Trump hat mit seinen Gesprächen nichts erreicht, ist aber nützlich für Putin. Die Signale des Kremls sind derweil eindeutig – nicht erst jetzt.
Putins Plan und Trumps AnteilMan muss ihnen nur zuhören


Kremlchef Wladimir Putin plant angeblich eine neue Offensive in der Ukraine – und keinen Frieden. (Archivbild)
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Wladimir Putin will keinen Frieden. Nicht einmal ein bisschen. Und wer daran glaubt, dass Donald Trump daran so schnell etwas ändern wird, sollte sich für eine Enttäuschung rüsten – darauf deuten die Worte aus Moskau jedenfalls eindeutig hin.
Trumps Kuschelkurs der vergangenen Wochen – samt eines Sondergesandten, der von einer „Freundschaft“ zu Putin schwärmte – scheint für den Kreml kein Grund, von seinen imperialistischen Kriegszielen abzurücken. Im Gegenteil: Nichts gilt als so einladend für den Kremlchef wie offen zur Schau gestellte Schwäche.
Trumps Kuschelkurs hat bisher nichts gebracht
Das gilt fürs Schlachtfeld und für den Verhandlungstisch. Beides betrachtet Putin als unterschiedliche Wege zu seinem unveränderten Ziel: die Unterwerfung der Ukraine.
„Putin verhandelt nicht, um Lösungen zu finden, sondern um zu gewinnen“, stellte der Sicherheitsexperte Nico Lange jüngst im Gespräch mit Phoenix noch einmal fest. „Er spielt seine billigen KGB-Psychospielchen, macht wirre Vorschläge – auch für seine willigen Sprechpuppen bei uns – und zieht die Dinge in die Länge.“
„Billige KGB-Psychospielchen“
Wer Putins Essays und Reden, den Krieg, die Wortmeldungen russischer Politiker und die schrillen Töne der Moskauer Staatsmedien in den vergangenen Jahren verfolgt hat, wird da nicht widersprechen. „Nur unter Druck würde Putin ernsthaft verhandeln“, fügte Lange hinzu.
Nach jedem Zugeständnis von Trump hat Putin die Gangart verschärft. Und wie bereits seit Jahren macht Russland aus all seinen Plänen, so imperialistisch sie auch sein mögen, auch jetzt kein großes Geheimnis. Man muss ihnen nur zuhören. Man muss nur lesen, was sie schreiben. Das gilt für den hasserfüllten Blick auf die Ukraine und nun auch für die klare Erwartung an Trump. Um Frieden geht es Moskau dabei nicht.
Russlands Hassbotschaften gibt es auch auf Englisch
Nachdem Trump der Ukraine am Freitag erneut einen unverschämten Deal über den Abbau der Bodenschätze des Landes angeboten hat, frohlockte Putins Entourage mal wieder ganz unverhohlen. Moskaus schrillste Kriegstreiber bieten ihren Hass sogar auf Englisch an, wohl damit keine Zweifel bleiben.

Ex-Kremlchef Dmitri Medwedew ist in Moskau für die vulgären Töne zuständig. (Archivbild)
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Die Amerikaner hätten „dem Kiewer Freak einen hervorragenden Rohstoffvertragsentwurf“ vorgelegt, feixte der russische Ex-Präsident Dmitri Medwedew auf X, also auf der Plattform von Trump-Mitarbeiter und Ukraine-Kritiker Elon Musk. Dann unterstrich Medwedew, was an Trumps „Deal“ aus Moskaus Sicht so „hervorragend“ ist.
Freude in Moskau über Trumps Vertragsentwurf: „Schachmatt“
Wenn Kiew dem Vorschlag zustimme, werde Wolodymyr Selenskyj „auf dem Maidan gehängt, wie Mussolini“, polterte der russische Lautsprecher und offenbarte damit nebenbei auch, wie dreist der amerikanische Vertragsentwurf sogar in Moskaus Augen erscheint. Wenn der ukrainische Präsident das vergiftete US-Angebot aber ablehne, werde Trump eben dafür sorgen, dass die ukrainische Regierung abgesetzt wird, prophezeite Medwedew. „Schachmatt“, fügte er an.
Einen Tag später, als wäre es nicht bereits deutlich geworden, bekräftigte Medwedew erneut Moskaus Ziel: Weder gebe es eine „legitime Regierung in der Ukraine“ noch müsse diese „respektiert werden“, schrieb der Vizechef des russischen Sicherheitsrates. Der ukrainische Präsident sei „unrechtmäßig“ im Amt, verbreitete Medwedew mal wieder eine Lüge über Selenskyj – und ließ schließlich keine Zweifel mehr aufkommen: „Er hat versagt, sein Volk stirbt und sein Land verschwindet.“
MAGA-Fans stimmen Medwedew zu
Für diese radikalen Töne gibt es mittlerweile Unterstützung aus den USA: Unter Medwedews Worten fanden sich nicht nur Witze über seinen angeblich überbordenden Alkoholkonsum, sondern auch begeisterte Zustimmung von zwei bei X populären Trump-Aktivisten. Die ukrainische Regierung sei „ein Betrug“, befand dort etwa Joey Mannarino. Ian Miles Cheong stimmte zu: „Leider wahr.“
Das dürfte Musik in Moskaus Ohren sein. Schließlich spiegeln die MAGA-Wortmeldungen Putins Pläne. Die Ukraine soll, wenn es nach dem Kreml geht, entweder als gefügiger Vasallenstaat, der von einer prorussischen Marionettenregierung geführt wird, oder gar nicht existieren dürfen.
Putins Tonfall ist moderater, die Botschaften nicht
Nun könnte man Medwedews Worte als bloßes Kriegsgeplänkel abtun, das keine Aussagekraft über mögliche Ergebnisse der Gespräche mit Moskau haben muss – wenn Wladimir Putin nicht genau dasselbe sagen würde. Der Tonfall ist beim Kremlchef meist etwas moderater, die Botschaften nicht.
„Wir werden sie erledigen“, sagte Putin noch in der letzten Woche über die ukrainischen Streitkräfte – und spielte Trump mal wieder den Ball zu: Selenskyj könnte man doch durch eine „externe Verwaltung“ ersetzen, so der russische Präsident. Mit der würde er sich dann vielleicht auf einen Deal einlassen, erklärte der Kremlchef und bot seinem Gesprächspartner zwischen den Zeilen an, im Gegenzug für Trumps Unterstützung bei der russischen Eroberung der Ukraine eine amerikanische Annexion Grönlands klaglos hinzunehmen.
Eindeutige Signale aus Moskau
Sogar Trump waren die neusten Forderungen Putins aber offenbar zu dreist – der US-Präsident reagierte am Sonntag deutlich verärgert auf den provokanten Kurs des Kremlchefs, drohte Moskau mit Strafzöllen und kündigte ein erneutes Telefonat mit Putin an. Und dennoch könnten die Signale aus Moskau derzeit kaum eindeutiger sein – ein Frieden, der diesen Namen auch verdient, erscheint selbst bei weiteren Zugeständnissen von Trump vorerst unwahrscheinlich.

Matrjoschka-Puppen von Kremlchef Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump stehen in einem Moskauer Souvenirshop.
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Während US-Vizepräsident J.D. Vance bei seinem Grönland-Besuch erklärte, es bestehe bereits ein Waffenstillstand für Angriffe auf Energie-Anlagen zwischen der Ukraine und Russland, stellte einer der russischen Verhandlungsführer im Staatsfernsehen klar, wie falsch die Angaben des Amerikaners waren.
Waffenstillstand: „Nicht mehr dieses Jahr“
„Bahnbrechende“ Ergebnisse von den Gesprächen zwischen Moskau und Washington zu erwarten, sei „sehr naiv“, erklärte Grigory Karasin, Vorsitzender des russischen Ausschusses für internationale Angelegenheiten. Grundsätzlich sei ein Waffenstillstand zwar denkbar, frühstens jedoch am Jahresende, noch eher sogar „nicht mehr in diesem Jahr“, so Karasin, der bei den Gesprächen in Saudi-Arabien dabei war.
„Sie ziehen die Gespräche in die Länge und versuchen, die USA in endlose und sinnlose Diskussionen über falsche ‚Bedingungen‘ zu verwickeln, nur um Zeit zu gewinnen, und dann mehr Land zu erobern“, übersetzte derweil Selenskyj die Worte aus Moskau. Mancher in Kiew wird noch deutlicher: „Sie bereiten Offensivaktionen an der Front vor, die sechs bis neun Monate dauern sollen, also fast das gesamte Jahr 2025“, zitierte die Associated Press den Militäranalysten Oleksii Hetman.
Moskau macht kein Geheimnis aus seinen Plänen
Auch in Moskau macht man kaum einen Hehl daraus, dass Putin keinen Frieden will. Während der Kremlchef zuletzt mit einem neuen Atom-U-Boot posierte, prophezeite der russische Militäranalyst Sergej Poletajew „in den nächsten sechs bis zwölf Monaten eine echte Chance auf einen entscheidenden Erfolg“ an der Front in der Ukraine. Der „Zusammenbruch der ukrainischen Verteidigung“ sei dann möglich, schrieb Poletajew in einem Kommentar. Am Sonntag bekräftigte der russische Senator Dmitri Rogosin, der Krieg könne nur „mit einem Sieg“ enden – nicht mit „Zaubersprüchen“.
Russlands Motive ändern sich nicht, nur weil Putin ab und zu betont, Frieden sei „grundsätzlich“ etwas Gutes. Der Präsident will den Sieg, und der bedeutet mindestens die Annexion von fünf ukrainischen Regionen und das Ende von Selenskyj. Ob das Ziel am Verhandlungstisch oder auf dem Schlachtfeld erreicht wird, spielt dabei weiterhin keine große Rolle.
Aber Donald Trump soll dabei helfen – und das macht der US-Präsident bisher auch. Ob Trumps jüngste Kritik an Putin das ändert, ist fraglich. Schließlich teilte der US-Präsident prompt auch gegen Selenskyj aus und drohte – ganz in Moskaus Sinne – dem Ukrainer mit „großen Problemen“, sollte er das Abkommen über die Rohstoffe des Landes nicht akzeptieren. Für Putin läuft also alles weiter nach Plan.
Putin setzt auf Trump: „Russland profitiert“
„Waffenstillstände und Verhandlungen sind ein Weg, um Russland mitzuteilen, dass du schwach bist“, betonte auch der ehemalige russische Schachweltmeister Garri Kasparow zuletzt. Der Putin-Kritiker hat bereits oft darauf hingewiesen, wie der Kreml tickt. Wer Putin nicht klar zeige, dass er bereit ist, ihn aufzuhalten, gebe dem Kremlchef „grünes Licht“, so weiterzumachen, wie es ihm beliebt, betont der Dissident immer wieder. Man muss ihnen, wie Kasparow, eben nur zuhören.
Dass Trump das bisher ausreichend getan hat, darf bezweifelt werden. „Wie bei allem, was Musk und Trump“ zuletzt getan haben, sei die Frage nach dem „Cui bono“ leicht zu beantworten, kommentierte der Historiker Timothy Snyder den Kurs des US-Präsidenten: „Russland profitiert.“