssen neu gebaut werden, Schallschutzwände gebaut oder erneuert werden.
Alleine im Abschnitt Leverkusen müssen rund 9000 Betonschwellen, die mit einem Lärm-dämmenden Unterbau versehen sind, neu verlegt werden. Dazu hat die Deutsche Bahn einen speziellen Gleisumbauzug im Einsatz, einen Donelli-Portalkran, der 700 Schwellen am Tag verlegen kann, während in konventioneller Verlegung maximal 220 Schwellen in der gleichen Zeit zu schaffen wären.
Das derart zeitsparende Gerät wollen die Verantwortlichen der Bahn der Presse vorführen, die sie zu einem „Bergfest“ zur Halbzeit der Vollsperrung eingeladen hat. Doch als Journalistinnen, Kameraleute und Fotografen auf dem Bahnsteig am Einsatzort eintreffen, hat die Spezialmaschine eine technische Panne; eine Kette ist gerissen. Es wird nichts mit der Vorführung an diesem Tag.
Dennoch soll es möglichst rasch weitergehen. „Wir holen hier jeden Tag raus, um die Sperrungen möglichst kurzzuhalten“, erläutert Artur Wiatowski. Anfang Februar werde es noch einmal zu einer kurzfristigen Sperrung der Rathenaustraße kommen, wenn die inzwischen gefertigte Brückenkonstruktion auf ihr Lager eingeschoben werde. Dann aber seien die Arbeiten trotz bleibender Intensität womöglich etwas weniger auffällig, so Bauingenieur Rainer Stracke. Dann würden die Oberleitungen gebaut und Signalanlagen getestet.
Ab August soll die S 6 dann wieder ihren geregelten Betrieb aufnehmen und in Wiesdorf halten. „Dann hoffentlich auch pünktlicher“, stellt Projektleiter Wiatowski in Aussicht.