AboAbonnieren

Von Azmoun bis TahWer Bayer 04 in diesem Sommer noch verlassen könnte

Lesezeit 4 Minuten
Einer der Abgangskandidaten bei Bayer 04: Jonathan Tah - hier während der EM.

Einer der Abgangskandidaten bei Bayer 04: Jonathan Tah - hier während der EM.

Bayer 04 Leverkusen hat drei Spieler für viel Geld verpflichtet. Auf der Einnahmeseite sieht es noch mau aus. Das könnte sich bald ändern.

Drei Neue sind in diesem Sommer bereits zu Doublesieger Bayer 04 Leverkusen dazugestoßen. Jeannuel Belocian (19), Aleix Garcia (27) und Martin Terrier (27). Für die Zugänge legte der Meister und Pokalsieger der abgelaufenen Saison rund 40 Millionen Euro auf den Tisch. Auf der Abgangs- und Einnahmeseite sieht es hingegen bisher sehr mau aus.

Die Leihspieler Josip Stanisic (FC Bayern München) und Borja Iglesias (Real Betis Sevilla) sind zu ihren Stammvereinen zurückgekehrt. Der Vertrag von Timothy Fosu-Mensah, der ohnehin keine Rolle mehr unter Trainer Xabi Alonso gespielt hatte, ist ausgelaufen. Einzig für Patrick Pentz, der bei der Europameisterschaft für Österreich das Tor gehütet hatte, kassierte Bayer 04 rund 2,5 Millionen Euro Ablöse von Bröndby Kopenhagen, an das der 27-Jährige in der vergangenen Saison bereits ausgeliehen war.

Im April hatte Fernando Carro, der Vorsitzende der Geschäftsführung bei Bayer 04, gesagt: „Wir sind ein Verein, der jedes Jahr einen großen Verkauf tätigen muss, um die Neuverpflichtungen zu refinanzieren. Wir werden wahrscheinlich einen großen Verkauf tätigen. Und damit werden wir zwei oder drei Neuverpflichtungen bezahlen.“ Bisher ist nichts passiert. Allerdings gibt es noch ein paar Kandidaten für die Leverkusen gerne eine Ablöse kassieren würde:

Sardar Azmoun(geschätzter Marktwert: 8 Millionen Euro)

Der Iraner hat noch einen Vertrag bis 2027 in Leverkusen, war im Winter 2022 für 2,5 Millionen Euro aus Sankt Petersburg gekommen. Bayer hat keine Verwendung mehr für den Stürmer, der in der vergangenen Spielzeit an die AS Rom nach Italien ausgeliehen war. Dass Azmoun ebenfalls kein gesteigertes Interesse mehr daran hat, in Leverkusen zu bleiben, machte er deutlich, als er zum Trainingsstart unentschuldigt fehlte. Seither darf er nicht mehr mit der Mannschaft trainieren, sondern trainiert „individuell nach einem persönlichen Trainings- und Aufbauplan“, wie es vom Verein heißt. Der FC Sevilla soll Interesse an einer Verpflichtung haben - allerdings nur auf Leihbasis mit Kaufoption. Sportgeschäftsführer Simon Rolfes will Azmoun aber am liebsten sofort verkaufen, oder zumindest einen Leihvertrag mit Kaufverpflichtung abschließen.

Jeremie Frimpong, Xabi Alonso und Sardar Azmoun

Jeremie Frimpong, Xabi Alonso und Sardar Azmoun

Jeremie Frimpong(50 Millionen Euro)

Der Niederländer wurde immer wieder bei den ganz großen Klubs in England und Spanien gehandelt. Deshalb mussten die Leverkusener Verantwortlichen davon ausgehen, dass Frimpong den Verein im Sommer verlassen würde - schließlich gab es eine festgeschriebene Ausstiegsklausel im Vertrag. Die Klausel, mit der ein Klub den schnellen Schienenspieler für rund 40 Millionen Euro aus seinem Vertrag bis 2028 hätte herauskaufen können, ist allerdings mittlerweile abgelaufen. Heißt: Bayer hat das Heft des Handelns komplett in der Hand. Dass nun ein großer Verein kommt und mehr als die 40 Millionen Euro zahlt, scheint ausgeschlossen. Einzig Verletzungen bei Topklubs könnten den Stein noch einmal ins Rollen bringen. Ansonsten sieht es danach aus, als würde Frimpong den Leverkusenern mindestens noch eine Saison erhalten bleiben.

Piero Hincapié(40 Millionen Euro)

Dem Vernehmen nach wäre Bayer 04 nicht abgeneigt, den Ecuadorianer gehen zu lassen, sollte ein vernünftiges Angebot eintrudeln. Durch Alejandro Grimaldo, die Verpflichtung von Belocian und den Quasi-Zugang Arthur (der die vergangene Saison nahezu komplett ausgefallen war), ist die Werkself in der Dreierkette und auf der Linksverteidigerposition gut aufgestellt. Hincapié könnte somit das Geld in die Kasse spülen, das Bayer 04 durch einen Transfer erwirtschaften muss.

Adam Hlozek(12 Millionen Euro)

Mit vielen Vorschusslorbeeren war der Tscheche 2022 für rund 13 Millionen Euro von Sparta Prag zu Bayer 04 gekommen. Seine Klasse wies er allerdings zu selten nach. Zwei Jahre später hat die Werkself keine Geduld mehr mit dem 21-Jährigen. Er kann gehen, sollte sich ein zahlungskräftiger Klub melden. Das Problem: Auch bei der Europameisterschaft betrieb Hlozek keine Eigenwerbung, es gibt kaum Interessenten. Auch bei ihm sind Leihgeschäfte mit Kaufoption oder -verpflichtung im Gespräch.

Jonathan Tah(30 Millionen Euro)

Die Situation ist weiter klar: Der deutsche Nationalspieler hat seinen Wunsch hinterlegt, zum FC Bayern wechseln zu wollen. Dort soll ein unterschriftsreifer Fünfjahresvertrag auf den 28-Jährigen warten. Die beiden Verhandler, Simon Rolfes und Max Eberl, sind sich aber noch nicht einig geworden. Die Lücke zwischen kolportierten 35 geforderten und 20 gebotenen Millionen Euro ist weiter zu groß. Nun heißt es, dass man in München auch nicht mehr zu 100 Prozent von Tah überzeugt sei - zumindest nicht für den aufgerufenen Preis. Es scheint also nicht ausgeschlossen, dass Tah doch in Leverkusen bleiben wird. Dann würde Leverkusen weiter eine Vertragsverlängerung anstreben, um Tah nicht im kommenden Sommer ablösefrei zu verlieren. Gibt es bis Sonntag keine Blitzeinigung, wird Tah mit Bayer 04 ins Trainingslager nach Donaueschingen reisen.