Viele Jahre lang hat sich das Vorhaben, auf Vogelsang ein Hotel zu errichten, verschoben. Jetzt stellte ein Gastronom die Pläne für das Projekt vor.
GroßprojektFür 30 Millionen Euro entsteht in Schleiden-Vogelsang ein 400-Betten-Hotel

Blick auf den künftigen Hotelkomplex: Die Visualisierung zeigt eine Ansicht des künftigen „Hotel Vogelsang IP“. Bis Ende 2027 soll es fertig sein.
Copyright: HVIP Immo GmbH
Hier könnte ein altbewährtes Sprichwort wieder voll zur Geltung kommen: „Was lange währt, wird endlich gut!“ Seit vielen Jahren wird über ein dringend benötigtes Hotel der höheren Kategorie auf dem Gelände der ehemaligen NS-Anlage Vogelsang gesprochen und verhandelt.
Immer wieder wurden Gründe genannt, warum das Projekt inmitten des Nationalparks Eifel erneut auf die lange Bank geschoben werden musste. Corona, die zerstörerische Flut im Sommer 2021, der Ukraine-Krieg ab Februar 2022, in dessen Folge der gigantische Preisanstieg für Energie und Baumaterialien, vielleicht noch manches andere Hindernis. Doch jetzt sieht es so aus, als könnte der Knoten endlich durchschlagen und das geplante Vier-Sterne-Haus mit insgesamt 130 Zimmern bald Realität werden.
Zeugen dieser wohl überfälligen, herbeigesehnten Wandlung zum Guten waren die Mitglieder des Ausschusses für Strukturentwicklung, Wirtschaftsförderung und Tourismus des Kreises Euskirchen, an seiner Spitze der Vorsitzende Johannes Esser (CDU).
Hans Pum ist Chef des Gastronomiebetriebs im Besucherzentrum von Vogelsang
Auch Landrat Markus Ramers (SPD) war gekommen – in den Panoramasaal von Vogelsang, wohin die Sitzung extra ausgelagert worden war. Damit war das Zeichen des Erfolgs unverkennbar: Denn neben Thomas Kreyes, dem Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Vogelsang IP, der die aktuellen Entwicklungslinien auf den bis vor gut 20 Jahren von den Belgiern militärisch genutzten Flächen aufzeigte, war es Hannes Pum, der mit großer Detailfreude präsentierte, welche Qualität der geplante, von Natur umhüllte Beherbergungsbetrieb einnehmen soll.
Hannes Pum ist nicht nur seit September 2021 Chef des Gastronomiebetriebs direkt neben dem Besucherzentrum. Der 63-jährige gebürtige Österreicher trägt auch Verantwortung für das Hotel-Entwicklungskonzept, das er mit Partnern und Investoren unter Hochdruck vorantreibt. Und passend zum Standort ist auch schon der – wahrlich naheliegende – Name für das insgesamt 30 Millionen Euro schwere Großprojekt geprägt worden: „Hotel Vogelsang IP“ soll es heißen. In großen Lettern wird dieser Schriftzug über dem Gebäudekomplex in der vorgegebenen terrassierten Hanglage prangen, wie es eine visualisierte Fassadenansicht zeigt.

Das verbindende Element: Hier soll der attraktive, großzügige Eingangsbereich neu angelegt werden. Im Hauptkomplex sollen 100 Zimmer entstehen, 30 zusätzlich in einem weiteren Gebäude.
Copyright: Berthold Strauch
Der Vogelsang-Gastronom ist erstmals 2017 auf dieses Thema angesprochen worden, erinnerte sich Pum jetzt im Gespräch mit dieser Zeitung. Vermittler sei ein damaliger Hotelier in Monschau gewesen. Der Internationale Platz in der Eifel sei ihm damals noch „völlig unbekannt“ gewesen, inklusive der NS-Vergangenheit. „Ich war da sehr blauäugig. Doch ab diesem Moment habe ich mich in diese Location verliebt. Ich habe das Potenzial gesehen, die Lage im Nationalpark Eifel.“ Er sei mit der damaligen Standort-Entwicklungsgesellschaft ins Gespräch gekommen, habe deren Pläne für ein Hotel „sehr interessant“ gefunden.
Mit seinem Geschäftspartner Arnold Bohl aus Den Haag in den Niederlanden habe er vertiefter geprüft, ein Hotel zu entwickeln. Und anderthalb Jahre später sei ein Konzept für die Neunutzung von vier der denkmalgeschützten „Hundertschaftshäuser“ in Vogelsang für Hotelzwecke fertig gewesen, ergänzt um eine Dependance in deren Nähe mit 30 Zimmern, um die Teilnehmer von Busreisen komplett unterbringen zu können, so Hannes Pum weiter.
In der Corona-Pandemie lagen die Pläne auf Eis
Dann habe die Suche nach einem interessierten Investor mit dem „Family Office Holtburgh“ in Dordrecht bei Rotterdam rasch Erfolg gehabt, erinnert sich Projektentwickler Pum. Bereits kurz danach sei die Liegenschaft in der Eifel für den Hotelbau angekauft worden. Dann folgten die notwendigen Bebauungsplan- und Städtebauverfahren. Gutachten, etwa über den Artenschutz, wurden eingeholt, und die Bestandsgebäude auf Schadstoffe und Statik untersucht.
Dermaßen schon weit fortgeschritten, sei das Projekt indes wegen Covid-19 und den Folgeproblemen in der Welt „vier Jahre stillgelegt worden“. Und aus dem zunächst geplanten Eröffnungsjahr 2021 sei deswegen erst 2023, dann 2025 geworden. „Aber wir haben daran festgehalten, nichts fallengelassen“, untermauerte Hannes Pum. Denn die Eifel sei schon ein „besonderes Gebiet“, attraktiv auch für die Menschen in den Niederlanden und Belgien.
In der ganzen Nordeifel wird man kein anderes Haus in einer solchen Größenordnung und auch in dieser Qualität finden.
„Vogelsang ist ein Ort mit gewaltiger Aussicht, mitten in der Natur: Das ist eine hervorragende Position für ein Hotel“, ist Pum, der weltweit an mehr als 50 Hotelprojekten mitgearbeitet hat, gemeinsam mit seinen Partnern und Investoren nach wie vor fest überzeugt.
Überdies sei die Eifel derzeit „ein schwaches Gebiet“, was die Ausstattung mit Hotels angehe. Viele Zimmer atmeten noch „den Charme der 1950er-Jahre. Und in wenigen Jahren stellt sich für viele Betreiber die Nachfolgefrage“.

Im Laufe der Jahrzehnte zugewuchert: die Treppe an einem Hundertschaftshaus.
Copyright: Berthold Strauch
Bald sollen im Hauptkomplex des Hotels Vogelsang 100 Zimmer entstehen, in einem weiteren Gebäude zusätzliche 30 Zimmer. Und zusätzlich in einem Kameradschaftshaus sollen vier schöne große Ferienwohnungen für jeweils zehn Personen errichtet werden, mitbewirtschaftet von der Hotelinfrastruktur. „In der ganzen Nordeifel wird man kein anderes Haus in einer solchen Größenordnung und auch in dieser Qualität finden“, macht Pum deutlich. Ein herrlicher Fernblick über den Nationalpark Eifel und die Urfttalsperre verleihen ihm ein ganz besonderes Naturerlebnis.
Zum Angebot für die Gäste sollen in einem verbindenden Neubau zwischen den vier Hundertschaftshäusern auch der Eingangsbereich mit der weitläufigen Hotellobby, ein gehobenes Restaurant, eine Sky-Bar mit Panoramaterrasse, ein Außen-Spa und Fitnessbereich genauso gehören wie Saunen, eine großzügige „Wellness-Oase“ und ferner ein Tagescafé für Besucher.
Hotel in Schleiden-Vogelsang soll bis zu 90 Vollzeitstellen bieten
Mit bis zu 90 Vollzeit-Arbeitsplätzen rechnet Hannes Pum – eine „internationale Mannschaft am Internationalen Platz Vogelsang“, so lautet seine Überzeugung, wohl wissend, dass aus der Region höchstens ein Viertel der Jobs besetzt werden könne.

Kräftige Stützen notwendig: Der Zahn der Zeit hat tüchtig an den Bauwerken geknabbert.
Copyright: Berthold Strauch
Hotelmanagement und Betrieb sollen in die erfahrenen Hände des weltweit agierenden amerikanischen „Hotel-Operators“ (Betreibers) Hamilton gelegt werden. Das künftige „Hotel Vogelsang IP“ soll das zweite werden, das der Betreiber in Deutschland eröffnet. Insgesamt betreibt er aber bereits mehr als 1000 Häuser.
Ende 2027 soll das luxuriöse 400 Betten-Hotel in Betrieb sein
Hannes Pum lässt auch einen Blick auf den Zeitplan erkennen. Noch im April soll der Bauantrag für die Hotel-Dependance und das weitere Nebengebäude mit den Ferienwohnungen gestellt werden, schon vier Monate später, also noch im Sommer, für das Haupthaus. Er rechnet damit, dass 2026 die ersten Zimmer bezogen werden könnten. Das komplette „Hotel Vogelsang“ soll demnach bis Ende 2027 an den Start gehen. Einschließlich aller Vorbereitungs-, Gutachter-, Bau- und Einrichtungskosten sollen bis dahin rund 30 Millionen Euro ausgegeben worden sein, kündigt Pum an.
Und dann gilt es: „Die Welt zu Gast in Vogelsang – Internationaler Platz“, laute die Maxime. Denn die Gäste-Akquisition soll entsprechend weltweit erfolgen. Pum ist sehr zuversichtlich, dass in absehbarer Zeit auch größere Kontingente aus Kanada, Japan und China in die Eifel zum Entspannen kommen werden.
Jährlich bis zu 50.000 Gäste aus aller Welt
Bei verfügbaren 400 Betten rechnet Pum mit einer durchschnittlichen Auslastung von 72 bis 75 Prozent im Jahresverlauf. Dies werde einer Gesamtzahl von 40.000 bis 50.000 Gästen in Vogelsang entsprechen. „Das wird eine neue Dynamik für Vogelsang ausmachen – einschließlich der Vermarktung der vorhandenen Seminarräume auch bei Geschäftskunden, die mehrere Tage bleiben wollen.“
„Vogelsang hat viel zu bieten“, bringt Hannes Pum am Ende des Gesprächs mit der Redaktion dieser Zeitung seine große Zuversicht auf den Punkt.
Die „Kameradschaftshäuser“
Der erste Bauabschnitt der nationalsozialistischen „Ordensburg Vogelsang“ wurde 1936 fertiggestellt. Dazu gehörten das „Gemeinschaftshaus“, zehn „Kameradschaftshäuser“ und der Appellplatz. Im gleichen Jahr ließ Vogelsang-Architekt Clemens Klotz Teile des Westhangs unterhalb der geplanten Burgschenke terrassieren.
Auf zwei neuen Geländestufen wurden im Anschluss vier weitere Unterkunftsgebäude hochgezogen. Das war aus Sicht der Nazis nötig, weil die Zahl der dort auszubildenden „Ordensjunker“ von 400 auf 1000 Mann pro Jahrgang gesteigert werden sollte.

Einst Soldatenunterkunft, bald attraktive Zimmer für internationale Gäste mit herrlichem Fernblick über den Nationalpark: eines der vier langgestreckten Hundertschaftshäuser.
Copyright: Berthold Strauch
Diese „Hundertschaftshäuser“, die nun mit Zustimmung der Denkmalpfleger in Hotelzimmer umgewandelt werden sollen, sind langgestreckte dreigeschossige Bauten. Jedes der beiden Obergeschosse umfasste drei Schlafsäle für je 20 Personen. Im Erdgeschoss waren Gemeinschaftsraum und sanitäre Einrichtungen.
In den Berg unter der Terrassenanlage wurden drei Luftschutzbunker integriert. Während der Zeit des belgischen Militärs waren in den Hundertschaftshäusern, von denen zehn geplant waren, Soldaten untergebracht. Seit deren Abzug 2004 standen die Gebäude leer.
Zur Person: Hans Pum
Hannes Pum ist vom Fach. Er besuchte in seinem Geburtsland Österreich fünf Jahre lang die Hotelfachschule, die „Höhere Lehranstalt für Fremdenverkehrsberufe Schloss Kleßheim“ bei Salzburg. Sie gilt als eine der besten Kaderschmieden in dieser Branche. „Wir leben Gastronomie“, bringt Pum die Begeisterung für seinen Beruf auf den Punkt: „Ich stecke voller Tatendrang“, versichert er.

Chef der Vogelsang-Gastronomie und Entwickler des 130-Zimmer-Hotels: der Österreicher Hannes Pum.
Copyright: Berthold Strauch
Bereits seit 35 Jahren lebt Hannes Pum in den Niederlanden. Sein Wohnsitz ist in Rotterdam. Von der Hafenmetropole an der Nordsee pendelt Pum regelmäßig in die Eifel nach Vogelsang. Allerdings ist er nicht täglich dort präsent. „Ich habe ein gutes Team“, lobt der 63-jährige Gastronomiechef, der noch längt nicht ans Aufhören denkt. Er profitierte personell auch davon, dass andere Betriebe in der Region infolge der Multi-Krisen der letzten Jahre das Handtuch geworfen hatten. Für Pum waren solche Schließungen ein Reservoir für gute neue Mitarbeiter, wie er versichert.