Knapp vier Jahre nach dem Jahrhunderthochwasser kann die Theodor-Heuss-Realschule wieder bezogen werden. Ein Rundgang.
Hochwasser 2021Leverkusener Flutschule wird Vorzeige-Schule

Vorher-Nachher: Projektleiterin Katharina Hellmann vor der sanierten Theodor-Heuss-Realschule
Copyright: Stefanie Schmidt
„Das ist unsere Schule, sie sieht genau so aus wie früher“, freut sich Andrea Wirths. Ein bisschen Sorge hatte sie schon, dass sie ihr Theodor-Heuss-Realschule nicht wiedererkennen würde, fast vier Jahre nachdem das Hochwasser sie komplett verwüstet hatte und im Wiederaufbau mehr als 18 Millionen Euro verbaut worden sind.

Andrea Pesch (l) zeigt Andrea Wirths und Nina Meißner die neue Technik im Physik-Raum
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Auf den zweiten Blick ist nicht alles wie früher: Auf einen Gebäudearm wurde ein Stockwerk aufgesattelt. Das war notwendig, weil zum Schutz vor erneuten Hochwasserschäden die Technik aus dem Keller nach oben verlagert wurde und dadurch Klassenzimmer ersetzt werden mussten. „Spektakulär“, findet Wirths. „Es sieht aus, als wäre es schon immer da gewesen.“

Eingangshalle der Theodor-Heuss-Realschule mit energiesparender LED-Beleuchtung
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Neben der Technik wurde auch das Gebäude so gut wie möglich hochwassersicher gemacht. „Statt saugender Materialien wie Dämmwolle haben wir, wo möglich, hydrophobes Material verwendet, das schnell trocknet“, erklärt Projektleiterin Katharina Hellmann. Heißt: Eine erneute Überschwemmung kann hier, zwischen Wupper und Wiembach, nicht ausgeschlossen werden, sollte es aber so kommen, wäre die Technik nicht mehr betroffen, das Gebäude würde schnell trocknen und nicht noch einmal lange ausfallen – so zumindest die Hoffnung.
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Klassenraum mit Ausblick im neuen Stockwerk
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Zudem wurde die Chance genutzt, alles auf den neuesten Stand zu bringen: moderne Naturwissenschaftsräume, hohe energetische Standards inklusive einer Heizungsanlage aus Geothermie und Photovoltaik, die noch gemeinsam mit der neuen Dreifachsporthalle gebaut wird. Dazu optimierte Raumkonzepte, etwa bei den Lehrerzimmern und dem Schulkiosk. „Wir wurden in den gesamten Prozess mit einbezogen und unsere Wünsche berücksichtigt, wo es ging“, lobt Wirths die Zusammenarbeit mit der Stadt.

Der Technikraum wurde aus dem Keller nach oben verlegt, die Leitungen verlaufen nun an der Decke, statt unter dem Boden.
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Dass die Nerven in der provisorischen Auslagerung bei allen Beteiligten blank lagen, will keiner verhehlen, jetzt aber auch nicht mehr thematisieren. „Es war eine lange Zeit, die hat es aber offensichtlich auch gebraucht, damit so etwas Gutes entstehen konnte“, sagt Wirths.
Das kann auch Nina Meißner bestätigen, die seit zwölf Jahren Schulpflegschaftsvorsitzende ist und bereits ihr viertes Kind an der Realschule hat. Aktuell mit einem Anfahrtsweg von 40 Minuten aus Witzhelden – einfach, mit dem Auto. Mit dem Bus wären es zweieinhalb Stunden. „Natürlich habe ich kurz darüber nachgedacht, die Schule zu wechseln“, gesteht sie. „Aber nein: Das ist unsere Schule.“ Und so freut sie sich wie alle auf den Start nach den Osterferien in der neuen, alten Schule.