Die Corona-Krise führte zu hartnäckigen Geldproblemen bei dem Reiseveranstalter mit Sitz in Marienhagen. Nun zog er die Notbremse.
Betrieb ist eingestelltBenninghoff-Reisen aus Wiehl ist pleite

Knapp 100 Mitarbeiter an fünf Standorten sind betroffen.
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Das Wiehler Reiseunternehmen Benninghoff ist pleite und hat Ende März nach mehr als 60 Jahren den Geschäftsbetrieb eingestellt. Das Amtsgericht Köln hat für die Firma mit Sitz im Marienhagener Industriegebiet wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung ein Insolvenzverfahren eröffnet. Die Geschäftsführung wickelt die Insolvenz in Eigenverwaltung ab. Knapp 100 Mitarbeiter sind betroffen.
Auf seiner Homepage teilt das Unternehmen seinen Kunden mit: „Diese Entscheidung fällt uns nicht leicht, und wir danken Ihnen von Herzen für Ihre langjährige Treue, Ihr Vertrauen und all die gemeinsamen Reisen, die uns verbunden haben. “ Wer noch ausstehende Reisen bereits bezahlt hat, bekomme das Geld erstattet oder müsse es bei einer dort genannten Versicherung geltend machen, heißt es auf der Internetseite. Ein entsprechendes Formular kann man herunterladen.
Unternehmen begann mit Schülerbeförderung in Wiehl
Benninghoff-Reisen wurde in den 1960er Jahren gegründet und beschäftigte sich zunächst vor allem mit Schülerbeförderung. Seit den 1990er Jahren lag der Schwerpunkt bei touristischen Busreisen durch ganz Europa. 2009 verkaufte Firmenchef Klaus Benninghoff, der das Busreiseunternehmen in zweiter Generation geleitet hatte, die Firma an den Osnabrücker Investor Klaus-Peter Zimmer, einen Seiteneinsteiger ins Touristik-Geschäft.
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Dieser hat das Geschäft nach eigenen Angaben erheblich ausgebaut. Der Fuhrpark sei von 40 auf 64 Busse angewachsen, neben Marienhagen habe er Standorte in Gummersbach, Lindlar, Overath und Lüdenscheid unterhalten. In Spitzenzeiten seien jährlich 40.000 Kunden mit Benninghoff auf Reisen gewesen, berichtet Zimmer. 2024 habe man einen Rekordnettoumsatz von 5,5 Millionen Euro erzielt.
Bus brennt in Frankreich aus
„Die Insolvenz tut mir in der Seele weh“, sagt der Unternehmer. „Das war ja auch mein Lebenswerk.“ Die Ursache der Geldprobleme sei nicht in der Attraktivität des Angebots, sondern in der Corona-Krise zu finden. „Die Corona-Hilfen durften wir nicht für Investitionen einsetzen. Vier Jahre lang konnten wir keine neuen Busse kaufen, vor Corona waren es zwei pro Jahr.“
Mit dem überalterten Fuhrpark hätten die teuren Reparaturen zugenommen, diese Kosten seien zuletzt von 250.000 auf 650.000 Euro gestiegen. Vier Motorschäden gab es 2024, die Reisenden mussten unter anderem aus Ungarn zurück nach Hause geholt werden. In Frankreich sei ein Bus ausgebrannt, klagt Klaus-Peter Zimmer. „Gottseidank wurde kein Fahrgast verletzt.“ Doch der Aufwand war jedes Mal erheblich.
Eine schlechte Zahlungsmoral bei den Kunden habe ein weiteres Loch von 170.000 Euro gerissen. „Das alles konnte die Firma nicht verkraften.“ Das Betriebsgelände mit seinem Gebäude steht zum Verkauf.
Enttäuscht ist Zimmer darüber, dass seine Hausbank ihm keinen Überbrückungskredit gewährt habe, obwohl er schuldenfrei gewesen sei. „Meine Bank hat mich im Stich gelassen“, sagt der 66-Jährige. „Aufgrund meines Alters wollten sie mir keinen neuen Kredit geben.“