Die geringen Niederschläge im Februar und März haben die Waldböden austrocknen lassen.
Nach langer TrockenheitGroßeinsatz über Flammen in Overath – Waldbrandgefahr in NRW steigt

Ein Löschhubschrauber war am Donnerstag im Einsatz über dem Brombacher Berg in Overath. In den Wäldern von NRW herrscht lange vor dem Sommer schon fast durchgehend Waldbrandgefahr.
Copyright: Christopher Arlinghaus
Es sind Bilder, die an die vielen Feuer insbesondere in Südeuropa nach langer Dürre erinnern: Große Flächen stehen in Brand, Hubschrauber kreisen über dem Gebiet und löschen aus der Luft. Am Boden werden die Flammen bekämpft, um Siedlungen zu schützen. In Overath-Brombach hatte die Feuerwehr ein Gebiet von rund 50.000 Quadratmetern im Blick, in dem die Feuer immer wieder aufflammten. Die Fläche entspricht etwa sieben Fußballfeldern.
Gemeldet wurde das Feuer am Donnerstagnachmittag. Am späten Abend war es unter Kontrolle. Noch am Freitag beschäftigen Nachlöscharbeiten die Feuerwehr. Insgesamt waren rund 350 Feuerwehrleute im Einsatz - im Schichtdienst, darunter auch Einsatzkräfte aus Köln. Es war einer der größten Feuerwehreinsätze in der Geschichte von Overath.
Wechselnde Winde erschwerten die Löscharbeit
„Was uns zu schaffen machte, waren die wechselnden Windrichtungen“, sagt Marco Bücheler, Sprecher der Overather Feuerwehr. Gebrannt habe vor allem das strohtrockene Unterholz. Ein Funkenflug reicht aus und schon brannte es an anderer Stelle.
Alles zum Thema Deutscher Wetterdienst
- Trockenheit in NRW Rheinpegel sinkt dramatisch, erste Waldbrände in der Region
- Wetter in Köln und Region Sonniger Start ins Wochenende – Temperaturen bis zu 25 Grad
- Himmelsspektakel Partielle Sonnenfinsternis nur teilweise sichtbar – Bedingungen in Köln ideal
- Nase voll vom Frühling Beginn der Allergiesaison – Welche Pollen sind jetzt unterwegs?
- Rauchgase in Wohngebieten Feinstaub aus Kaminöfen verschmutzt die Luft auch in Köln
- Wetter in Köln Temperaturen über 20 Grad – „komplette Wetterumstellung“ möglich
- Auftakt neue Kolumne Ein Besuch bei Wetterfrosch Oliver Baldsiefen in Lindlar-Hartegasse
Unterstützung gab es von Bauern, die mit Traktoren Wasser heranschafften. Ein Feuerwehrmann wurde verletzt. Über Stunden lag der Brandgeruch in der Luft. Per Warn-App Nina waren die Anwohner aufgefordert worden, ihre Fenster geschlossen zu halten.
In einem Lindlarer Wald hatten schon vor zwei Wochen mehr als drei Hektar gebrannt. 22 Stunden mussten die Feuerwehrleute der oberbergischen Gemeinde gegen die Flammen ankämpfen.
Feuer sind zurzeit nicht so ungewöhnlich, wie sie scheinen
Für die Feuerwehren im Bergischen Land und in der Eifel bedeuten die aktuellen Brände zwar viele zusätzliche Einsatzstunden, doch für die Jahreszeit ungewöhnlich sind sie nicht. Dort habe der Deutsche Wetterdienst teilweise die Gefahrenstufe 4 auf der fünfstufigen Skala ausrufen müssen. Grundsätzlich gelte für NRW derzeit die Stufe 3.
Auch andernorts in NRW bei Hagen, Meinerzhagen, Straelen und Atena hatte es am Donnerstag gebrannt. Dass im Frühjahr die Waldbrandgefahr steigt, gehöre zu den ersten Schönwetterphasen dazu, sagt Malin Schneider-Pluppins, Sprecherin des NRW-Landesbetriebs Wald und Holz in Münster. Normalerweise sei das Sauerland, dessen Fichtenwälder durch den Borkenkäfer schwer angeschlagen und geschädigt sind, im Frühjahr besonders gefährdet. „Von dort haben wir noch keine schlechten Nachrichten. Im Gegenteil. Der Boden ist noch leicht feucht, weil es wenig geregnet hat.“
Fichtenwälder im Sauerland bisher verschont - trotz starker Schädigung
Die Wetter-Aussichten fürs Wochenende und den Wochenbeginn versprechen keinen Niederschlag. Es wird zwar kälter, doch die Sonne scheint den ganzen Tag.

Ein Waldstück in Overath steht in Flammen.
Copyright: Freiwillige Feuerwehr Overath
Die Waldbrandgefahr bleibt also hoch. „Diese Phase hält noch an, bis die Bodenpflanzen im Wald alle grün werden, das Laub aus den Bäumen ausgetrieben ist und wieder mehr Schatten auf den Boden fällt. Im Moment kann die Sonne wunderbar durchscheinen, trifft dabei auf das noch nicht zersetzte Bodenmaterial aus dem Vorjahr und trocknet es sehr schnell ab“, sagt Julian Mauerhof, Leiter des Regionalforstamts Niederrhein. Und warnt auch: „Eine weggeworfene Zigarettenkippe reicht aus, um einen Brand zu entfachen. Oder ein Auto, das nicht auf einem offiziellen Waldparkplatz abgestellt, sondern auf Laub geparkt wird. Die Hitze des Katalysators kann ebenfalls ein Feuer auslösen.“ Der seit einigen Tagen vorherrschende Ostwind führe dann schnell zu Problemen.
Neue Fire-Watch-Zentrale am Niederrhein
Neue Wege in Sachen Brandschutz geht man bereits in Wesel am Niederrhein. Dort hat das Land NRW vor einem Jahr eine neue Waldbrand-Überwachungszentrale eingerichtet. Die sogenannte Fire-Watch-Zentrale setzt auf Kameras, die Waldgebiete kontinuierlich überwachen. Die optischen Sensoren des Hightech-Systems stellen eine flächendeckende Sicht sicher und können selbst in 20 Kilometer Entfernung Rauchentwicklungen durch Entstehungsbrände erkennen und exakt verorten. Einen Großbrand kann so sogar auf 40 Kilometer Entfernung erkannt werden.
„Wir decken mit dem Fire-Watch-System den gesamten Niederrhein, kleine Teile des Münsterlands und große Teile der Niederlande ab. Das sind 4000 bis 5000 Quadratkilometer“, sagt Mauerhof. Das Pilotprojekt für NRW sei in anderen Bundesländern mit hoher Waldbrandgefahr wie Niedersachen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt zum Teil schon über Jahre im Einsatz.
Das Land NRW finanziert Fire Watch mit rund 1,13 Millionen Euro. Die Überwachungszentrale ist ab der Waldbrandwarnstufe 3 kontinuierlich besetzt. Spezial-Computer an zwei Arbeitsplätzen sorgen für schnelle Auswertungsmöglichkeiten der übertragenen Bilder. Sobald eine der acht hochempfindlichen Sensoreinheiten des Systems eine Rauchentwicklung aufgespürt hat, erfolgt eine automatische Meldung an die Zentrale. Hier werden diese Livebilder ausgewertet, analysiert und eine exakte Verortung über Kreuzpeilungen der verschiedenen Kamerastandorte vorgenommen. Wird bestätigt, dass es brennt, geht sofort eine Benachrichtigung an die zuständige Feuerwehrleitzentrale.
Forstamt überwacht Waldgebiete mit Kameras
Mithilfe der acht Kameras – verteilt über das ganze Waldgebiet des Forstamtes – überwacht das Mitarbeiterteam eine 62.000 Hektar große Fläche. Die Kamerastandorte erstrecken sich auf sieben Landkreise und kreisfreie Städte: Viersen, Kleve, Wesel, Rhein-Kreis-Neuss, Düsseldorf, Mönchengladbach und Krefeld.
„Das System hat zwei entscheidende Vorteile: Wir können Brände sehr früh entdecken und genau verorten. Das ist ein Riesenvorteil, weil die Feuerwehren die Rauchsäule zwar sehen, dann an den Waldrand fahren und wegen der 30 Meter hohen Bäume nichts mehr erkennen. Wir liefern die GPS-Koordinaten und eine Karte in das Einsatzfahrzeug. So lassen sich Brände früher entdecken und die Feuerwehr sehr genau zum Ziel leiten“, so Mauerhof.
Für alle Regionen will der Experte aber auf eine bedeutende Verhaltensregel hinweisen: „Ganz eindringlich: Seit 1. März gilt ein generelles Rauchverbot im Wald“, sagt Mauerhof. Auf Spaziergänge oder Wanderungen müssen die Menschen aber nicht verzichten, sondern sich nur umsichtig verhalten.