Mit einer Schubkarre hat Frank Stein versucht, Blumen aus dem Rathaus zu retten – vergebens: Er ist entmachtet wie die übrigen Rathauschefs.
Rathaussturm in Bergisch GladbachBürgermeister buddelt in Bensberg Rathausschlüssel aus

In einer Schubkarre versucht Bürgermeister Frank Stein, Blumen aus dem Rathaus zu retten (l.). Vergebens, die Großen Bensberger treiben ihn zur Bühne.
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Die Bensberger Schloßstraße ist eine große Baustelle – aber für den Rathaussturm da reicht der Platz – auch wenn sich die Jecken nach dem Aufwärmtraining in der Bensberger Bank erstmal durch das Labyrinth aus Absperrbaken schlängeln müssen. Die Bühne ist so aufgebaut, dass sie tiefergelegt wie im Theater wirkt: Von allen Plätzen eine gute Sicht! Aber bis der Bürgermeister gut zu sehen ist, das dauert.

Im vorletzten Stockwerk der Schlossgalerie hatten sich der Bürgermeister und seine Mannschaft versteckt.
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
In einer Schubkarre hat Bürgermeister Frank Stein noch versucht, Blumen aus dem Rathaus vor der anrückenden Jecken zu retten.
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Mit seiner Crew ist er vom Rathaus an diesem Morgen schon vorsichtshalber ins Parkdeck 2 der Schlossgalerie umgezogen. In der Hoffnung, sich dort vor den Rathausstürmern verstecken zu können.
Bürgermeister Frank Stein wird von den anrückenden Jecken gefunden
Die schönsten Blumen aus dem Rathaus hat er ebenfalls noch aufs Parkdeck in Sicherheit gebracht. In Sicherheit? Da haben Frank Stein und sein Gefolge die Rechnung ohne die Amazonen, die „Herrenreiter zu Fuß“ und die Tanzsportgemeinschaft der Großen Bensberger gemacht. Denn die haben in diesem Jahr den Sturm auf das Rathaus ausbaldowert – und die Rathauscrew schnell ausfindig gemacht, während Werner Müller auf der Bühne am Fuß der neuen Rathaustreppe noch das Mottolied singt.
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Da kann auch Beigeordneter Thore Eggert im Wolkenkostüm nicht mehr helfen.
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Der Große-Bensberger-Präsident Rainer Furth-Quernheim und Senatspräsident Christian Ehrlich setzen „Alaaf“-Signale ab, um die Häscher zurück zur Bühne zu lotsen. „Das ist aber perfide“, moppert der als Gärtner getarnte Bürgermeister, als ihn die vereinigten Bensberger dazu auffordern, seine mit Blumen gefüllte Schubkarre die Rathaustreppe hinunter zu steuern. Trotzdem: Der Widerstand tendiert gegen null. Dabei ist die Treppe nicht das einzige Hindernis auf dem von den Rathausstürmern vorgegebenen Weg zur Bühne. Frank Stein wird auch noch mit Wasser aus Sprühbehältern und Gießkannen eingeseift.
Ehemalige Bürgermeisterin hat sich als Teufelchen unter die Jecken gemischt
Als Teufelchen mit roten Haaren, Hörnern und ihrem Ehemann Wilmund an der Seite verfolgt Bürgermeisterin a.D. Maria-Theresia Opladen das Szenario. Ob sie mit ihren Hörnern am Tag der jecken Wiever jemanden aufzuspießen gedenkt? „Ach nein“, wiegelt sie ab, „ich bin ganz zahm geworden.“

Bergisch Gladbachs Ex-Bürgermeisterin Maria-Theresia Opladen als Teufel und ihr Ehemann Wilmund Opladen beim Rathaussturm in Bensberg.
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Auch die, die Frank Stein im Herbst im Amt beerben wollen, die Bürgermeisterkandidaten von SPD und Grünen, Marcel Kreutz, sowie von CDU und FDP, Alexander Felsch, verfolgen das Geschehen – um zu erfahren, was womöglich einem von ihnen im nächsten Jahr dräuen könnte.

Da muss der Bürgermeister nach dem Rathausschlüssel buddeln.
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Rathauschef Stein hat derweil die Bühne erreicht. Erlöst ist er damit aber noch nicht: Er soll den Stadtschlüssel rausrücken. Aber wo ist der? Offenbar haben ihn die Jecken in einem großen Blumenbeet verbuddelt. In einem Quiz soll er nun zunächst Fragen beantworten. Je mehr er korrekt beantwortet, desto größer ist sein Grabegerät.
Beim Pflanzen-Quiz beantwortet Bürgermeister Stein nur eine Frage korrekt
Stein landet mit nur einer richtigen Antwort bei einem Sandkastenschäufelchen. Es dauert eine halbe Ewigkeit, bis er den Stadtschlüssel damit ausgebuddelt hat. Und dann ist er ihn auch gleich wieder los: ans Kinderdreigestirn. Die großen Tollitäten haben schließlich bei ihrer Proklamation bereits den Zweitschlüssel bekommen.
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Wie ein Freilufttheater wirkte die Schlosstreppe beim Rathaussturm.
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Ihre Begleiter sind trotzdem reichlich angefressen, denn die Verantwortlichen vom Bensberger Festkomitee ziehen das Programm immer weiter in die Länge. Für einen Gesangsauftritt des Dreigestirns, geschweige denn einen Tanz der Prinzengarde bleibt am Ende im engen Weiberfastnachtsterminplan keine Zeit. Wirklich schade.
Mit einem Schuss Melancholie mag das karnevalistische Schauspiel auch Frank Stein erlebt haben: Für ihn war es der letzte Rathaussturm, er tritt im Herbst ja nicht erneut zur Wahl an. „Klar, das habe ich schon im Kopf und ich habe das immer sehr genossen“, sagt der Gärtner, der dem aktuellen Sessionsmotto gemäß doch nur alles hatte richtig machen wollen: „Blome, Blome üvverall – Mer fiere öntlich Karneval!“ Für Letzteres hat er unterdessen jetzt Zeit – und ganz offensichtlich auch Laune. „Ich hab jetzt bis Aschermittwoch frei: Ich muss nix mehr machen – außer feiern. Alaaf!“ Sprach's und mischte auch sich ins jecke Jewöhl.