Aus drei Jahren werden wohl 14 Jahre Pause für den Spielbetrieb am Offenbachplatz. Bei einem Termin auf der Baustelle gab es einen Überblick.
Erster EinblickSo sieht es in der neuen Kölner Oper aus

So sieht es im Foyer des Opernhauses aus.
Copyright: Alexander Schwaiger
Für ein sogenanntes Grab ist es ziemlich hell auf der Bühnen-Baustelle. Angesichts von mittlerweile 798,6 Millionen Euro reinen Baukosten ist immer wieder die Rede von einem Steuergeld-Grab, wenn es um Sanierung und Bau von Oper, Schauspiel, Kleinem Haus und Kinderoper geht. Auch der Steuerzahler-Bund moniert das Großbauprojekt regelmäßig.
Doch während eines Presse-Rundgangs auf der Baustelle am Offenbachplatz ist es im Inneren an vielen Stellen hell erleuchtet, unter anderem auf der Bühne von Oper und Schauspiel und in den Büros auf der achten Etage im Opernhaus.

Im Inneren der Bühnen-Baustelle
Copyright: Alexander Schwaiger
An anderen Stellen, etwa im Foyer, hantieren gerade die Trockenbauer, Bauzäune und Gerüste sind häufig zu sehen, Bohrgeräusche sind zu hören. Andere Bereiche wie Büros, Kostümzimmer oder Lagerräume sind nahezu picobello, selbst die Mikrowelle in der Teeküche ist schon eingefügt.
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Sitzbezüge im Opernsaal fehlen noch
Dass am Offenbachplatz Baustelle herrscht, zeigt sich gut im Opernsaal, dieser Spielstätte für 1300 Menschen, die seit 2012 a.D. ist, außer Dienst. Auf den Brettern, die für manchen Künstler möglicherweise später einmal die Welt bedeuten, steht ein Bauzaun.

Blick in den Opernsaal
Copyright: Matthias Hendorf
Die Sitze davor sind noch nicht bezogen, mit Kreide ist markiert, um welche Reihe und welchen Sitz es sich handelt. Teile des Zuschauerraums sind mit Folie überzogen, aus den Wänden hängen vereinzelt Kabel.
Zuletzt hatte die Stadt Köln über Jahre keine Journalisten auf die Baustelle gelassen, am Mittwoch führen die beiden Verantwortlichen, Baudezernent Markus Greitemann und Projektmanager Jürgen Marc Volm, durch Schauspiel und Oper.

Baudezernent Markus Greitemann (rechts) und der externe Projektmanager Jürgen Marc Volm
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Beide verbreiten Optimismus, sie wiederholen mehrfach, dass sie zuversichtlich sind, bis Ende 2025 die Gebäude fertig gebaut zu haben. Als die Sanierung 2012 begann, war 2015 als Ende angedacht (siehe Chronik). Daraus wurde nichts. Hält der Terminplan jetzt, hätte der Bau ein Jahrzehnt länger gedauert.
Chorsaal als Maschinenraum der Projektverantwortlichen
Damit der immer wieder verschobene Zeitplan dieses Mal tatsächlich bestehen bleibt, haben Volm und seine verantwortlichen Projektmanager den späteren Chorsaal umfunktioniert.

In diesem Raum werden später die Kostüme aufgehängt.
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An die Wände sind groß ausgedruckte Kalenderwochenpläne plakatiert, darüber steht der jeweilige der insgesamt elf Teilbereiche der Baustelle – und darunter etliche Notizzettel, was noch zu erledigen ist.
Für jede Firma gibt es eine andere Farbe, auf einem Zettel heißt es: „Remontage Ausgussarbeiten“. Mehr als tausend dieser Zettel hängen an den vier Wänden, laut Volm hilft die Methode, den Wald vor lauter Bäumen noch zu sehen – auf Laien kann sie genau den gegenteiligen Effekt haben.

Blick in den Opernsaal
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Doch Volm vertraut der Papier-Methode, um die Baustelle in den Griff zu bekommen. Er hatte im August kurz nach seinem Start am Offenbachplatz betont, vorher habe auf der Baustelle „der Überblick“ gefehlt. Am Mittwoch sagte er: „Es ist schon noch etwas zu tun.“
Im Opernhaus ist die Technikzentrale für die vier Häuser untergebracht, es ist zu 90 Prozent fertiggestellt, die anderen drei Häuser sind zu 85 Prozent fertig. Rund 300 Menschen arbeiten täglich auf der Baustelle, doch es braucht laut Volm weitere 20 bis 40, um das nötige Tempo aufzunehmen.

In diesem Raum tagen die Projektleiter und besprechen täglich, was gemacht werden muss.
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Auch die Probleme mit der Haustechnik wie etwa der Lüftung sind laut Volm behoben, sie hatten über die Jahre immer wieder für Verzögerungen gesorgt und 2015 zur Absage der Eröffnung geführt.
Aber die Kölner Bühnen-Sanierung, das wird auch am Mittwoch klar, ist weiter kein Ort für Gewissheiten – trotz aller Baufortschritte. Sanierung und Bau sollen zwar – nach 13,5 Jahren – bis Ende 2025 beendet sein, doch danach prüfen Fachleute das sogenannte Wirkprinzip der technischen Anlagen, also vereinfacht gesagt, ob das Zusammenspiel funktioniert.

Das sind die vielen Notizzettel. Sie zeigen, was noch zu tun ist.
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Greitemann und Volm rechnen mit vier bis sechs Monaten für diese Abnahmen. Demnach kann es schlimmstenfalls Ende Juni 2026 werden, bis Bau und Prüfung beendet sind. Eine reguläre Spielzeit von Oper und Schauspiel beginnt üblicherweise im September.
Das macht einen Puffer von zwei bis drei Monaten, inklusive der Sommerferien. Und vorher muss noch der Umzug aus den rechtsrheinischen Spielstätten von Oper (Staatenhaus) und Schauspiel (Depot) organisiert und vollzogen werden. Ein mindestens sportlicher Zeitplan.

Blick auf die Technik an einer Stelle im Gebäude
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Damit ist auch klar: Die „bauliche Fertigstellung“ bis Ende 2025, auf die die Stadt so oft abhebt, bedeutet noch nicht zwingend, dass Oper und Schauspiel zur Spielzeit 2026/2027 an den Offenbachplatz zurückkehren können. Aktuell erscheint es aber laut Greitemann und Volms Aussagen zumindest wahrscheinlich. Es wäre eine Rückkehr nach 14 Jahren.
Greitemann verwies am Mittwoch mehrfach auf die Intendanten, die dafür zuständig seien, die Rückkehr und den Zeitpunkt zu planen. Die Gespräche dazu laufen demnach. Vermutlich Ende Juni sehen Greitemann und Volm klarer: Bis dahin sollen möglichst die Ergebnisse der Sachverständigen vorliegen, die nötig sind, um die Inbetriebnahme der technischen Anlagen vorzubereiten.

So sieht es im Opernhaus aus.
Copyright: Alexander Schwaiger
In den vergangenen Jahren hat man oft gehört, dass die Oper strahlen werden, wenn sie mal fertig sei. Dass es dann nicht mehr nur um das viele, viele Geld gehen soll. Inklusive unter anderem der Kosten für die Interimsspielstätten und die Finanzierung gehen die Verantwortlichen derzeit von rund 1,465 Milliarden Euro aus.
Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat schon vor acht Jahren von einem „Desaster“ gesprochen, es sei das Projekt, in das die „meisten Steuergelder reingehen“. Und: „Ich kann Bürger verstehen, die das Projekt hinterfragen.“