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ProzessZwei drogensüchtige Leverkusener haben offenbar einen 15-Jährigen überfallen

Lesezeit 4 Minuten
Moschee-Baustelle am Moosweg

An der Moschee-Baustelle am Moosweg in Leverkusen soll ein Paar einen 15-Jährigen überfallen haben. (Archivbild)

Ein Raub am Moosweg in Leverkusen ist ein Fall für das Landgericht: Das beschuldigte Paar hat mehr als 40 Vorstrafen. 

Was ist genau passiert am 16. Januar an der Moschee-Baustelle am Moosweg? Dazu kursierten am Montag vor dem Kölner Landgericht drei Versionen. Die des Opfers, die sich dann auch die Staatsanwaltschaft zu eigen gemacht hat. Und je eine der beiden des räuberischen Diebstahls beschuldigten Angeklagten.

Klar ist: Nach einem Angriff, in dessen Verlauf der 15 -Jährige zu Boden ging, war sein Telefon weg. Und kein ganz billiges, im Übrigen: ein iPhone 12 Pro. Laut Staatsanwaltschaft wurde der junge Kerl von Jamal L. (alle Namen geändert) am Hals gepackt, zu Boden geschlagen und mit einem Messer bedroht. Das Telefon nahm Jamal L. dann auch noch mit. Seine Begleiterin und damalige Freundin Diana R. spielte laut Anklage eine geringere Rolle.

Leverkusen: Die Frau hatte nur eine Nebenrolle

„Die Frau hat nichts gemacht“, sagt das inzwischen 16 Jahre alte Opfer am Nachmittag. Später habe sie ihm noch gesagt, dass man nichts ausrichten könne, wenn ihr Mann so drauf sei. Ein aggressiver Typ sei das. Besonders, wenn er auf Drogen sei. Und das sei wohl so gewesen an jenem Montagabend im Januar.

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Ansonsten ist das mit dem Erinnerungsvermögen des Opfers so eine Sache. Über den genauen Verlauf des Aufeinandertreffens kann er kaum etwas sagen. Auch der weitere Mann, der ihn getreten haben soll, kann nicht weiter beschrieben werden.

Direkt in Untersuchungshaft

Vier Wochen nach dem mutmaßlichen Angriff wurde Jamal L. festgenommen. Wegen seiner vielen Vorstrafen kam er in Untersuchungshaft. Zunächst in Köln, danach in Wuppertal-Vohwinkel. Von dort wurde er am Montag im Gericht vorgeführt. Seine Gefährtin, die sich mittlerweile von ihm getrennt hat, ist trotz sehr vieler Vorstrafen auf freiem Fuß. Im Gegensatz zu Jamal L. hat sie auch noch nie im Gefängnis gesessen. Es ging bei ihr fast immer um Diebstähle, das fächerte der Vorsitzende Richter Harald Helmes am ersten Prozesstag in zwei Stunden auf.

Die Strafakten von Diana R. sind aber nur das eine. Die 48 Jahre alte Frau hat schon viel durchgemacht: Die Mutter arbeitete als Prostituierte, den Vater hat Diana R. nie kennengelernt. Lange wusste sie gar nicht, dass die Menschen, bei denen sie seit früher Kindheit lebte, gar nicht ihr Eltern waren. Als sie das mit zwölf Jahren erfuhr, war das für die Heranwachsende ein Schock. Es folgten Jahre im Kinderheim, mit 17 wurde sie schwanger. Der Vater, drogensüchtig, kümmerte sich nicht um das Kind. Auch Diana kam mit Drogen in Kontakt, Heroin, Kokain. Letzteres konsumierte sie auch noch, als im Januar die gewalttätige Geschichte in Manfort passierte. Genau wie ihr Begleiter.

Hat der 15-Jährige ein Auge auf die Frau geworfen?

Der habe sich stark und enthemmt gefühlt, als er auf den 15-Jährigen traf, den er entfernt kannte. Und auf den der Algerier einen Hals hatte: Er verdächtigte ihn, ein Auge auf seine blonde deutsche Freundin geworfen zu haben. Das sei auch der Grund gewesen, warum er auf ihn losgegangen sei, ließ er durch seinen Anwalt ausrichten. Und dass Drogen seit vielen Jahren ein Problem für ihn seien. Nur im Gefängnis sei er bisher davon einigermaßen losgekommen. Im Umkehrschluss: „Sobald ich draußen bin, nehme ich wieder was und baue Scheiß.“

Diana R. hat schon diverse Versuche hinter sich, von den Drogen loszukommen. Mehrmals begab sie sich laut der Akten in die Heroin-Substitution – von dieser tödlichen Substanz ist sie offenbar schon länger weg. Aber der stetige Kokain-Konsum malt sich in ihren Strafakten ab. Einmal klaute sie Wäsche, um damit Schulden bei ihrem Dealer zu begleichen. Ein anderes Mal waren es Lebensmittel, weil sie ihr weniges Geld für Kokain ausgegeben hatte. Und ihr Sohn nichts zu essen hatte.

Der hat im Laufe der Jahre diverse Partner seiner Mutter kennengelernt. Aber der längst erwachsen gewordene Mann scheint seinen Weg zu gehen, während Diana R. beruflich nie ein Bein auf die Erde bekommen hat. Nach dem Hauptschulabschluss brach sie die Lehre ab, wegen der Schwangerschaft. Eine Ausbildung zur Altenpflege-Helferin hat der heute 48-Jährigen auch keine stabile berufliche Existenz gebracht. Im Moment mache sie ein Praktikum in einem Gartenbaubetrieb, heißt es am Montag.