Der mutmaßliche Brandstifter wurde kurz nach dem Brand an der Augustastraße gesehen.
Explosion in der AugustastraßeTatverdächtiger hinterließ viele belastende Spuren

Noch heute ist der Brandfleck zu sehen: Nahe Tannenbergstraße / Lötzener Straße unter der Stelze brannte das Auto des Tatverdächtigen, der in der Augustastraße eine Wohnung angezündet haben soll.
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Wie kam es, dass Mohammad N. (Name geändert) ins Blickfeld der Ermittler geraten ist? Erst einen Monat nach dem Brand in der Wohnung seiner frisch von ihm getrennten Freundin wurde der Mann in Untersuchungshaft genommen.
Die Antwort ist einfach: Der mutmaßliche Täter wurde kurz nach der Explosion auf der Augustastraße von einem Zeugen gesehen, der den Mann mit der glänzenden Glatze und den markanten Gesichtszügen später bei einer Lichtbildvorlage auf einem Foto wiedererkannte. Er wurde gesehen, wie er erst die gröbsten Trümmer von seinem SUV herunterwischte und in das verbeulte Auto gestiegen ist, um wegzufahren, noch bevor Polizei und Feuerwehr eintrafen.

Wo die Trümmer liegen, soll der Tatverdächtige zuvor sein Auto geparkt haben.
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Das sagte der leitende Ermittler in der Brandsache Augustastraße. Noch Tage nach der Explosion glaubten die Ermittler an eine technische Ursache für das Feuer, Brandstiftung war noch nicht im Gespräch. Den Ermittlern schwante aber bald, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Feuer in der Augustastraße und dem Abbrennen des Autos unter der Stelzenautobahn geben könnte.
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Sie hatten inzwischen erfahren, dasss sich das Paar nur Tage vor dem Brand getrennt hatte. Und die etwas genauere Analyse des stark am Heck angekokelten SUV unter der Stelze förderte belastende Fakten zutage, die bei der ersten Untersuchung des Autos – als man noch nicht von einem Zusammenhang ausgegangen war – nicht ausreichend gewürdigt worden waren.
Spuren führen zur Sicherheitsfirma
Die Steinchen und Holzreste auf dem ausgebrannten Auto Mohammad N.’s passen laut Analyse ziemlich genau zu den Mauersteinen und zum Dachstuhlholz, die bei der Explosion aus dem dritten Stock heruntergefallen sind. Und: als Brandbeschleuniger soll ein mit Petroleum getränkter Handschuh verwendet worden sein, wie man sie im Sicherheitsgewerbe trägt. Mohammad N. arbeitete in einer Sicherheitsfirma.
Stimmt diese Version, dann hat der angeklagte Mittvierziger nicht damit gerechnet, dass das von ihm in der Wohnung ausgeschüttete Benzin mit einem so heftigen Wumms verpuffte, dass die Fassade herausflog und Trümmer auf sein genau vorm Haus geparktes Auto regneten.
Die Fakten reichten dem Untersuchungsrichter für einen Haftbefehl, sagte der Kommissar in der Verhandlung im Kölner Landgericht am Dienstag.
Handy-App zeigt Bewegung in der Nacht
Mohammad N. nutzte auch ein Fitness-Armband und eine Fitness-App. Diese Dinge mögen nützlich erscheinen, aber sie generieren Daten. Die Daten der Bewegungssensoren im Handy werteten die Ermittler aus. Die Kölner Beamten konnten feststellen, dass am Tag und zu der Zeit, als an dem Schloss der späteren Brandwohnung im 3. Stock des Gebäudes manipuliert wurde, Mohammad N.’s Handy spät nachts in eben diesen dritten Stock transportiert wurde. Die App verbucht Treppensteigen als Bewegung und hält sogar die Anzahl der Stockwerke fest. Das ist kein Beweis für irgendetwas, aber ein Puzzleteil.
Anders die Funkzellendaten, also die Information, in welcher Funkzelle sich das Handy zu welcher Zeit eingeloggt hat. Die konnten nicht mehr erhoben werden: Sie werden nur sieben Tage gespeichert, da galt der Angeklagte noch nicht als verdächtig.