Seit Wochen geht die Berliner Polizei Hinweisen zur Kugelbomben-Explosion an Silvester nach. Nun gibt es acht Verdächtige.
Ausschreitungen an SilvesterRazzia nach Kugelbomben-Explosion in Berlin

Durch die Explosion einer Kugelbombe in der Silvesternacht waren die Scheiben einer Berliner Apotheke und zahlreicher umliegender Geschäfte und Wohnungen zu Bruch gegangen. (Archivfoto)
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Nach der folgenreichen Explosion einer illegalen Kugelbombe in Berlin in der Silvesternacht hat die Polizei acht Verdächtige ermittelt - und deren Wohnungen durchsucht. Die Beamten stellten unter anderem Handys, Pyrotechnik, Betäubungsmittel und eine Schreckschusswaffe sicher, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten. Rund 150 Polizisten waren an der Razzia in neun Wohnungen in den Stadtteilen Schöneberg und Neukölln beteiligt.
Im Fokus stehen acht Männer im Alter von 20 bis 25 Jahren, wie Sprecher Sebastian Büchner der Deutschen Presse-Agentur sagte. Gegen sie wird demnach wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung und Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion ermittelt. Zuvor hatten „Bild“ und „B.Z.“ berichtet. Bei der Explosion waren fünf Menschen durch umherfliegende Glassplitter verletzt worden.
Immer wieder Silvester-Krawalle
Die Polizei veröffentlichte auf der Plattform X einen Videoausschnitt dazu. Darauf ist zu sehen, wie schwer bewaffnete Polizisten in einem Wohnblock an der Pallasstraße im Stadtteil Schöneberg leise die Treppen hochsteigen. Es wird an eine Tür gehämmert. Dann folgt der Ruf „Polizei“.
Rund um die Pallasstraße hatte es in zurückliegenden Silvesternächten und auch an Halloween immer wieder Krawalle gegeben. Deshalb galt für den Bereich – neben dem Alexanderplatz und einem Teil der Sonnenallee – auch beim vergangenen Jahreswechsel ein Böllerverbot.
Explosion unweit von Böllerverbotszone
Durch die Explosion der Kugelbombe waren Häuserfassaden und Autos schwer beschädigt worden, viele Fensterscheiben gingen zu Bruch. Nach aktuellen Angaben wurden vier Frauen und ein Mann durch umherfliegende Glassplitter verletzt. Zwei Menschen erlitten Knalltraumata.
In sozialen Medien wurden damals zahlreiche Aufnahmen veröffentlicht. Ein Feuerwehrsprecher sprach von einem „Schlachtfeld“, das der wohl nicht zugelassene Sprengkörper hinterlassen habe. Den Schaden bezifferten Polizei und Staatsanwaltschaft aktuell auf 100.000 Euro.
Die acht mutmaßlichen Täter sollen zudem eine Litfaßsäule in Schöneberg zerstört haben, indem sie dort einen „Böller mit erheblicher Sprengkraft“ zündeten, wie es hieß.
Hinweisportal führt Ermittler zu Verdächtigen
Kugelbomben sind wegen ihrer hohen Explosionskraft hierzulande eigentlich nicht für den Allgemeingebrauch zugelassen.
Die Explosion solch eines Feuerwerkskörpers hinterließ auch in Berlin-Tegel großen Schaden: Ein siebenjähriger Junge erlitt lebensgefährliche Verletzungen und wurde notoperiert. Ein 41-jähriger Mann erlitt Bein- und Handverletzungen und wurde mehrfach operiert. Laut Polizei wurden sechs weitere Menschen – drei Kinder, eine Jugendliche und zwei Erwachsene – leicht verletzt.
Um die Täter zu ermitteln, richtete die Polizei ein Hinweisportal ein. Hinweise aus der Bevölkerung führten Mitte Januar bereits dazu, dass ein 17-Jähriger als Verdächtiger für den Vorfall in Tegel ermittelt wurde. Nun wurden auch die mutmaßlichen Täter im Fall der Explosion in Schöneberg ausfindig gemacht. Zuletzt hieß es von der Polizei, zu dem Vorfall seien mehr als 30 Hinweise eingegangen. Dazu gehörten Videos und Fotos. (dpa)