Dass Trump Zölle gegen Pinguine verhängt, aber nicht gegen Putin, sorgt in Moskau für Freude. Putins Hardliner bleiben derweil auf Kriegskurs.
Hardliner wollen radikalen KriegskursPinguine statt Putin – Moskau bejubelt und verhöhnt „hirnrissigen“ Trump

Der russische Präsident Wladimir Putin am Telefon. Trumps Zollpolitik sorgt für Freude in Russland. (Archivbild)
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Der Kreml begrüßt die von Donald Trump gegen zahlreiche Staaten verhängten Zölle. Während der US-Präsident neben der Europäischen Union auch viele weitere Länder – darunter eine nur von Pinguinen bewohnte Insel – mit Strafzöllen überzogen hat, blieb Russland von der Maßnahme Washingtons verschont. Auch Moskaus Verbündete Nordkorea, Belarus und Kuba kamen ohne zusätzliche US-Zölle davon.
In Moskau löst der Schritt unverhohlene Freude aus. „Trump verbessert die russische Wirtschaft“, sagte Boris Titow gegenüber der Staatsagentur Tass am Freitag. Der Sonderbeauftragte für die Beziehungen zu internationalen Organisationen erwartet demnach, dass viele Länder nun „in die Produktion in Russland investieren“ werden. „Das wird zur lang erwarteten Diversifizierung und zum Wachstum unserer Wirtschaft führen“, führte Titow aus.
Freude in Moskau über Donald Trumps Zollpolitik
US-Finanzminister Scott Bessent erklärte unterdessen gegenüber Fox News, dass die USA ohnehin „keinen Handel“ mit Russland oder Belarus betreiben würden, weshalb man nun auch keine Zölle gegen diese Länder verhängt habe. Nach Angaben des US-Handelsbeauftragten wurden im Jahr 2024 jedoch Waren im Wert von rund 3,5 Milliarden US-Dollar zwischen den USA und Russland gehandelt.
Moskau hatte sich bereits zuvor unbeeindruckt von Trumps jüngsten Drohungen mit weiteren Sanktionen gezeigt. Der US-Präsident hatte sich vor einigen Tagen verärgert darüber geäußert, dass Kremlchef Wladimir Putin in den Verhandlungen um einen Waffenstillstand in der Ukraine immer wieder neue – für Kiew inakzeptable – Bedingungen aufgestellt habe. Kurz darauf teilte der US-Präsident dann jedoch erneut gegen den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj aus – und schlägt mittlerweile wieder sanftere Töne gegenüber Putin an.
„Europa war im Umgang mit Putin nicht erfolgreich“
„Ich denke, dass Präsident Putin bereit ist, einen Deal zu machen“, erklärte Trump am Donnerstagabend an Bord der Air Force One. „Europa war im Umgang mit Präsident Putin nicht erfolgreich, aber ich denke, ich werde erfolgreich sein“, fügte der Republikaner an, der nicht erklärte, aus welchen Signalen er diese optimistische Einschätzung der Lage abgeleitet hat.
Moskau verschickte in den vergangenen Tagen jedenfalls keine Botschaften, die auf einen Kurswechsel bei Putin hätten hindeuten können. Kreml-Insider hatten gegenüber der „Moscow Times“ berichtet, dass Putin nicht zu Zugeständnissen bereit sei.
Kreml-Insider: Putin setzt auf Zugeständnisse von Trump
Zuletzt hieß es dann auch in einem Artikel von „Bloomberg“, dass Moskau zwar weiter auf die Gespräche mit Trump setze, dabei jedoch vor allem das Ziel verfolge, die eigenen Maximalforderungen durchzusetzen. Im Zweifel sei Russland auch bereit, den Krieg fortzusetzen, schrieb das Medium unter Bezug auf Angaben aus Kremlkreisen.
„Konsequent und geduldig“ werde Moskau weiterhin seine Position vertreten, bekräftigte am Donnerstag schließlich auch der stellvertretende Außenminister Sergej Rjabkow in einem Interview mit der Zeitschrift „International Affairs“. Über die Drohungen des US-Präsidenten sei man „nicht überrascht“. Bereits während Trumps erster Amtszeit habe man das erratische Verhalten des Amerikaners zur Kenntnis genommen, führte Rjabkow aus.
Neofaschist sieht Russlands Krieg als „Weg zu Gott“
„Wenn die von Washington angestrebten schnellen Ergebnisse ausbleiben, ist eine völlige Änderung der Rhetorik möglich“, erklärte der russische Politiker. Die „Melodie“, die Trump abspiele, bleibe jedoch ohnehin stets dieselbe, auch wenn er die „Register auf der politischen Orgel“ wechsele, so Rjabkow. „Sie lautet: Make America Great Again.“

Der russische Neofaschist Alexander Dugin hat mehrfach den Genozid an Ukrainern gefordert. (Archivbild)
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Moskaus Hardliner wie der Neofaschist Alexander Dugin, der neuerdings einen Kurs in „Westernologie“ an der Moskauer Lomonossow-Universität anbieten darf, fordern unterdessen weiterhin einen radikalen Kurs des Kremls im Umgang mit der Ukraine.
Hardliner sehen Gemeinsamkeiten zwischen Trump und Putin
Der Krieg gegen das Nachbarland sei ein „blutiger und harter Weg, Russland wieder zu Gott zu bringen“, erklärte Dugin am Rande eines Wirtschaftsforums, bei dem er in dieser Woche Podiumsgast war. Dugin hat bereits mehrfach offen den Genozid an der ukrainischen Bevölkerung gefordert.
Russland müsse „schreckliche Torturen“ durchgehen, um zu erkennen „wer wir sind“, erklärte der Faschist. „Russland ist der Weg zu Gott“, fügte er an und bekräftigte damit den ideologischen Unterbau, den der Krieg in Russland mittlerweile bekommen hat. Auch das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill, hat sich seit Kriegsbeginn mehrmals martialisch geäußert.
„Trumpisten verstehen viel besser, wer Putin ist“
Dugin, der oftmals als „Putins Gehirn“ und „gefährlichster Philosoph“ der Welt beschrieben wird, dessen tatsächlicher Einfluss auf den Kremlchef jedoch stark bezweifelt werden muss, hat auch die Gespräche zwischen Moskau und Washington in dieser Woche kommentiert.
Es gebe mittlerweile viele Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Ländern, befand der Faschist im Gespräch mit CNN. Der „Putinismus“ habe auch in den USA mittlerweile „gewonnen“, so Dugin. „Trumpisten verstehen viel besser, was Russland ist und wer Putin ist.“ Von einem Bündnis zwischen Moskau und Washington könne man aber noch nicht sprechen, erklärte Dugin weiter. CNN musste sich unterdessen viel Kritik dafür gefallen lassen, dem russischen Faschisten eine Bühne bereitet zu haben.
Russisches Staatsfernsehen verspottet Trump als „hirnrissig“
Weniger freundliche Töne gegenüber Trump schlagen unterdessen die Propagandisten im russischen Staatsfernsehen in diesen Tagen an. In seiner abendlichen Talkshow echauffierte sich TV-Moderator Wladimir Solowjow in dieser Woche über den US-Präsidenten. „Das ist deren Problem, nicht unseres“, kommentierte der Moderator Trumps Kritik an Putin. Die Wortwahl des Amerikaners sei „arrogant“ gewesen.
Russland brauche sich von niemandem belehren zu lassen, erklärte Solowjow und verlor sich schließlich in wüsten Drohungen. „Ich möchte Sie daran erinnern, dass Russland über das mächtigste und modernste Arsenal an strategischen Waffen verfügt, die das Problem jeder Unzufriedenheit mit kolossaler Geschwindigkeit lösen können“, erklärte der TV-Scharfmacher in Richtung Trump.
„Er hat eindeutig gezeigt, dass er keine Stärke hat“
Studiogast Dmitri Kulikow zog unterdessen den Geisteszustand des US-Präsidenten in Zweifel, die Aussagen Trumps seien „einfach nur hirnrissig“ gewesen, lautete sein Urteil. Bisher habe der Amerikaner überhaupt nichts in den Gesprächen mit Moskau erreicht, befand der Politikwissenschaftler.
„Für den Moment hat er eindeutig gezeigt, dass er keine Stärke hat“, erklärte auch der Wirtschaftswissenschaftler Mikhail Khazin. Solowjow bemerkte daraufhin, man dürfte mit einem „alten Mann“ nicht so harsch umgehen – und sorgte mit der Häme für Belustigung im TV-Studio.
Ex-Kremlchef Medwedew bekräftigt Europa als Hauptfeind
Die Gemeinsamkeiten zwischen Washington und Moskau in diesen Tagen unterstrich derweil am Donnerstag der russische Ex-Präsident Dmitri Medwedew – und nutzte Trumps neue Zölle, von denen Moskau verschont geblieben ist, für Häme.
Obwohl Russland kaum Handel mit den USA oder der EU betreibe, wachse die russische Wirtschaft „derzeit um drei Prozent“, behauptete Medwedew auf der Plattform X. Dann bekräftigte er erneut, wo man in Moskau derzeit den Hauptfeind sieht: „Wir folgen dem Rat von Lao Tzu und sitzen am Fluss, bis der Leichnam des Feindes vorbeischwimmt: die verwesende Leiche der EU-Wirtschaft.“