Der langjährige Bundesliga-Profi ist neuer Coach des abstiegsgefährdeten Kreisligisten aus Ehrenfeld.
Ex-Profi des 1. FC KölnWie Andrew Sinkala den SC West vor dem Absturz retten möchte
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Mai 2004: Andrew Sinkala (l.) im Zweikampf mit Hasan Salihamidzic vom FC Bayern
Copyright: IMAGO / T-F-Foto
Andrew Sinkala hat in seiner Profi-Karriere 49 Bundesliga- und 142 Zweitliga-Spiele bestritten. Die meisten davon für den 1. FC Köln. 22 Mal trug er das Trikot der sambischen Nationalmannschaft, am Afrika-Cup nahm er sogar dreimal teil. Jetzt soll er den Ehrenfelder Traditionsverein SC West vor dem Absturz in die drohende Bedeutungslosigkeit bewahren.
Sinkala wurde im Alter von 18 Jahren von den Talentscouts des FC Bayern München während der U-20-Weltmeisterschaft in Nigeria entdeckt – und verpflichtet. Das ist 27 Jahre her. Der erste Winter in der bayerischen Metropole sei ein einziger Kälteschock gewesen. „Nie zuvor in meinem Leben hatte ich Schnee gesehen. Das war schon ein besonderer Augenblick in meinem Leben – und sehr kalt“, sagt der Sambier und schmunzelt.
Die meisten seiner 13 Profijahre verbrachte er jedoch beim FC (2000 bis 2006) im deutlich milderen Köln. Drei seiner Trainer waren hier Huub Stevens, Ewald Lienen und Friedhelm Funkel. „Und von jedem habe ich etwas gelernt und mitgenommen.“ Während seiner Kölner Zeit habe er die Stadt schätzen und lieben gelernt. Weitere Deutschland-Stationen während seiner aktiven Laufbahn waren Paderborn und Augsburg. Insgesamt ist Sinkala dreimal in die Bundesliga aufgestiegen – zweimal mit dem FC.
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Andrew Sinkala lebt mit seiner Familie im Kölner Norden
Sinkala ist heute 45 Jahre alt und lebt mit seiner Ehefrau Kathrin und seinen beiden Kindern (17/14) im Kölner Norden. Viel Zeit verbringe er mit der Gartenarbeit. „Wenn man ein Haus mit einem Garten hat, bringt das etwas Arbeit mit sich, die getan werden will. Das und noch viele andere Dinge habe ich von meiner Frau gelernt“, sagt Sinkala lachend. Sie sei genauso einmalig wie Köln selbst. Der Ex-Profi wirkt geerdet, bescheiden – und irgendwie tiefenentspannt, als er über sein neues Projekt beim SC West, dem viertgrößten Kölner Fußballverein, berichtet.
Im Sommer erst ist Sinkala mit den A-Junioren des FC Pesch in die Mittelrheinliga, der höchsten Spielklasse im Verbandsgebiet, aufgestiegen. Danach sei er mit den Verantwortlichen „nicht mehr auf eine Linie gekommen“. Einige Spieler hätten ihm fortwährend Kopfschmerzen bereitet. Sinkala schlug vor, sich von diesen zu trennen. Der Klub hatte eine andere Haltung. „Ohne ein paar Verhaltensregeln geht es auch im Fußball nicht“, sagt er. „Dann haben wir uns getrennt.“
Seit fast zehn Jahren ist Andrew Sinkala Trainer
Im Trainergeschäft ist Sinkala seit beinahe einem Jahrzehnt. Die meiste Zeit davon im Juniorenbereich. Er sei unendlich dankbar für die Zeit, die er durch den Fußball habe erleben dürfen. „Da war es für mich klar, dass ich nach dem Ende meiner Karriere etwas zurückgeben will. Aber mir ist natürlich bewusst, dass wir uns in zwei Welten bewegen.“ Und dennoch gebe es einige Dinge, die gleich seien.
Nach erst wenigen Trainingseinheiten beim SC West könne er zum Leistungsvermögen seiner neuen Mannschaft noch nicht viel sagen. Schon gar nicht zu taktischen Ausrichtungen. „Die Trainingsbeteiligung könnte besser sein. Und auch die Fitness. Wir sind gerade in der Kennenlernphase. Zu tief zu gehen, nützt hier nichts. Das kommt später.“
Die Trainingsbeteiligung könnte besser sein. Und auch die Fitness. Wir sind gerade in der Kennenlernphase
Beides gelte es zu verbessern. „Wenn wir in der Kreisliga A den Klassenerhalt schaffen wollen, müssen wir einige Themen bearbeiten. Wenn wir als Mannschaft funktionieren wollen, brauchen wir eine gute Basis und eine Balance. Dann werden wir sicher wieder mehr Spiele gewinnen.“ In der Hinrunde waren es lediglich vier. Mit 14 Punkten läuft der SC West nach dem Abstieg aus der Bezirksliga auch diesmal Gefahr, die Klasse nicht halten zu können. Nur aufgrund des besseren Torverhältnisses stehen die Ehrenfelder nicht auf einem Abstiegsplatz.
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Andrew Sinkala bei einem Einlage-Spiel für den FC Augsburg im September 2023
Copyright: IMAGO/kolbert-press
Gut möglich, dass Sinkala das wöchentliche Trainingspensum dauerhaft von zwei auf drei Einheiten anpassen wird. Veränderung erfordere Einsatz und Bereitschaft. Und beginne mit jedem Training neu. „Ich wollte immer jedes Spiel, auch jedes Trainingsspiel gewinnen. Das gelingt nicht immer. Aber es muss das Ziel sein. Und so, wie du trainiert, so spielst du auch. Das ist eine ziemlich einfache Rechnung.“
Dem SC West plagen vor allem in der Defensive Probleme
Mit 46 Gegentoren in 15 Spielen der Hinrunde stellt der SC West die zweitschlechteste Defensive der Liga. „Das ist zu viel. Das müssen wir schleunigst ändern. Und das am besten mit intensiver Arbeit.“ Er selbst sei ein Spieler gewesen, der alles in den Dienst der Mannschaft gestellt habe. Das Team stehe immer über allem.
Bis zum Rückrundenstart am 9. März sind es noch einige Wochen hin. Der Auftaktgegner des neuen Jahres ist dann der FC Pesch II. Für Sinkala ist es die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. „Ich hatte eine gute Zeit in Pesch. Aber ich weiß auch, dass die Spiele zwischen Pesch und West für die Menschen immer etwas Besonderes sind. Aber klar ist auch, dass wir nicht mit leeren Händen den Platz verlassen wollen.“