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Torhüter DuduViktoria Kölns Spielmacher zwischen den Pfosten

Lesezeit 4 Minuten
Viktoria Kölns Schlussmann Dudu in Aktion

Viktoria Kölns Schlussmann Dudu in Aktion

Der Deutsch-Brasilianer überzeugt in seiner ersten Saison auf ganzer Linie. Trainer Olaf Janßen gerät ins Schwärmen.

Eduardo dos Santos Haesler – so lautet der vollständige Name von Viktoria Kölns Nummer eins. Ob er eine Hommage an den einstigen FC-Weltklassespieler Thomas Häßler sein soll? „Nein“, sagt der Fußballer lachend, es sei schlicht der Nachname seines Vaters. Eduardo dos Santos Haesler ist besser bekannt unter seinem Spitznamen Dudu. „Wir waren in Brasilien auf Familienbesuch. Und denen war Eduardo einfach zu lang, darum wurde daraus ganz schnell Dudu“, berichtet der 26-Jährige. Der Deutsch-Brasilianer steht seit Sommer beim Kölner Drittligisten zwischen den Pfosten und hat großen Anteil am Höhenberger Höhenflug. Dudu vereint gute Reflexe, eine sehr ordentliche Strafraumbeherrschung und ein sicheres Passspiel.

„Gefühlt wird er von Spiel zu Spiel besser“, lobt Trainer Olaf Janßen, man könne sich blind auf ihn verlassen. „Dudu ist kein Zappelphilipp, er strahlt die nötige Ruhe aus und deckt einfach das gesamte Portfolio eines Keepers ab. Für mich zählt Dudu zu den Top drei der Drittliga-Torhüter.“

Viktoria Köln sucht auch im eigenen Strafraum fußballerische Lösungen

Aufgrund Viktorias außergewöhnlicher Spielanalage ist Dudu einer der Kölner Profis mit den meisten Ballkontakten. In der Regel lässt Trainer Janßen sein Team das Spiel aus dem eigenen Strafraum heraus mit kurzen Pässen eröffnen. Sobald die gegnerische Pressinglinie durchbrochen wird, eröffnen sich den schnellen Angreifern Räume. „Das ist unsere Art Fußball zu spielen, die sieht man nicht so oft in der Dritten Liga. Aber es macht unglaublich viel Spaß. Ich will mich einbringen und das Spiel eröffnen“, sagt Dudu. Unter Bedrängnis anlaufender Stürmer gibt es im eigenen Strafraum keinen Spielraum für Ungenauigkeiten. „Auch wenn es für den Außenstehenden vielleicht manchmal gefährlich wirkt, ist es doch in der Regel sehr kontrolliert“, beruhigt der gebürtige Duisburger. „Wir haben unsere Fußball-DNA gefunden.“

In seiner frühen Kindheit zog die Familie dos Santos Haesler nach Bonn, Dudu spielte in der Jugend – damals noch als Feldspieler –für den DSV Königswinter und den FC Hennef 05. „Gerade meine Eltern haben viel Wert auf Techniktraining gelegt“, sagt er, dazu sei der Fußball auch Teil seiner Herkunft. „Ich glaube, dass jeder Brasilianer etwas mit einem Ball anfangen kann.“ Über den Nachwuchsabteilungen von Borussia Mönchengladbach, Rot-Weiss Essen und MSV Duisburg landete Dudu schließlich beim SV Werder Bremen II. Doch ein Stammplatz zwischen den Pfosten blieb ihm verwehrt – daran änderte auch eine Leihe zum dänischen Erstligisten FC Nordsjaelland nichts. Im Alter vom 25 Jahren wurde Dudu dann beim FC Viktoria Köln erstmals zur unumstrittenen Nummer eins. „Als Feldspieler kannst du mal eingewechselt werden und spielst dich fest. Das funktioniert als Torhüter nur selten. Es ist immer eine Frage des Timings, viele Faktoren müssen zusammenspielen. Hier in Köln habe ich diese Faktoren vorgefunden – das macht mich sehr froh“, sagt Dudu.

Besondere Konstellation mit Kevin Rauhut

In Höhenberg muss der Keeper mit außergewöhnlichen Rahmenbedingungen umgehen. Aus wirtschaftlichen Gründen verzichtet die Viktoria auf eine klassische Nummer zwei. Torwarttrainer Kevin Rauhut füllt beide Rollen bis zum Saisonende in Personalunion aus. „Am Anfang war es ungewohnt. Aber es ist ein super Zusammenspiel, wir sind ein eingeschweißtes Team. Es macht richtig viel Spaß, ich bekomme viel Input von ihm. Ich ziehe meinen Hut vor ihm, es ist ja auch für ihn die erste Saison als Torwarttrainer“, sagt Dudu, räumt aber ein: „Ich freue mich auch darauf, wieder in dem eher klassischen Modell zu trainieren. Dann sind wir einer mehr und haben ein bisschen mehr Variation im Training.“

Bis dahin sind noch neun Liga- und vermutlich zwei Verbandspokal-Spiele zu absolvieren. „Es ist viel möglich“, sagt Dudu mit Blick auf die Meisterschaft – der Relegationsplatz ist nur sechs Punkte entfernt. Mit einem Sieg am Sonntag in Ingolstadt (13.30 Uhr) könnte sich die Viktoria auf Platz fünf vorschieben. Rang vier würde eine direkte DFB-Pokal-Qualifikation bedeuten. „Ziele kann man haben, Träume kann man haben. Das gehört dazu, das spornt einen an. Aber die Leistung muss folgen“, sagt Dudu. „Mit der Qualität und den Spielern, die wir haben, ist noch viel drin. Ich würde uns keine Grenze setzen.“