Seit über 60 Jahren verkehrt die „Fritz Middelanis“ zwischen links- und rechtsrheinischem Gebiet. In den vergangenen gut zwei Wochen stand sie, einmal mehr, still. Jetzt fährt sie wieder.
„Fritz Middelanis“Die Rheinfähre in Hitdorf fährt wieder

Die Fähre „Fritz Middelanis“ verkehrt auf dem Rhein zwischen Leverkusen-Hitdorf und Köln-Langel und stand zuletzt, mal wieder, still.
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Mittlerweile fährt sie zwar wieder. Das ist seit heute, Mittwoch, 13. September, Fakt. Aber Fakt ist ebenso dies: Wer in den vergangenen gut zwei Wochen von Hitdorf aus über den Rhein nach Langel setzen wollte, der hatte Pech: Die Fähre „Fritz Middelanis“ war kaputt. Mal wieder. Die Ausfälle aufgrund technischer Schäden hatten sich in letzter Zeit nämlich gehäuft.
In den vergangenen Jahren waren zunächst wahlweise Hoch- oder Niedrigwasser für einen eingestellten Betrieb ausschlaggebend gewesen – immerhin also keine defekten Teile. Aber im Frühjahr dieses Jahres stand das seit über 60 Jahren zwischen dem Rechts- und dem Linksrheinischen verkehrende Wassergefährt dann still am Ufer, da eine Hydraulikpumpe nicht funktionierte. Und auch zuletzt war ein solcher Schaden an der Hydraulik schuld. „Nur an der anderen Schiffsseite“, wie Christian Lorenz von der Betreibergesellschaft Häfen- und Güterverkehr Köln (HGK) bestätigt.

In den vergangenen Tagen war der Fährbetrieb eingestellt worden.
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Leverkusen: Ersatzteile aus aller Welt
Nun ist die Hydraulik repariert. Aber die Reparatur war zeitintensiv und kompliziert, weil „die Ersatzteile quasi weltweit besorgt werden mussten“. Das sei wie mit Oldtimern, die über die Straße fahren, sagt Christian Lorenz. Für die gebe es entsprechende Komponenten auch nicht sofort. Da sei Suchen angesagt. Zwar bestünde in solchen Fällen immer auch die Möglichkeit, ein Provisorium anzubringen, um den Fährbetrieb sofort wieder aufzunehmen. „Aber es ist klar, dass das nur eine Zeit lang halten würde, ehe der nächste Ausfall kommt.“
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Die Leverkusener Fähre als Besonderheit
Was für eine wichtige Rolle die „Fritz Middelanis“ für die HGK und die Menschen in der Region spielt, wird nicht nur aufgrund ihres Alters, ihrer langen Geschichte und ihrer Exklusivität klar, zu der Christian Lorenz sagt: „Sie ist die einzige Fähre in unserem Depot und eine absolute Besonderheit.“ Sie wird vor allem klar, wenn man sich anschaut, wie ausgiebig die Fähre tatsächlich genutzt wird: Allein in der Fährsaison 2021/22 etwa schaffte sie 300.000 Beförderungen, davon 50.000 Pkw und 60.000 Fahrräder.
Der Rest waren Fußgängerinnen und Fußgänger – und landwirtschaftliche Maschinen und Gefährte wie Traktoren, denn: Für Landwirte und Landwirtinnen spiele die „Fritz Middelanis“ eine wichtige Rolle. „Sie können durch eine Fährüberfahrt zwischen Hitdorf und Langel den Umweg über die Straße und weiter entfernte Brücken sparen.“ Und das Wort „Umweg“ trifft es diesbezüglich ganz gut, denn: Die nächsten Brücken, die dafür infrage kämen, seien die Deutzer und die Severinsbrücke in Köln, betont Norbert Di Raimondo, Geschäftsführer der Rheinfähre Köln-Langel/Hitdorf GmbH.
Interessant: Sowohl ob der in letzter Zeit häufiger auftretenden Ausfälle als auch aus Gründen der Nachhaltigkeit wurden Kooperationen zwischen der HGK und zwei Hochschulen aus NRW angeleiert. „Wir wollen die Fähre zwischen Hitdorf und Langel modern und zeitgemäß aufstellen. Dazu gehört auch ein CO₂-neutraler Betrieb“ sagt Di Raimondo. Zwei Professoren seien bereits vor Ort gewesen, um sich die „Fritz Middelanis“ anzuschauen und zu sehen, wie demnächst auch von dieser Seite aus wissenschaftliches und technisches Know-How in ihren Betrieb eingebracht werden könne.