Am Mittwoch hat am Kölner Landgericht der Prozess gegen einen Leverkusener begonnen.
Cannabis und KokainMutmaßlicher Dealer aus Leverkusen gesteht zum Prozessauftakt

Der Prozess gegen den 22-jährigen Leverkusener findet am Landgericht Köln statt.
Copyright: Thomas Käding
Navid M. (Name geändert) schaut zuversichtlich in Richtung Besucherbänke, als er von einem Justizbeamten in Saal 2 des Landgerichts Köln geführt wird. Hier haben sich die Familienangehörige des 22-jährigen Leverkuseners versammelt, die ihm gespannt entgegenblicken.
Denn in den vergangenen Monaten haben sie ihn nur selten gesehen. Die hat M. nämlich hinter Gittern in Untersuchungshaft verbracht. Ende März 2023 wurde er nach einer Durchsuchung seiner Wohnung festgenommen. Die Polizei hatte dort Cannabis vermutet und dann auch gefunden. Zudem entdeckten sie eine verdächtige Menge an Bargeld und eine Zwille inklusive Stahlkugeln.
Drogenhandel und Waffenbesitz
Es war nicht der erste derartige Fund in seiner Wohnung. Bereits im Spätsommer und Herbst 2022 war die Polizei zweimal bei M. vorstellig geworden. Beide Male wurde neben größeren Mengen Cannabis auch kleinere Mengen Kokain gefunden. Einmal konnte zudem Haschisch sichergestellt werden. Aufgrund der Menge an Drogen, mehrerer Feinwaagen, typischem Verpackungsmaterial und „dealertypisch gestückeltem Bargeld“ wirft die Staatsanwaltschaft M. den Handel mit Betäubungsmitteln im Zeitraum August 2022 bis März 2023 vor.
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Weiterhin lautet die Anklage auf illegalen Waffenbesitz, da neben der im März sichergestellten Zwille auch ein Pfefferspray und zwei Messer bei M. gefunden worden waren. Weil sich die Fälle häuften und nicht aufhörten, beantragte die Staatsanwaltschaft nach der Festnahme im März dieses Jahres die Unterbringung in Untersuchungshaft.
Gleich zu Beginn macht M. reinen Tisch. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft räumt sein Anwalt vollumfänglich ein. Er selbst gibt danach auf die Befragung durch Richter, Staatsanwältin und einen hinzugezogenen Sachverständigen hin umfassende Erklärungen ab.
Auf die schiefe Bahn
Als Ausgangspunkt für seinen kriminellen Lebenswandel benennt er die Trennung seiner Eltern noch während seiner Jugendzeit. Im Zuge dieser sei er zunehmend ohne Aufsicht und einsam gewesen. Einen Ausweg habe er sich im Kontakt mit älteren Freunden und den Drogen gesucht. Seine schulische Laufbahn habe darunter immer stärker gelitten und er sei zunehmend in den Drogen versunken. Damals häuften sich bereits die ersten Verurteilungen wegen Drogenbesitz. Angeordnete Besuche bei der Suchtberatung blieben erfolglos.
2022 schließlich habe ihn sein eigener Dealer dazu überredet, ebenfalls in den Drogenverkauf einzusteigen. Es habe wie ein einfacher Weg gewirkt, seine durch den Konsum bis dato angehäuften Schulden zu begleichen. Weil die jedoch immer größer wurden, hätte er keine Möglichkeit gesehen, aufzuhören, als er erstmal im Geschäft drin war.
Die Waffen, sagt M., habe er nur besessen, um sie zu haben: „Ich war nie ein Typ, der anderen Gewalt antut.“ Die Messer habe er gekauft, da er sie in virtueller Form aus einem Videospiel kannte und faszinierend fand. Mittlerweile, so erklärt M., habe er erkannt, dass er falsch gehandelt habe. In der Justizvollzugsanstalt bemühe er sich jetzt darum, seinen Realschulabschluss nachzuholen. Mit Musik versuche er seinen angestauten Emotionen Luft zu verschaffen.
Offene Fragen
Ob das Gericht diesen Beteuerungen Glauben schenken wird, muss sich zeigen. Am Freitag steht der nächste Verhandlungstag an. Dann kommen weitere offene Fragen auf den Tisch. So soll eine ehemalige Nachbarin des Angeklagten auftreten, deren Hinweis zur ersten Durchsuchung führte. Sie soll sich von M. bedroht gefühlt haben.
Außerdem wird es um die Auswertung von Chatprotokollen gehen. Sie sollen den Beweis liefern für eine der Drogenbestellungen, die M. im letzten Jahr bei seinem eigenen Dealer getätigt hat. Bei der Frage nach dessen Identität machte er von seinem Recht auf Schweigen Gebrauch.