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ZwischenbilanzE-Carsharing in Bad Honnef wird sehr gut angenommen

Lesezeit 3 Minuten
Zwei weiße Pkw mit der Aufschrift E-Carsharing vor einer Ladestation.

Vier Carsharing-Fahrzeuge gibt es bisher in Bad Honnef. Zwei weitere sollen kommen.

Knapp zwei Jahre nach dem Start ziehen die Stadt Bad Honnef und die Bürgergenossenschaft eine positive Bilanz des E-Carsharings.

Die Bad Honneferin Kerstin Shirani und ihre Familie haben ihr Zweitauto abschaffen können. Das war zwar ohnehin ein wenig „altersschwach“ geworden, berichtet Shirani. Entscheidend aber war etwas anderes: Dank der Einführung des E-Carsharing-Angebots in Bad Honnef gab es eine Alternative. „Wir haben es in den Lebensalltag eingebaut“, berichtet Kerstin Shirani über die Nutzung der elektrischen Leihfahrzeuge.

Sie und ihr Mann könnten versetzt im Homeoffice arbeiten, jeweils einer buche für die Fahrt zur Arbeit eines der insgesamt vier E-Fahrzeuge. Die werden seit Mitte 2023 von der Bürgergenossenschaft „Car&RideSharing Community“ in Kooperation mit der Stadt Bad Honnef und der städtischen Bad Honnef AG bereitgestellt.

Für 70 Euro im Monat kann man einen privaten Pkw nicht finanzieren

Rund 70 Euro, schätzt Kerstin Shirani, fallen dafür im Monat an Kosten an. Ein Betrag, für den man unmöglich einen eigenen Wagen betreiben und finanzieren kann. Und sei er noch so klein. Liselotte Cascasi und ihre Familie kommen auf rund 100 Euro im Monat. Sie fährt mit den E-Fahrzeugen jede Woche zum Einkaufen und besucht ab und an ihre Tochter in St. Katharinen. „Das ist sehr praktisch“, sagt Cascasi.

„Überraschend gut“ werde das E-Carsharing-Angebot in Bad Honnef angenommen, bilanzierte dieser Tage Gerd Baumeister, Vorstand von „Carsharing2go“. Insgesamt gebe es zurzeit 35 Nutzerinnen und Nutzer. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2023 wurden insgesamt 4760 Kilometer mit den Fahrzeugen zurückgelegt (680 Kilometer im Monat). In den zwölf Monaten des Jahres 2024 waren es 10.800 Kilometer (900 im Monat). Und in den ersten zwei Monaten 2025 schon 5400 Kilometer (2600 im Monat).

„Atemberaubend“ findet diese Entwicklung Bad Honnefs Bürgermeister Otto Neuhoff. Für ihn ist das E-Carsharing-Angebot ein Teil des Weges, um wegzukommen von der „autozentrierten Stadt“. Bekanntlich setzen Rat und Verwaltung dabei unter anderem auch auf die Förderung des Fahrradverkehrs.

Das Projekt lebt allerdings auch davon, dass die Genossenschaft kein Geld verdienen will und muss, sondern „nur“ kostendeckend arbeiten will. Das wiederum ist nur möglich, weil Ehrenamtler wie Stefan Kratz mitarbeiten. Er ist „Standortpate“ und kümmert sich unter anderem um die Einweisung neuer Nutzer. Insgesamt gibt es 18 Paten.

Angebot mit E-Carsharing in Bad Honnef musste sich erst herumsprechen

„Anfangs war es zäh“, sagt Stefan Kratz über die Entwicklung der Nachfrage. „Es musste sich erst herumsprechen.“ So ist beispielsweise auch Kerstin Shirani zufällig über einen Nachbarn auf das Angebot aufmerksam geworden.

„Wir haben bewusst klein angefangen“, betont Kersten Kerl, Vorstand der BHAG. Nach Bedarf solle das Angebot erweitert werden. Dank des E-Carsharings haben laut Neuhoff und Kerl die Stadt und ihr Energieversorger den eigenen Fuhrpark verringern können.

Vier Carsharing-Fahrzeuge (darunter zwei Kombis) an zwei Standorten (Rathaus und BHAG-Zentrale im Lohfeld) gibt es zurzeit. Laut Bürgermeister Otto Neuhoff überlegt die Stadt aber, nahe des Ziepchensplatzes in Rhöndorf einen weiteren Standort (wieder mit zwei Fahrzeugen) einzurichten.

Mit dem Bau der Quartiersgarage an der Rommersdorfer Straße und dem Neubau des Bahnhofs nahe der Endhaltestelle der Linie 66 kämen weitere hinzu. Die Zeiten, in denen man spontan ein Fahrzeug buchen und losfahren konnte, sind laut Stefan Kratz wegen der gestiegenen Nachfrage inzwischen vorbei. „Aber wer zeitlich flexibel ist, findet immer was. Außerdem sind wiederkehrende Buchungen möglich.“


Königswinter ist noch nicht so weit

Die Nachbarstadt Königswinter ist beim Carsharing noch nicht so weit wie Bad Honnef. Auf ein Interessenbekundungsverfahren im August vorigen Jahres hatte sich kein Unternehmen gemeldet. In der Drachenfelsstadt ging es allerdings um Verbrennerfahrzeuge, zunächst nicht um E-Mobile.

Eine von drei Projektwerkstätten, die sich im Rahmen des Klimaschutz-Vorreiterkonzeptes gebildet haben, trägt den Titel „Carsharing vor Ort – Gemeinsam Mobilität denken“. Sie tagt am Mittwoch, 26. März, um 17 Uhr im Klimabüro (Dollendorfer Straße 44). Laut Stadtverwaltung geht es um Umsetzungsideen für ein bürgernahes Carsharing-Angebot. Auch eine Bedarfsanalyse und die Organisation des Projekts sind Themen. (csc)