Kommentar zu Bläck Fööss im PaschaAuftritt ist Gratis-Werbung fürs Bordell

Pascha-Boss Hermann Müller
Copyright: Oliver Meyer
Köln – Einer wird derzeit hochzufrieden sein: Hermann Müller, der wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung in Untersuchungshaft sitzt und über Frauen sagt, sie seien dazu geboren, Männern zu dienen. Dem Pascha-Gründer ist ja auch ein Coup gelungen: Die Bläck Fööss geben im Pascha-Nachtclub ein Konzert – anschließende Stripshow im Eintrittsgeld inbegriffen.
Seit Jahren versucht Müller, seinem Bordell einen bürgerlichen Anstrich zu verpassen, die moralische Fragwürdigkeit zu minimieren. Für maximalen Gewinn, versteht sich. Darum bietet er Musikern, Karnevalisten und Schauspielern Auftritte im Nachtclub an. Viele haben sich schon vor den Karren spannen lassen. Gerne mit dem treuherzigen Hinweis, bei dem Club handele es sich ja nicht um das – unmittelbar angrenzende – Bordell.
Meist waren sie deutlich unbekannter als die Fööss. Nun bekommt das Pascha also Gratis-Werbung durch eine der beliebtesten Bands der Region. Eine mit moralischem Kompass und Haltung. Dachte man jedenfalls. Ein ganz normales Konzert sei der Auftritt für die Band, so Sänger Erry Stoklosa. Kein Unterschied zu den vielen Konzerten vor Familien also?
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Kein Ruhmesblatt für die Fööss
Man kann darüber streiten, ob Künstler Vorbilder sein sollen oder müssen. Oder im Fall der Fööss einfach feststellen, dass es ihnen gut stünde, sich als Vorbild zu verstehen: Am Wochenende noch haben 26.000 Kinder ihren „Stammbaum“ in der Arena gesungen. Man will sich nicht vorstellen, wie die, pardon, alten Herren einer Zehnjährigen erklären, dass es eben normal ist, wenn Frauen sich Geldscheine in den Slip stecken lassen – von schnellen Nummern mit Busladungen voller Männer ganz zu schweigen.
Was hätten die Bläck Fööss mit diesem Abend alles machen können: zum Beispiel ein Lied darüber schreiben, warum sie zwar ausdauernd gegen Rassismus Stellung beziehen, es aber offenbar für zu uncool, spaßbefreit oder emanzig halten, gegen Sexismus und das System der Prostitution zu sein. Der „ganz normale“ Auftritt ist vor allem eins: kein Ruhmesblatt für die Fööss.