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Nach BrandseriePolizei sucht in Hennef nach einem Täter auf einem Fahrrad

Lesezeit 4 Minuten
Ein Mann steht vor einem von Feuer völlig zestörten Wohnwagen.

Thomas Lorek vor seinem ausgebrannten Wohnwagen, der Auf dem Liemerich steht. Auf den Entsorgungskosten wird er wohl sitzen bleiben.

Es ist bei Sachschäden geblieben, die der Brandstifter in der Nacht auf Dienstag hinterließ. Die Polizei will Videoaufnahmen entlang seiner Route auswerten.

Am Tag nach der Brandserie in Hennef veröffentlicht die Polizei einen Zeugenaufruf: Sie sucht nach einem Einzeltäter auf einem Fahrrad. Der Unbekannte hatte in der Nacht auf Dienstag in weniger als einer Stunde sechs Feuer gelegt.

Alle Brandorte liegen in Hennef nah beeinander

Nur durch Zufall, teilt die Polizei am Mittwoch mit, habe sich der erste Brand in der Mittelstraße gegen 2.20 Uhr nicht auf das Wohnhaus ausgebreitet. Dies hätte möglicherweise zur Folge gehabt, dass Menschen hätten verletzt werden können. Der Täter habe außerdem versucht, ein Wohnmobil Auf dem Blocksberg anzuzünden, was ihm nicht gelang. Der Tatort liegt nur wenige hundert Meter von der Stelle entfernt, wo der Wohnwagen in Flammen stand. Zudem hatte er bereits gegen 0.45 Uhr einen Papiercontainer auf dem Aldi-Parkplatz an der Oberen Siegstraße angezündet.

Alle Brandorte liegen nah beieinander in Hennef-Mitte, der Warth, Edgoven, Geisbach und Weldergoven. Die Route des Täters ist für die Polizei genauestens nachvollziehbar, zumal er weitere Sachbeschädigungen beging: An mindestens neun Fahrzeugen wurden die Heckscheiben eingeschlagen. Während er in Richtung „Im Siegbogen“ lief oder fuhr, warf er noch einen Metallpfosten von einer Brücke auf die A560. Insgesamt zählte die Polizei mehr als 20 einzelne Taten.

Hennefer Polizei entließ randalierenden Mann aus dem Gewahrsam

Die Spur der Verwüstung führt in Richtung Stein, wo die Polizei noch in der Brandnacht einen polizeibekannten Mann in Gewahrsam genommen hatte. Allerdings nur, weil er bei der Kontrolle Gegenstände auf die Beamtinnen und Beamten geworfen hatte, betont Stefan Birk, Sprecher der Polizei im Rhein-Sieg-Kreis. „Da er nur zur Gefahrenabwehr mitgenommen wurde und es aktuell keine Hinweise darauf gibt, dass er der Brandstifter ist, mussten wir ihn wieder auf freien Fuß setzen.“

Die Polizei setze zusätzliches Personal ein, um die Brandermittler zu unterstützen. Gesucht wird ein Einzeltäter auf einem Fahrrad, möglicherweise einem Mountainbike. „Dazu werten wir auch Videoaufnahmen entlang der Route des Täters aus“, so Birk.

Wir ermitteln auf Hochtouren, damit nicht noch Schlimmeres passiert
Stefan Birk, Polizeisprecher

Die Ermittler bitten Anwohnerinnen und Anwohner, die eine Überwachungskamera besitzen, ihr die Aufnahmen aus der Zeit zwischen 0.30 Uhr und 3.30 Uhr am Dienstag zur Verfügung zu stellen. Auch das Klirren von Scheiben und andere verdächtige Wahrnehmungen könnten interessant sein. „Wir ermitteln auf Hochtouren, damit nicht noch Schlimmeres passiert – bisher ist glücklicherweise niemand verletzt worden“, sagt Birk. Hinweise nimmt die Polizei unter 02241/541-3521 entgegen.

In der Stadt ist am Abend nach den Bränden wieder Ruhe eingekehrt. Die Besitzerinnen und Besitzer der ausgebrannten Fahrzeuge haben sich von dem Schreck erholt. Vorsichtig wühlt Thomas Lorek im Brandschutt seines Wohnwagens. Er sucht nach etwas Brauchbarem, doch das Feuer hat die Einrichtung komplett zerstört. „Der Wagen ist von Baujahr 1980. Wir wollten noch ein letztes Mal in den Urlaub damit, sind uns aber gar nicht sicher, ob er nochmal durch den TÜV gekommen wäre.“

Mit dem Wohnwagen seien er und seine Frau schon bis nach Valencia und die italienische Amalfiküste gefahren. Die Abschiedsfahrt falle nun aus. „Es gibt aber Schlimmeres in Anbetracht dessen, was in der Welt los ist“, sagt Lorek. Von dem Feuerwehreinsatz habe er erst etwas mitbekommen, als der Wohnwagen schon gelöscht war.

Brandspuren an einem Zaun, dahinter eine bizarr geschmolzene Kinderrutsche.

An der Edgovener Straße brannten ein Kabelverzweiger, eine Mülltonne und ein Gartenzaun. Das Feuer legte Telefon und WLAN bei einigen Anwohnern lahm.

„Es ist erschütternd, dass so etwas in einer Wohngegend passiert. Es hätten ja auch Autos brennen können.“ Er wolle seinen Rechtsberater und die Versicherung kontaktieren. Doch auf den Kosten für die Entsorgung werde er wohl sitzen bleiben.

Vor den Resten des Schaltkastens an der Edgovener Straße steht Bernd Wolff – der nun weiß, wieso er kein Internet und kein Telefon zu Hause hat. „Ich wohne ein paar Häuser die Straße hoch und wollte heute Homeoffice machen, das ging aber nicht, weil alles ausgefallen war. Wenn ich mir den Schrank so ansehe, ist das auch kein Wunder“, sagt er. Der Kabelverzweiger, auf dessen Tür einmal jemand ein Schaf gemalt hatte, ist komplett ausgebrannt. Primär hatte wohl eine Papiertonne gebrannt, Reste des Inhalts und des Reifens liegen in der Asche.

„Wie kann hier einer rumlaufen und alles anzünden? Es ist unglaublich“, sagt Bernd Wolff noch, ehe er in sein analoges Zuhause zurückgeht. Das Feuer hatte auch auf den Holzzaun und einen dahinterstehenden Gartenstuhl übergegriffen. Die Rutsche des Klettergerüsts ist geschmolzen. Die Bewohner sind nicht daheim. Scheinbar hatte die Polizei auch kein Glück – eine Visitenkarte eines Kriminaloberkommissars der Hennefer Polizeiwache liegt in einem Blumengesteck.