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Hambacher ForstRWE will Bäume im Kerpener Sündenwäldchen kommende Saison roden

Lesezeit 4 Minuten
Das Foto zeigt ein Zelt in einem Wald.

Einige Aktivisten besetzen die Reste des Sündenwäldchens (Archivfoto).

Weil die Rodungszeit endet, wartet RWE mit den finalen Arbeiten laut eigenen Angaben bis zur kommenden Saison Ende des Jahres.

Mit dem Ende der Rodungssaison am Freitag, 28. Februar, enden auch die Rodungsarbeiten im Sündenwäldchen bei Kerpen-Manheim-Alt. Zumindest für die nächsten Monate. Das bestätigt ein RWE-Sprecher auf Anfrage der Redaktion.

Kerpen: Waldfläche beträgt laut RWE mittlerweile weniger als ein Hektar

Er erläutert: „Die Rodungsmaßnahmen betrafen das gesamte Tagebauvorfeld. Sie sind erfolgreich verlaufen und haben die Weiterentwicklung des Tagebaus für die kommenden Monate planmäßig gesichert.“ Weiter sagt der Sprecher: „Lediglich auf einer kleinen Restfläche von deutlich unter einem Hektar stehen noch einige Bäume, die in der kommenden Rodungssaison gefällt werden.“

Er bestätigt ebenfalls: „Dort befinden sich noch Personen widerrechtlich auf unserem Betriebsgelände.“ RWE-Mitarbeiter weisen diese Aktivisten ihm zufolge „regelmäßig auf die hohen Gefahren (zum Beispiel bei Wind) hin, denen sie sich auf ihren selbstgebauten Plattformen selbst aussetzen und fordern sie zum Verlassen unseres Betriebsgeländes auf.“

Michael Zobel, Naturführer und Waldpädagoge sowie Aktivist, zeichnet zumindest in Hinblick auf die verbliebenen Menschen im Wald, ein ähnliches Bild: „Die Rodungssaison geht zu Ende - ein kleiner Teil des Waldes steht noch, das ist die gute Nachricht. Und es gibt immer noch mutige Menschen, die Bäume mit ihren Körpern schützen. Auch die Mahnwache ist noch da.“

Er kündigt entsprechend einen weiteren Waldspaziergang vor Ort am Sonntag, 2. März, um 12 Uhr an. Los geht es ab der Kirche Manheim-Alt, von dort aus zum Sündenwäldchen. Es gibt einen Bus-Shuttle zwischen dem S-Bahnhof Kerpen-Buir und der Alt-Manheimer Kirche.

Aktivisten beklagen Gewalt durch den Sicherheitsdienst

Noch am gleichen Tag meldete die Mahnwache Lützerath, RWE versuche „zum wiederholten Mal, die Versammlungsfreiheit einzuschränken“ und schrecke dabei „auch nicht vor der Anwendung körperlicher Gewalt zurück“.

Sie betonten, dass ihre Versammlung angemeldet und genehmigt sei, was auch durch das Verwaltungsgericht Köln bestätigt wurde. Nun heißt es von den Aktivisten: „Nunmehr versucht RWE mit allen Mitteln, Fakten zu schaffen, um die Mahnwache zum Aufgeben zu zwingen. Vergangenen Dienstag und Mittwoch ließ RWE einen Erdwall rund um die Mahnwache errichten, um den Zugang zur Versammlung zu erschweren.“ Dabei seien wiederholt Aktivisten von den Sicherheitskräften des Konzerns „körperlich angegriffen“ worden.

Sprecher betont, dass Aktivisten auch RWE-Mitarbeiter angegriffen hätten

Auf diese Vorwürfe sagt der RWE-Sprecher: „Es ist nicht das erste Mal, dass aus den Reihen der Störer haltlose Vorwürfe erhoben werden, so auch jetzt. Vielmehr wurden unsere Mitarbeiter erneut im Zuge ihrer Arbeiten auf unserem Betriebsgelände von Störern aus der Mahnwache heraus attackiert. Werkschutzmitarbeiter haben die Störer daraufhin durch einfaches Wegdrücken auf Abstand gehalten.“

Er führt aus: „Zudem kam es ebenfalls auf unserem Betriebsgelände zu einem Angriff von Störern mit einem großen Feuerwerkskörper auf unsere Mitarbeiter. Zum Glück wurde niemand verletzt. Die Polizei wurde informiert und war vor Ort. RWE hat Anzeige erstattet.“

Zu dem von den Aktivisten angesprochenen Erdwall sagt er: „Betriebsfremden ist das Betreten unseres Betriebsgeländes generell verboten. Routinemäßig macht RWE Power ihr Betriebsgelände im Tagebauvorfeld durch den Bau einer Erdverwallung für Jedermann klar erkennbar. Diese Arbeiten erfolgten auch am Tagebau Hambach und zwar im Einklang mit der zu Jahresbeginn erteilten behördlichen Genehmigung des neuen Hauptbetriebsplans. Da die angemeldete Mahnwache am aktuellen Ort heute offiziell endet, hatte RWE an dieser Stelle freiwillig später als im übrigen Vorfeld mit den Arbeiten der Verwallung begonnen.“

Uneinigkeit über Entfernung und Eignung des Alternativstandorts

Die Arbeiten seien der Mahnwache „sogar von unseren Mitarbeitern angekündigt und erläutert worden“. Dabei seien die Mitarbeiter „zum wiederholten Male heftig und persönlich beleidigt“ worden. „Eine angebliche Umschließung der Mahnwache mit einem Wall ist ebenfalls frei erfunden und hat nicht stattgefunden. Der letzte Lückenschluss wird erst nach dem heutigen offiziellen Ende der Mahnwache erfolgen“, teilt der Sprecher mit.

Die Aktivisten beklagen zudem, dass der angebotene Alternativstandort ungeeignet sei: „Nachdem eine Verlängerung der Mahnwache am aktuellen Standort nicht bewilligt wurde, verhandelt die Mahnwache Lützerath mit der Versammlungsbehörde über einen akzeptablen Ersatzstandort. Der von RWE angebotene Ersatzstandort ist, wie schon bei der letzten Auflösung, kilometerweit entfernt und schlecht zugänglich und somit dem Zweck der Mahnwache vollkommen ungeeignet.“

Der RWE-Sprecher hält dagegen: „Im Beisein der Versammlungsbehörde hatte RWE Power der Mahnwache zudem einen alternativen Standort angeboten, der sich rund 150 m von der Betriebsgrenze entfernt befindet. Es wäre das nächstmögliche Grundstück in unserem Besitz gewesen.“