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„Eine große Herausforderung“Angelo Roubas haucht Kölner Kegelbahn neues Leben ein

Lesezeit 3 Minuten
Angelo Roubas (28) ist der neue Pächter der 60 Jahre alten Traditionskneipe „Goldener Kegel" neben dem Brauhaus Stüsser im Agnesviertel

Angelo Roubas (28) ist der neue Pächter der 60 Jahre alten Traditionskneipe „Goldener Kegel" neben dem Brauhaus Stüsser im Agnesviertel. 

Der 28-Jährige betreibt die traditionsreiche Kneipe „Goldener Kegel“ im Agnesviertel und bietet dort Kegeln, Craftbeer und FC-Übertragungen an.

Sein Kapital liegt unter der Erde; und zwar nicht in Gestalt von Goldbarren oder Kunstschätzen, sondern in Form zweier Bahnen von knapp 20 Metern Länge. Dass die Räumlichkeit, die man über 14 hinab führende Treppenstufen erreicht, eine derartige Anziehungskraft haben würden, hat selbst den Mann überrascht, der seit kurzen den Zapfhahn im „Goldenen Kegel“ bedient.

Junge Leute kegeln wieder gern

„Kegeln ist wieder total in geworden“, sagt Angelo Roubas. Etwa 90 Prozent der Reservierungen kämen von Leuten seines Alters und jünger, erzählt der neue Wirt im Agnesviertel, dem der neue Trend natürlich sehr entgegenkommt. Denn in vielen Kölner Gastronomie-Betrieben wie etwa im ehemaligen Kurfürst (heute Sakura), in der Bar Konstantin in Sülz liegt die Kegelbahn im Keller teilweise auch wegen verschärfter Brandschutzbestimmungen seit Jahren brach.

Der 28 Jahre alte Roubas hat indessen das Glück, dass er nicht nur eine traditionsreiche Kneipe, sondern gleich zwei Bundeskegelbahnen übernehmen konnte, die er nun für 15 Euro pro Stunde seinen Gästen überlässt.

Alte Gaststätte, frischer Look

„Es war eine sehr große Herausforderung“, sagt der junge Wirt mit Blick auf die Renovierungsarbeiten in der 60 Jahre alten Kneipe. Aber er hat den Spagat geschafft, das alte Inventar zumindest rudimentär zu belassen und der Gaststätte dennoch einen frischen Look zu verpassen. Die türkisfarbene Wandgestaltung in Kombination mit den Schwarz-Weiß-Fotos von Leinwandgrößen wie Robert de Niro, Clint Eastwood, Anthony Hopkins oder Nicolas Cage sind auch ein Hinweis darauf, dass der kölsche Flair nicht Überhand nehmen soll.

Eine absolute Rarität: gleich zwei Bundeskegelbahnen im Untergeschoss

Eine absolute Rarität: gleich zwei Bundeskegelbahnen im Untergeschoss

Klar sprudelt Kölsch aus dem Zapfhahn – das 0,2l-Glas Reissdorf kostet 2,10 Euro. Aber Roubas ist gerade dabei, die Theke so umbauen zu lassen, dass auch Craftbeer vom Fass fließt. Außerdem hat er eine kleine separate Karte, auf der zusätzlich zu den gängigen Spirituosen besondere Whiskys wie The Macallan (14,50 Euro) anbietet, die preislich etwas höher liegen. Was Speisen angeht, habe er aufgrund der fast direkten Nachbarschaft mit dem Brauhaus Stüsser eine Kooperation vereinbaren können, sodass Kegel-Gäste nicht hungern müssen. Kleinigkeiten wie Frikadellen versuche er demnächst selber beizusteuern.

Zu hören sind Soul, Jazz und Funk

Insgesamt fünf Fernseher und ein Beamer sorgen dafür, dass auch die FC-Fans auf ihre Kosten kommen. Allerdings ist die Musik im Goldenen Kegel eher vom Soul, Jazz und Funk und weniger von kölscher Musik inspiriert.

Angelo Roubas ist in Ehrenfeld geboren, aber im Alter von drei Jahren mit seinen Eltern in deren griechische Heimat gezogen. Eigentlich sollte das ein Schritt für immer sein, doch dann zwang die Schuldenkrise zu einer Planänderung, sodass Angelo im Alter von 17 Jahren kurz vor Abschluss der Schule wieder nach Deutschland zog.

Trotz anfänglicher sprachlicher Schwierigkeiten absolvierte er eine Ausbildung zum Hotelfachmann. Während der vergangenen zehn Jahre hat er beruflich vor allem die Nachtclub-Szene kennengelernt. Er hat im Privileg und Venue gearbeitet, fünf Jahre das Big Ben geleitet und ist froh, diese Szene verlassen zu haben. Mit dem Publikum auf den Ringen mache es keinen Spaß mehr, sagt der Gastronom, der sehr dankbar ist für die freundliche, offene und kommunikative Klientel im Agnesviertel.

Goldener Kegel, Balthasarstraße 53, Agnesviertel. Geöffnet täglich am 16 Uhr. Bei FC-Spielen samstags bereits ab 13 Uhr