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Drei Evakuierungen in KölnPolizei nimmt Mann wegen Rewe-Koffer fest – NRW-SPD verlangt Details zu „Sandkoffern“

Lesezeit 3 Minuten
Einsatzkräfte der Polizeikräfte tragen den Koffer weg, der am Mittwochabend einen Großeinsatz im Rewe am Barbarossaplatz auslöste.

Einsatzkräfte der Polizeikräfte tragen den Koffer weg, der am Mittwochabend einen Großeinsatz im Rewe am Barbarossaplatz auslöste.

Der Polizei zufolge hängen die Kofferfunde auf den Kölner Weihnachtsmärkten wohl nicht mit dem Einsatz am Barbarossaplatz zusammen.

Drei verwaiste Gepäckstücke in fünf Tagen lösten in Köln Großeinsätze der Polizei aus. Erst wurde jeweils am Samstag und Sonntag ein Koffer ohne Besitzer auf Weihnachtsmärkten in der Innenstadt gefunden. Prompt wurden die Plätze evakuiert und die Umgebung abgesperrt, viel Polizei rückte an, ein Entschärfungstrupp ebenfalls. Es blieb bei großer Aufregung, da in den Koffern nur ein paar Kilogramm Sand waren.

Nach einigen Tagen Ruhe ist die Polizei Köln am Mittwochabend dann erneut alarmiert worden: Ein Mann stellte gegen 17.10 Uhr seinen Koffer in der Rewe-Filiale am Barbarossaplatz an der Kasse ab und verschwand. Damit begann dieselbe Prozedur wie schon bei den „Sandkoffern“: Die Polizei kommt, die Einsatzkräfte evakuieren den Supermarkt und sperren die Kreuzung ab, bis der Kampfmittelräumdienst anrückt und sich dem Reisegepäck annehmen kann.

Barbarossaplatz: Tatverdächtiger verlangte seinen Koffer nach Evakuierung zurück

Wieder war es kein Ernstfall. In dem Koffer befand sich laut Polizei nur Hausrat und Kleidung. Der Barbarossaplatz wurde kurz nach 20 Uhr wieder freigegeben. Etwa eine Stunde später tauchte dann der mutmaßliche Besitzer wieder bei dem Supermarkt auf, um sein Gepäckstück zurückzuverlangen, wie ein Sprecher der Polizei Köln dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ mitteilte. Der 49-jährige, obdachlose Mann wurde daraufhin festgenommen.

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Von der Polizei heißt es am Donnerstagmittag, dass der Tatverdächtige derzeit vernommen und sich bis Freitag zeigen werde, ob er auch einem Haftrichter vorgeführt wird. Gegen ihn wird nun wegen des „Verdachts der Störung des öffentlichen Friedens durch das Androhen von Straftaten“ ermittelt. Das könnte zumindest mit hohen Geldstrafen geahndet werden, aber auch Gefängnisaufenthalte bis zu drei Jahre sind möglich. Bislang gebe es jedoch „keine Anhaltspunkte, dass dieser Vorfall in irgendeiner Form mit denen vom Wochenende zusammenhängt“.

Konsequenz der Ereignisse vom Wochenende: Der Weihnachtsmarkt am Kölner Dom hat Koffer vorerst verboten.

Konsequenz der Ereignisse vom Wochenende: Der Weihnachtsmarkt am Kölner Dom hat Koffer vorerst verboten.

Der Staatsschutz ermittelt derweil wegen der „Sandkoffer“ auf den Kölner Weihnachtsmärkten. Unter anderem werden Videoaufzeichnungen analysiert – sowohl von öffentlichen als auch privaten Überwachungskameras. Laut Polizei könnten die Kofferfunde auf dem Rudolfplatz und Heumarkt „alles oder nichts“ gewesen sein. Ein fragwürdiger Streich ist genauso wie eine politisch-extremistische Motivation möglich. Zu weiteren Details äußern sich die Behörden nicht, da die Ermittlungen noch andauern.

Landtag NRW: SPD will „Kleine Anfrage“ zu Kölner Kofferfunden stellen

Das reicht der SPD im nordrhein-westfälischen Landtag jedoch nicht. Die Opposition will eine sogenannte Kleine Anfrage auf den Weg bringen und unter anderem wissen, warum der Staatsschutz ermittelt. Der ist eigentlich für politisch motivierte Delikte zuständig – die seien bei den Funden auf den Weihnachtsmärkten erst mal nicht ersichtlich.

Die SPD-Abgeordnete Elisabeth Müller-Witt will von der Landesregierung daher wissen, welche „Erkenntnisse oder Vermutungen“ es zu den Weihnachtsmarkt-Koffern gibt und ob man etwas „über mögliche Täter/Tätergruppen“ weiß. Letztlich fragt Müller-Witt nach besagtem Kontext für die Zuständigkeit des Staatsschutzes bei der Polizei.

Dem NRW-Innenministerium zufolge sei die „abstrakte Gefährdungslage“ in Deutschland durch islamistische Terroristen „weiterhin auf einem anhaltend hohen Niveau“, Hinweise oder Erkenntnisse vor, die auf eine konkrete Gefährdung von Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte schließen ließen, gebe es jedoch nicht. Einige Betreiber von Weihnachtsmärkten in Köln haben wegen der „Sandkoffer“ ihr Personal sensibilisiert, der Weihnachtsmarkt am Kölner Dom hat sogar ein Kofferverbot verhängt.