Die Mutter eines siebenjährigen Sohnes überlebte im April eine brutale Messerattacke nicht. Das Opfer hatte den vorbestraften Täter zuvor im Internet kennengelernt.
Im Internet kennengelerntMann tötet junge Mutter in Köln – Mord und Vergewaltigung angeklagt

Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Gunnar Borchardt beim Prozessauftakt wegen Mordes und Vergewaltigung im Kölner Landgericht.
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Mit sechs Messerstichen hat ein Kölner im April die Mutter eines siebenjährigen Sohnes im Stadtteil Lind getötet. Sein Opfer, das er über ein Datingportal im Internet kennengelernt hatte, soll der Mann vor der Tat vergewaltigt haben. Die Staatsanwaltschaft geht von Mord aus. Beim Prozessauftakt im Landgericht am Donnerstag legte der 40-jährige Angeklagte nur ein Teilgeständnis ab.
Köln: Tötung gestanden, Vergewaltigung abgestritten
Es sei in der Wohnung des Opfers zu einvernehmlichem Sex gekommen, ließ der Angeklagte in Saal 27 des Kölner Gerichtsgebäudes über seinen Verteidiger Gunnar Borchardt mitteilen. Dann habe die Frau dem Mandanten eröffnet, ihm fremdgegangen zu sein. „Ich wurde immer zorniger, verlor völlig die Kontrolle“, zitierte der Anwalt den Täter, „und ich spürte den Drang, ihr Schmerzen zuzufügen.“
Er habe die Frau, deren Sohn sich zu diesem Zeitpunkt bei der Oma befand, gewürgt, dann in der Küche zu einem Messer gegriffen und zugestochen. Damit gab der Mann die Tötung der Frau zu, allerdings im Sinne eines Totschlags. Die Staatsanwaltschaft hingegen sieht das Mordmerkmal der Verdeckung einer Straftat, hier die Vergewaltigung, als gegeben an. Dann droht in jedem Fall lebenslänglich Gefängnis.
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Kölner Richter zeigt Tatmesser im Gerichtssaal
Als erstaunlich bewertete der Vorsitzende Richter Peter Koerfers die Aussage des Angeklagten, er habe seine Freundin überhaupt nicht töten wollen. Koerfers präsentierte im Saal das Tatmesser mit einer Klingenlänge von 25 Zentimetern. Von mehreren wuchtigen Stichen in den Brustbereich und den Rücken der Frau berichtet die Anklageschrift. „Wie soll das gutgehen?“, fragte der Richter.

Der Richter präsentierte im Gerichtssaal dieses Messer als Tatwaffe.
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Richter Koerfers zog weitere Aussagen des Täters in Zweifel. So soll das Opfer im Vorfeld der Tat geäußert haben, sich endgültig trennen zu wollen. „Kein Job, keine Wohnung, eifersüchtig“, so habe die 30-Jährige laut Richter über den Angeklagten gesprochen. Und nach Aktenlage spreche nichts dafür, dass das Opfer zwischenzeitlich sexuellen Kontakt zu einem anderen Mann gehabt habe.
Gegen den Angeklagten spricht auch eine SMS, die er nach der Tat an seine Ex-Frau gesendet haben soll. „Die hat mit mir Schluss gemacht, die Bitch“, lautete die Nachricht. Das habe er anders gemeint, sagte der Mann, der wegen Gewaltdelikten an Frauen bereits vorbestraft ist. Am Tag nach der Tat hatte der Mann sich selbst bei der Polizei gestellt. Der Prozess wird fortgesetzt.