Ein Betriebsschütz am Kronenburger See musste repariert werden. Der Badebetrieb soll dieses Jahr starten – aber ohne Wasserseilgarten.
Badesaison wohl nicht in GefahrDie neue Anlage am Kronenburger See macht schon Probleme

Die Betriebsschütze wurden bei der Flutkatastrophe im Juli 2021 zerstört. Eines davon liegt immer noch am Rand des Staumauerdamms.
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Die Abflussmechanik in der Staumauer des Kronenburger Sees ist nagelneu – und macht schon Probleme. Bei nur leicht erhöhtem Wasserstand der Hochwasserschutzanlage Anfang Januar sperrte die elektronische Steuerungsanlage das Öffnen des rechten Betriebsschützes ab. Was heißt das für die geplante Wiederaufnahme des Badebetriebs ab Mai?
Das rund zwei Millionen Euro teure Sanierungsprojekt Stauanlage – bisher finanziert aus dem Wiederaufbaufonds – bereitet dem Zweckverband Kronenburger See weiter Probleme. Seit dem Hochwasser vom Juli 2021 ist der See für den Bade- und Freizeitbetrieb gesperrt. Der See befindet sich seitdem im niedrigen Winterstau, bei dem jede Freizeitnutzung untersagt ist.
Grund ist die bei der Flutkatastrophe 2021 teilweise zerstörte Abflussmechanik in der Staumauer. Dort wurden durch den damals extremen Wasserdruck die beiden Betriebsschütze, Laufwerke und anderes mehr so verbeult, dass sie ausgebaut werden mussten. Aber die Staumauer hielt.
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Der Hersteller hat das Schütz repariert und baut es bald wieder ein
Einen Stahlbauer zu finden, der die Ersatzschieber in Einzelfertigung herstellen kann, erwies sich in der Folgezeit als ein Jahre dauerndes, zähes Unterfangen. Nun sind die beiden neuen Betriebsschütze endlich verbaut – und schon macht zumindest eins Probleme.
In der jüngsten Sitzung des Zweckverbands wurde das beim Vortrag des mit den Arbeiten betrauten Diplom-Ingenieurs Norbert Fischer deutlich. Demnach kam es am 9. Januar aufgrund eines „leicht erhöhten Wasserstands“ zu einer Störmeldung im Steuerhaus des Schutzbauwerks am nördlichen Rand der 320 Meter langen Staumauer. Die Fehlermeldung führte automatisch zur Verriegelung des rechten Betriebsschützes. Es hatte sich offenbar mindestens schwergängig in seinem Laufwerk bewegt.

Der Wasserseilgarten am See wird zurückgebaut.
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Die Überlauf-Tulpe und die Staumauer des Kronenburger Sees sollen künftig vom aufgestockten Betriebsgebäude frei sichtbar sein.
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Zwischenzeitlich wurde die Schutztafel ausgebaut und durch einen Balken ersetzt. Das Schütz ist an die Herstellerfirma geschickt worden. Die hat es zwischenzeitlich repariert und will es in der kommenden Woche wieder einbauen.
Doch was bedeutet die Fehlermeldung für die vom Zweckverband für diesen Sommer angekündigte Wiedereröffnung des Badebetriebs und den damit zusammenhängenden Freizeitbetrieb, zu dem etwa Tretbootfahren oder Segeln zählen? Hält die neue Technik dem Druck des dafür nötigen, hohen Sommerstaus stand? Was geschieht, wenn der See ein Stauvolumen von nahezu 2,5 Millionen Kubikmetern Wasser hat?
Gewährleistung? Der Verband will eine gütliche Einigung erzielen
Die Frage stellten auch einige der Zweckverbandsvertreter. Ulrich Böttger (Fraktion Bündnis 90/Grüne im Dahlemer Gemeinderat) verwies auf einen aus seiner Sicht „irritierenden“ Briefwechsel zwischen dem Zweckverband und dem Hersteller des Betriebsschützes. Da seien doch einige Fragen offen, so Böttger. Doch klar beantworten kann man sie offenbar nicht.
„Ein Probelauf der Betriebsschütze unter den Sommerstau-Bedingungen ist schlicht nicht möglich“, so Bürgermeister Jan Lembach. Man müsse abwarten, was passiere, wenn die Betriebsschütze unter Volllast gezogen werden. Das ist der Moment, in dem der Druck auf die Schütze am größten ist, vergleichbar etwa mit einer extrem vollen Badewanne. Den Druck allerdings müsste man anhand der Parameter berechnen können.
Ein Probelauf der Betriebsschütze unter den Sommerstau-Bedingungen ist schlicht nicht möglich.
Auch wenn es unwahrscheinlich sei, sei derzeit nicht hundertprozentig auszuschließen, dass es auch schiefgehen könne, so Lembach. Zudem: Mit dem nötigen Aufstauen des Sees auf das Sommerstauniveau hätten die Talsperrenwärter spätestens am 20. März beginnen müssen. Aber es fehlt derzeit an den nötigen Niederschlägen. Da wäre es ein echter Treppenwitz, wenn das Badevergnügen ausfallen müsste – und das nur, weil es am genehmigungsfähig ausreichend hohen Wasserstand fehlt.
Eine andere Frage ist, ob die jetzt festgestellten Mängel an mindestens einem der beiden Betriebsschütze ein Fall für Gewährleistungsansprüche des Zweckverbands an den Hersteller sind. Hier will der Verband möglichst eine gütliche Einigung erzielen. Ein Rechtsstreit könne Jahre dauern und sei mangels vereidigter Sachverständiger für Stahlwasserbauten teuer, warnte Ingenieur Fischer.
Badegäste am Kronenburger See müssen auf den Wasserseilgarten verzichten
Es ist ein Prototyp. Am 12. Juni 2013 wurde der von der Göttinger Fachfirma „Seilakt“ entwickelte, erste Wasserseilgarten Deutschlands zu Wasser gelassen. Die Kosten von 160.000 Euro wurden zu 70 Prozent über das Interreg-Programm der EU und aus NRW-Landesmitteln bezuschusst.
Rund zehn Tonnen schwer ist das 14 mal 14 Meter große, quadratische Stahlgerüst, das während der Betriebszeit mit Seilen für fünf verschiedene Schwierigkeitsgrade ausgestattet war. Beklettert werden konnte der Garten über vier beplankte Startplätze an den Eckstützen. Gesichert wurde er über Betonblöcke auf dem Seegrund, die über 6,50 Meter lange Schwerlastseile – das entspricht der maximalen Wassertiefe an der Stelle bei Sommerstau – mit den Eckstützen der Rohrkonstruktion verbunden sind.
Dass der Kronenburger See offiziell eine räumlich begrenzte und auch so kenntlich zu machende Badestelle hat, weiß der Zweckverband dank zweier Gutachten der Deutschen Gesellschaft für Badewesen von 2019 und 2024. Und das hat Folgen für Wasserspielgeräte. Nach dem Eisberg muss jetzt auch der Wasserseilgarten abgebaut werden.
Beide Geräte können nicht ausreichend gesichert werden. Und das nicht nur tagsüber während der Badesaison, weil entsprechende Aufsichtskräfte fehlen. Nachts gibt es beim Wasserseilgarten, der derzeit dank des niedrigen Wasserstands auf dem Trockenen steht, keinerlei Sicherung. Er wird so immer wieder als Klettergerüst genutzt. Der Zugang zum See ist schließlich offen. So hat der Zweckverband erhebliche Probleme, die auch vom TÜV in der Betriebsgenehmigung für den Seilgarten angemahnte Verkehrssicherungspflicht zu erfüllen. Der Rückbau erfolgt jetzt, weil der Förderzeitraum abgelaufen ist.
Gebäude wird vergrößert
Eine weitere Baumaßnahme hat der Zweckverband Kronenburger See ebenfalls in seiner jüngsten Sitzung beschlossen: Das Betriebsgebäude am See wird um eine Etage aufgestockt. Ein Architekturbüro soll dazu die Entwurfsplanung erstellen.
Ziel sei es, im neuen Obergeschoss auch einen Raum für einen Krisenstab zu schaffen, der im Ernstfall dort tagen kann. Dank der geplanten tiefen Fenster soll auch erstmals vom Betriebsgebäude der Stauanlage aus ein freier Blick auf die sogenannte Überlauf-Tulpe und Staumauer möglich sein.