Der sexuelle Missbrauch liegt bereits mehr als 20 Jahre zurück.
87-jähriger Kölner angeklagtOrthodoxer Prediger vergeht sich an Jungen – Geständnis beim Prozess
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Der beschuldigte Prediger mit seinem Verteidiger Bernd Wasmuth beim Prozessauftakt im Kölner Landgericht
Copyright: Hendrik Pusch
Ein langjähriger Prediger und Erzdiakon der orthodoxen Kirche und ehemaliger Bibliothekar aus Köln muss sich seit Montag wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes vor dem Kölner Landgericht verantworten. Zum Prozessauftakt räumte der heute 87-Jährige über seinen Verteidiger ein, sich mehrfach an einem Jungen vergangen zu haben. Das Opfer hatte nach 20 Jahren Anzeige erstattet.
Köln: Durch kirchliche Tätigkeit in Kontakt zu Kindern gekommen
Durch seine ehrenamtliche Tätigkeit bei der rumänisch-orthodoxen Kirche sei der Angeklagte mit vielen Kindern und Jugendlichen in Kontakt gekommen, was dieser laut Anklage zur Auslebung seiner sexuellen Phantasien genutzt habe. Im Sommer 1999 habe der Mann einen damals Neunjährigen in dessen Elternhaus in Trier unsittlich berührt, also dieser gerade auf der Toilette gesessen hatte.
„Das ist nicht schlimm und ganz normal“, soll der Prediger dem Jungen in der Folgezeit gesagt haben, als er weitere sexuelle Straftaten an diesem verübte. Der laut Anklage schwerste Missbrauch fand auf dem Dachboden des Elternhauses des Jungen statt. Auch in der Kölner Wohnung des Mannes wurde das Kind missbraucht. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem Tatzeitraum von drei Jahren.
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Köln: Ermittler mit Razzia in der Wohnung des Seniors
Nach der Strafanzeige des heute 35-jährigen Geschädigten durchsuchten die Ermittler die Wohnung des Angeklagten in Ehrenfeld. Diverse Nacktbilder von Kindern und Jugendlichen wurden laut Staatsanwaltschaft auf Dias sichergestellt, teils mit pornographischen Darstellungen. Auf einem Foto sei auch der Angeklagte selbst zu sehen, es zeige diesen nackt am Strand mit einem zwölfjährigen Kind.
„Die Vorwürfe werden vollumfänglich eingeräumt, das stimmt genau so“, erklärte Verteidiger Bernd Wasmuth beim Prozessauftakt in Saal 32 des Kölner Justizgebäudes für seinen Mandanten. Da gebe es nichts zu beschönigen und in Abrede zu stellen. Während über sein Leben sprach, irritierte der Beschuldigte mit diesem Satz: „Ich weiß nicht, warum ich mit einer so starken Erotik geboren wurde.“
Köln: 87-jährigem Prediger droht eine Gefängnisstrafe
Der Angeklagte berichtete, aufgrund von Gewalterfahrungen durch die Eltern Zuflucht bei Gott gesucht und Theologie studiert zu haben. „Ich wollte den barmherzigen Gott in der Mitte meines Lebens haben, um nicht verrückt zu werden“, so der 87-Jährige. Er sei später in die orthodoxe Kirche gewechselt. Da diese ihn nicht habe bezahlen können, habe er noch Bibliothekswissenschaft studiert.
Als der verwitwete 87-Jährige erklärte, an einer fortschreitenden Demenz zu leiden, schritt Richterin Jennifer Otten ein. Diesen Eindruck habe sie nicht und auch die Kölner Rechtsmedizin sei bei ihrer Untersuchung zu dem Ergebnis gekommen, dass der Angeklagte verhandlungsfähig sei. Dem Mann, der sich auf freiem Fuß befindet, droht eine empfindliche Haftstrafe. Der Prozess wird fortgesetzt.